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Serie (Teil 1): Viel Geschichte in den eigenen vier Wänden

Serie (Teil 1)

Viel Geschichte in den eigenen vier Wänden

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    Johann Schmid mit seinem Buch „Haus- und Hofgeschichten der Gemeinde Apfeldorf“, das im Jahr 2006 erschien. Das Werk diente vielen als Grundlage für die Hausschilder.
    Johann Schmid mit seinem Buch „Haus- und Hofgeschichten der Gemeinde Apfeldorf“, das im Jahr 2006 erschien. Das Werk diente vielen als Grundlage für die Hausschilder. Foto: Fotos: Thorsten Jordan

    Apfeldorf Früher war Vieles einfacher, sagt man. Nun, auf jeden Fall waren manche Dinge wohl etwas übersichtlicher organisiert. So gab es Zeiten, als der Nachname einer Person noch ziemlich treffsichere Rückschlüsse auf ihren Beruf zugelassen hat, wie Schneider oder Schuster. Das Prinzip galt nicht nur für die Menschen, sondern zugleich für die Häuser, in denen sie lebten. Bekam man auf die Frage nach dem Weg beispielsweise „Beim Kreuzbauer“ zur Antwort, so brauchte man lediglich nach der nächsten Landwirtschaft Ausschau zu halten, die an einer Kreuzung lag. In der Gemeinde Apfeldorf wird diese Tradition der Hausnamen noch groß geschrieben. Und damit sie auch in Zukunft nicht in Vergessenheit gerät, bringen derzeit viele Einwohner Schilder neben den Eingangstüren an, die etwas von der Herkunft der althergebrachten Bezeichnungen und der Geschichte ihrer Gebäude erzählen. Im Rahmen einer Serie möchte das LT die Aktion vorstellen und zugleich die Vergangenheit einiger Häuser und ihrer Bewohner näher Beleuchten.

    „Es ist toll, dass auch die jungen Menschen bei uns diesen Brauch fortführen, nur geschieht das oft ohne Kenntnis der historischen Bedeutung. Und da sind die Schilder ein guter Anfang, um Abhilfe zu schaffen“, sagt Johann Schmid. Sein Buch „Haus- und Hofgeschichten der Gemeinde Apfeldorf“, das im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung erschienen ist, hat vielen als Grundlage für die Gestaltung der Schilder gedient. Bereits zuvor ist der mittlerweile 69-Jährige während seiner Tätigkeit als Gemeinderat auf eine Liste gestoßen, in der über hundert Häuser mit ihren überlieferten Bezeichnungen aufgeführt waren. Parallel dazu hat sich im Jahr 2002 im Rahmen der Apfeldorfer Dorferneuerung ein historischer Arbeitskreis gebildet, der die Idee mit den Hausnamensschildern entwickelte.

    Daraufhin hat der gelernte Elektroniker unter anderem im Münchner Staatsarchiv recherchiert und die Geschichte von rund 160 Häusern sowie die Entwicklung ihrer Namen rekonstruieren können. „Bei vielen Häusern lassen sich die Aufzeichnungen bis weit in das 18. Jahrhundert zurück verfolgen, aber es gibt auch noch wesentlich ältere“, sagt Schmid. Zwar haben sich die meisten der Gebäude durch Umbauten und Renovierungen mittlerweile stark verändert und ihr Alter ist ihnen oft nicht mehr anzusehen, in ihrer Grundsubstanz seien die meisten aber noch erhalten.

    Eine Zeit ohne Straßennamen und Hausnummern

    Und ebenso wie das Äußere unterlagen auch die Namen dem Wandel der Zeit. „Wenn jemand geheiratet hat oder seinen Wohnort verlegte, konnte sich auch die Bezeichnung des Gebäudes ändern“, sagt Schmid. Dies sei geschehen, als „Der Bote“, ein Gerichtsschreiber zur Burg Rauhenlechsberg, von Apfeldorf nach Apfeldorfhausen umgezogen ist. Andererseits ist auch der umgekehrte Fall denkbar, wobei zum Beispiel ein Haus an der Hauptstraße immer noch nach seinem Vorbesitzer „Lengenfelder“ benannt wird, obwohl schon längst eine andere Familie darin wohnt.

    „Grundsätzlich geht die Tradition auf eine Zeit zurück, in der es weder Straßenbezeichnungen noch Hausnummern gab, weswegen in den Steuerbüchern meist nur der Name des Gebäudes und vielleicht noch des Hausherrn erfasst war“, sagt Schmid. Aus diesem Grund waren die Häuser nach markanten Merkmalen oder der Tätigkeit benannt, welche die Leute ausübten oder eben danach, wo sie wohnten. So lebte in dem Haus „Zum Nudelbäck“ früher einmal ein Bäcker, „Beim Kistler“ wurden Holzkisten hergestellt und „Beim Dorfmüller“ wurde folgerichtig das Korn gemahlen. Die Bezeichnung „Beim Moosnazl“ wiederum gab Aufschluss darüber, dass der Eigentümer sein Haus in einer eher sumpfigen und feuchten Gegend gebaut hat. „Es ist wichtig, dass die Hausnamen für die Nachwelt erhalten werden, denn sie zeigen, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben“, sagt Johann Schmid. Deswegen freue er sich besonders, dass sich insgesamt über 80 Apfeldorfer an der Aktion beteiligen.

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