„Ist Schondorf noch ein Dorf und was bedeutet eigentlich der Begriff Dorf für Sie?“ Mit dieser Fragestellung setzten sich engagierte Schondorfer beim ersten Bürgertermin im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) auseinander.
Bürgermeister Alexander Herrmann sagte eingangs, dass Schondorf das ISEK in interkommunaler Zusammenarbeit mit den Gemeinden Greifenberg und Utting erarbeitet, weil die Themen in den drei Gemeinden sehr ähnlich seien. Vor zwei Jahren hat sich Schondorf für die Städtebauförderung beworben. Vor einer Förderung von Projekten – bis zu 60 Prozent – steht eine Grunduntersuchung in allen drei Orten. Den Auftrag erhielten das Planungsbüro Skorka, Manuela Skorka, mit dem Büro Stadt Raum Planung, Martina Schneider.
Im Sommer ist die Ortsmitte woanders als im Rest des Jahres
Schneider und Skorka stellten in der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung ihre bisherige Arbeit vor. Besonders im Fokus stehen bei ISEK die Ortsmitten der Gemeinden, die gestärkt werden sollen. Als funktionale Ortsmitte machten Skorka und Schneider den Bereich um den Bahnhof aus, denn dort könnten viele Dinge erledigt werden. Es gibt neben dem Bahnhof und dem Rathaus die VHS, die Bibliothek, die Touristeninformation, die Feuerwehr, das Jugendhaus, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und auch den Maibaum.
Die emotionale Ortsmitte in Schondorf zu benennen, fiel bei den Besuchern dagegen unterschiedlich aus. Da komme es auch auf die jeweilige Jahreszeit an, meinte eine Rednerin. Wilhelm-Leibl-Platz, die Seeanlagen oder der Bereich an der Landsberger Straße wurden beispielsweise genannt. Damit aber die funktionale auch eine emotionale Ortsmitte werden kann, dafür fehlt beispielsweise ein Platz, an dem man sich aufhalten kann, zudem werde der Bereich vom Autoverkehr und Parkplätzen dominiert.
Wie kann die Bahnhofstraße attraktiver werden?
Auch die Anbindung an einen weiteren wichtigen Bereich für Schondorf ist bislang nicht ganz geglückt: die Bahnhofstraße, die zum See führt. Kleine Läden sollten dort gestärkt werden. Dazu sollte die Straße besonders für Fußgänger attraktiv gestaltet werden. Wichtig für die Bürger ist auch der Bereich am See. Dort schlagen die Planerinnen vor, die Parkplätze zu ordnen und einen Zugang zum Wasser zu schaffen. Besonders markant seien Kirche, Fischerhütten und Strandbad. Als weiteren wichtigen Bereich führten die Planerinnen den Schulcampus mit dem Prix-Gelände auf. Dort müssten die Fußwege attraktiver gestaltet werden. Der Hol- und Bringverkehr vor den Schulen sollte besser geordnet werden, so ein Vorschlag.
Besonders angesprochen wurde auch die Bahnunterführung, die aufgewertet werden soll. Einen weiteren wichtigen Bereich nannte eine Bürgerin mit der Landsberger Straße. Dort sind eine Metzgerei, ein Bäcker und eine Gaststätte mit Saal angesiedelt.
Die Mängelliste ist lang
Die Bürger waren dann auch aufgerufen, eine Bewertung vorzunehmen. Die wichtigsten Punkte zum Begriff Dorf waren Gemeinschaft, eine gute Nutzungsmischung und zu schauen, was für einen liebenswerten Ort erhalten werden muss. „Wir wollen kein Museums-Dorf sein“, meinte eine Bürgerin und schlug sinnvolle Nutzungen alter Gebäude vor. Dazu könnte sich auch eine Genossenschaft gründen. Bei der Bewertung der besonderen Qualitäten von Schondorf waren die besondere Lage am See, das kulturelle Leben und das Ortsgrün die Favoriten.
Die Liste für Herausforderungen und Mängel war am längsten. Am meisten wurden moderne Formen der Arbeitsorte vermisst, die noch verfügbaren Flächen sollten sinnvoll genutzt werden und ein Bewusstsein mit dem Umgang der Natur geschaffen werden. Bemängelt wurden fehlende Radwege, Wegeverbindungen und das hohe Verkehrsaufkommen.
Als nächster Schritt werden nun Ziele und Konzepte ausgearbeitet. Alle Ergebnisse werden auch auf der Homepage der Gemeinde nachzulesen sein.