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Stadttheater: Die schleichende Zerstörung einer Ehe

Stadttheater

Die schleichende Zerstörung einer Ehe

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    Eine beeindruckende Leistung zeigte Gilla Cremer (hier mit dem Cellisten Patrick Cybinski) in dem Eine-Frau-Stück „Mobbing“ auf der Bühne des Landsberger Stadttheaters.
    Eine beeindruckende Leistung zeigte Gilla Cremer (hier mit dem Cellisten Patrick Cybinski) in dem Eine-Frau-Stück „Mobbing“ auf der Bühne des Landsberger Stadttheaters. Foto: Thorsten Jordan

    Mobbing – jemand wird am Arbeitsplatz systematisch ausgegrenzt und hintergangen. Ein brisantes Thema wurde im Stadttheater angeschnitten, mit dem Menschen im Arbeitsleben zunehmend zu kämpfen haben. Und selbst wenn es nicht in jedem Fall gleich so dramatisch wird wie in dem Stück „Mobbing“ nach dem Roman von Annette Pehnt, so konnte sich doch der eine oder andere Zuschauer in dem Konflikt wiedererkennen, der aus dem Frust am Arbeitsplatz in die Beziehung zum Ehepartner hineingetragen wird. Gilla Cremer brachte es zusammen mit Cellist Patrick Cybinski unter der Regie von Michael Heicks auf die Bühne des Landsberger Stadttheaters.

    Von Anfang bis Ende steht sie allein auf der Bühne, Gilla Cremer in der Rolle der Ehefrau von Jo. Und sie nimmt das Publikum von Anfang an mit in den Strudel, in den sie als Partnerin eines Mobbing-Opfers geraten ist.

    Oft vernachlässigte Perspektive

    Das ist einmal eine andere, oft vernachlässigte Perspektive: Mobbing aus Sicht des Ehepartners und der Familie. Denn der Kampf, den Jo am Arbeitsplatz verliert, zerstört auch sein Familien- und Eheleben. Diese schleichende Zerstörung packend nachzuerzählen, ist eine beeindruckende und hervorragende schauspielerische Leistung von Gilla Cremer. Nicht weniger Lob gebührt dem Cellisten Patrick Cybinski, er sitzt mit seinem Cello als stummer Jo, als in sich zurückgezogener und nach außen abgeschotteter Ehemann ohne Worte, in einem Glaskasten und verbreitet mit seinem Instrument nonverbal Stimmung – mal leidend, mal aggressiv – genau wie einer, der die Sprache verloren hat, und nur noch seelisch leidet. Die verzweifelt Kontakt suchende Ehefrau scheitert immer wieder an den dicken Glaswänden.

    Spannend und abwechslungsreich entwickelt sich die Geschichte auf der Bühne, was in erster Linie natürlich dem lebendigen Spiel von Gilla Cremer gedankt ist – sie trommelt vor Wut auf den Glaskasten ein, erzählt mit tränenerstickter, brüchiger Stimme, lacht laut und hält sich den Bauch. Die ganze Bandbreite der extremen Gefühlsschwankungen bringt sie zum Ausdruck.

    Meisterhaft unterstützt wird sie dabei durch die Musik des Cellos, aber auch durch geschickte Beleuchtung, die mal Tag, mal Nacht und Isolation suggeriert. Ein besonders gelungenes Detail der Regie: die spitzen Bemerkungen, die sich wie Nadelstiche anfühlen, begleitet die Darstellerin damit, dass sie Rosen in den Bühnenboden rammt wie Dartpfeile in die Haut des Partners.

    Das Rehkitz am Bühnenrand

    Der Schluss wird aus dem Off gelesen, der Text stammt aus der Romanvorlage. Und hier löst sich auch das Rätsel, warum die ganze Zeit über und stets angestrahlt die Figur eines scheuen, fluchtbereiten Rehkitzes am Bühnenrand steht. Die Eheleute sehen das Tier auf einem Spaziergang, und es ist wie ein Spiegel: es starrt angstvoll an, was ihm da entgegenkommt.

    Eine beeindruckende Leistung von Gilla Cremer in einer straffen und stimmigen Inszenierung, akzentuiert von ausdrucksstarkem Cellospiel.

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