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Stadttheater: Vor der Kaserne ...

Stadttheater

Vor der Kaserne ...

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    Das Grammofon spielt in der Inszenierung eine wichtige Rolle.
    Das Grammofon spielt in der Inszenierung eine wichtige Rolle.

    Landsberg Es ist das Lied, das immer noch jeder kennt. Zahllose Varianten in ebenso vielen Sprachen, sogar Regisseur Fassbinder fand die Geschichte der Liese–Lotte Helene Berta Bunnenberg und ihres Liedes so spannend, dass er einen Film mit Hanna Schygulla drehte. Die Schauspielerin Gilla Cremer erweckte nun Lale Andersen, wie sich Liese-Lotte später nannte, und ihr Lied „Lili Marleen“ in „An allen Fronten“ im Landsberger Stadttheater zum Leben. Eine Zeitreise ins Jahr 1939, die das überwiegend ältere Publikum sehr berührte.

    Cremer erzählte, anfangs fast wie in einem Hörspiel, später mit mehr Dynamik, die Lebensgeschichte der Künstlerin Lale Andersen, die durch dieses Lied auf der ganzen Welt berühmt wurde. Emotionaler Höhepunkt des Abends ist die Interpretation des Liedes durch das Publikum: Als das Hitler-Regime das Lied verbot, durfte Andersen es nicht mehr singen, und bat ihr Publikum das zu tun, um so das Verbot zu umgehen. Ein Trick, der heute noch funktionierte, denn auch jetzt sang fast der ganze Theatersaal (ohne Cremer nur mit Klavierbegleitung) das Lied eines jungen Wachpostens: „Vor der Kaserne, vor dem großen Tor, stand eine Laterne und steht sie noch davor. So woll’n wir uns da wiedersehn, bei der Laterne woll’n wir stehn wie einst, Lili Marleen.“

    Die Zuschauer zeigten sich nach der Vorstellung beeindruckt von diesem Abend, in dem sie die Stationen einer ganz besonderen Künstlerkarriere erlebten. Die junge Lale verließ Mann und Kinder, tingelte durch Deutschland, bis sie mit diesem Lied (das Durchhaltelied des Soldatensenders Belgrad), quasi als versteckte Hymne gegen den Krieg, alle egal, ob Feind oder Freund begeisterte. Andersen entschied sich für ihre Karriere, ihren Beruf, gegen die große Liebe zum Schweizer Musiker Rolf Liebermann, und Cremer verkörperte diese Lale Andersen mit viel Herzblut. Egal, ob sie zeigte, wie sehr diese Frau die Bühne liebte, oder ihre Angst vor der Nazi-Diktatur spürbar machte. Der erste Teil dieses Theaterabends schafft eine Atmosphäre, wie in einem Hörspiel. Es wird erzählt. Auch wenn dieser Theaterabend nicht als Konzert geplant ist, es ist trotzdem schade, dass die Cremer die Songs immer nur kurz anklingen lässt und nicht ein bisschen mehr von ihrer schönen Stimme zu hören ist. Den ausführlichen Textpassagen dagegen hätte eine Straffung nicht geschadet.

    Im zweiten Teil wird Cremers Spiel zum Theaterstück, die Inszenierung gewinnt an Fahrt. Aber Cremer und ihr Begleiter am Piano Gerd Bellmann haben an diesem Abend das Publikum sowieso auf ihrer Seite. Viele erfahren neues über die Entstehungsgeschichte des Lieder und viele genießen diese Zeitreise. „Ein schöner Abend“, wie eine Zuschauerin beim Verlassen des Theaters sagt. „Eine Zeit wurde lebendig, die wir alle nie vergessen konnten, in all ihren Facetten. Das Lied ist ein Symbol dafür.“

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