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Reichspogromnacht: Kerzen und Worte der Mahnung

Reichspogromnacht

Kerzen und Worte der Mahnung

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    Vor den Häusern ehemaliger jüdischer Bürger – wie hier im Hinteranger – stellte Anton Posset (links) Kerzen der Erinnerung auf.
    Vor den Häusern ehemaliger jüdischer Bürger – wie hier im Hinteranger – stellte Anton Posset (links) Kerzen der Erinnerung auf. Foto: Foto: Thorsten Jordan

    Landsberg, Kaufering In Landsberg und Kaufering haben Marktgemeinde und Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung der Ereignisse der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gedacht. In Kaufering betonte Bürgermeister Dr. Klaus Bühler, die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse aufrechtzuerhalten. In Landsberg gedachte Anton Posset mit Kerzen der ehemaligen jüdischen Mitbürger.

    Gemeinsames Gebet zu Beginn des Gedenkens

    Mit einer Ansprache von Bürgermeister Klaus Bühler sowie einem gemeinsamen Gebet der Geistlichen Pater Franz Schaumann sowie den Pfarrern Norbert Marxer und Jürgen Nitz gedachte die Marktgemeinde am Mahnmal „Hain der 30000“ des Beginns der „Vernichtung durch Arbeit“. Die Gedenkstunde aus Anlass des Jahrestages der Reichspogromnacht 1938 wurde vom Posaunenchor unter der Leitung von Dr. Börries Graf zu Castell würdevoll umrahmt.

    „Heute, 73 Jahre nach der Reichskristallnacht“, so Klaus Bühler, „werden wir von nicht wenigen gefragt: Wann hört ihr endlich auf, an diese Zeiten im Dritten Reich zu erinnern? Seid ihr Ewiggestrige?“ Seine Antwort dazu: „Ein ganz klares Nein. Nein, wir werden nicht aufhören, daran zu erinnern. Wir klagen nicht an. Die Betonung liegt vielmehr auf Erinnern.“

    Vor gut 60 Anwesenden beendete Bühler seine Ansprache mit der Frage nach der Toleranz. Aus aktuellem Anlass merkte er dazu an: „Sind wir mutig und tolerant genug, unserer neuen Realschule in Kaufering den Namen ‚Viktor Frankl’ zu geben? Den Namen dieses großen Arztes, Pädagogen, weltberühmten Psychotherapeuten, dieses großen Versöhners zwischen den Nationen, dieses größten Geistes, der je Kauferinger Boden betreten hat? Sind wir tolerant genug, durch unsere Namensgebung diesen großen jüdischen Gelehrten mit letztlich 29 Ehrendoktoraten unseren Realschülern als nachdenkenswertes Vorbild für wahres Menschsein mit auf ihren Lebensweg zu geben?“ Sein Herzenswunsch – auch als Förderer der Realschule – sei damit für alle erkennbar, betonte er.

    Stolpersteine zur Erinnerung an das Leid

    Seit fast 30 Jahren begehen die Bürgervereinigung „Landsberg im 20. Jahrhundert“ – der Gedenktag ist in ihrer Satzung verankert – und seit zwei Jahren die Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung den Gedenktag an die Reichspogromnacht von 1938. In den vergangenen Jahren sei der Gedanke erwogen und die Forderung erhoben worden, dass vor den Häusern der fünf jüdischen Familien, die am 9. November 1938 aus der Stadt vertrieben wurden, ein sogenannter Stolperstein in den Fußweg zur Erinnerung an ihr Leid eingelassen wird. Nur einer der jüdischen Mitbürger – Max Weimann – sei nach dem Holocaust in seine Geburtsstadt zurückgekehrt. Bis zu seinem Tod lebte er in Landsberg. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass jene, die dieses Ereignis leugnen, die unsere Stadt wiederholt mit kleinen Gruppen aufsuchten, sich an den Stolpersteinen stoßen und uns Gegendemonstrationen erspart bleiben“, heißt es in einer Pressemeldung der Stiftung.

    Am 73. Jahrestag der Reichspogromnacht wurde daher am Gedenkstein auf der Europäischen Holocaustgedenkstätte im Stillen der deutschen jüdischen Mitbürger gedacht. Das grausame historische Ereignis dürfe sich nie mehr wiederholen. Anschließend stellte eine kleine Gruppe um den Ehrenpräsidenten der Stiftung, Anton Posset, vor den Häusern der ehemaligen jüdischen Mitbürger, die am 9. November, 1938 vertrieben wurden, eine Erinnerungskerze auf. (her, wu)

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