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Senioren-Landhaus

07.02.2019

Senioren machen Krach für den Erhalt ihrer Heimat

Etliche Senioren, Angehörige und Pflegekräfte demonstrierten gestern vor dem Landratsamt und suchten das Gespräch zu Landrat Thomas Eichinger.
Bild: Th. Jordan

Bewohner aus Riederau demonstrieren vor dem Landratsamt. Was der Landrat machen will

„Es ist unsere letzte Heimat.“ Anneliese Hechinger sitzt vor dem Landratsamt und schlägt mit einem Kochlöffel auf eine Blechschachtel. Es ist die erste Demonstration der 76-Jährigen. Mit sieben weiteren Bewohnern des Senioren-Landhauses Riederau schlägt sie Krach für den Erhalt dieser Heimat. Nach Landsberg gekommen sind auch Angehörige und Mitarbeiter, rund 30 Personen haben sich vor dem Landratsamt eingefunden. Landrat Thomas Eichinger lädt die Sprecher zum Gespräch.

Ruth Laxhubers 91-jährige Mutter lebt in Riederau. „Es ist, als besuche ich eine befreundete Familie“, beschreibt sie die Atmosphäre. Heimfürsprecherin Cordula Metzger kümmert sich um ihre Schwägerin, die nach einem Schlaganfall dort betreut wird. „Sie hat jetzt ein Einzelzimmer, das nächste vergleichbare Zimmer ist 200 Kilometer entfernt.“ Wer mit Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern spricht, spürt bei den Betroffenen die Angst vor der Zukunft. Denn die ist ungewiss. Die private Einrichtung, in der 26 Senioren betreut werden, befindet sich seit Dezember in einem Insolvenzverfahren. Wie es soweit gekommen ist und was die Sache für einen potenziellen Investor unsicher macht, wird beim gemeinsamen Gespräch im Landratsamt deutlich.

2013 wurde ein Neubau in Angriff genommen und der Altbau sollte saniert werden. Die Arbeiten wurden aber offensichtlich nicht so umgesetzt, wie dies für ein Seniorenheim notwendig ist. Seit sechs Jahren existiert eine Baustelle, die laut Einrichtungsleiterin Andrea Ferlings noch nicht abgenommen ist. DIN-Normen, die beispielsweise die Größe der Zimmer oder auch die Steigung einer Rampe betreffen, sollen nicht eingehalten worden sein. In der Praxis hat dies die Konsequenz, dass Rollstuhlfahrer zu wenig Platz haben oder dass eine Rampe schwer zu bewältigen ist. 16 weitere Plätze waren nach dem Um- und Neubau laut Ferlings geplant, die Einnahmen fehlen. „Und wir haben auch schon die Möbel gekauft.“ Die Krux an der Sache: Betreiber der Einrichtung und damit verantwortlich dafür, dass die Räumlichkeiten den Pflegeansprüchen genügen, ist die Senioren-Landhaus GmbH, vertreten durch Andrea Ferlings. Im Landratsamt ist hierfür die Heimaufsicht zuständig. Die Immobilie gehört aber einer Münchner Familie, die als Bauherr auftritt und damit auch in Kontakt mit Planer und Handwerksfirmen steht, aber auch Ansprechpartner für das Landratsamt ist, wenn es um baurechtliche Fragen, wie beispielsweise den Brandschutz geht. Denn auch daran hapert es: Ein Speisesaal darf derzeit nur gleichzeitig von zehn Bewohnern genutzt werden. Andrea Ferlings hatte sich wegen der baulichen Schwierigkeiten schon mehrfach an das Landratsamt gewandt, und sie führt seit 2016 einen juristischen Streit mit dem Eigentümer, wie sie erzählt. In der Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, wie die Behörde eine Baugenehmigung für Räumlichkeiten ausstellen konnte, die nicht den Anforderungen für ein Seniorenheim entsprechen. Landrat Thomas Eichinger machte deutlich, dass dies eine zivilrechtliche Angelegenheit zwischen Mieter und Vermieter sei. Laut Bauamtschef Hartmut Neupert war die Heimaufsicht bei Erteilung der Baugenehmigung involviert. Im Plan sei beispielsweise die Rampe korrekt dargestellt.

Zum Schluss einer kurzzeitig auch hitzigen Diskussion – Eichinger sprach von Instrumentalisierung der Senioren – erklärte sich der Landrat bereit, mit dem Immobilieneigentümer zu sprechen, auch wenn dies keine rechtliche Auswirkung habe. (smi)

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