Durch die Pressemeldungen des Investors ehret+klein zur erneuten Namensfindung für das Baufeld A1 im Urbanen Leben am Papierbach (ULP) wird nach Ansicht von Wolfgang Hauck ein falscher Eindruck erweckt. Wie berichtet, ist das Gebäude seit der öffentlichen Debatte in Landsberg über den Umgang mit dem ehemaligen NSDAP-Mitglied Karl Schrem als Namensgeber wieder „namenslos“. Damit das nicht länger so bleibt, lädt Quartiers- und Projektentwickler ehret+klein erneut zu einem Wettbewerb zur Namensfindung für den Neubau A1 ein.
Karl Schrem war von 1938 bis 1967 Direktor der ehemaligen Pflugfabrik, die im Zweiten Weltkrieg auch als Rüstungsbetrieb diente. Zudem war er Mitglied der NSDAP. Wegen der Pläne, ein Gebäude im ULP-Viertel, das auf dem Gelände der früheren Pflugfabrik entsteht, nach dem früheren Pflugfabrik-Direktor zu benennen, war in Landsberg zuletzt eine Debatte entbrannt, die Wolfgang Hauck mit seiner Kritik an der Erinnerungskultur der Stadt begonnen hatte.
"Keine neuen historischen Kenntnisse"
Nun meldet sich Hauck erneut zu Wort. Er kritisiert, dass der Investor versucht, das Umdenken bei der Namensgebung mit „neuen historischen Erkenntnissen“ zu begründen und zugleich das damalige Abstimmungsergebnis so darzustellen, als ob die Landsberger sich mehrheitlich für diesen Namen entschieden hätten. Die zugelassenen Vorschläge für das Baufeld A1 lauteten laut Hauck: Karl-Schrem-Bau, Karl-Schrem-Riegel und Karl-Schrem-Haus. Es habe für die Landsberger also keine andere Möglichkeit gegeben, als eine Kombination mit „Karl Schrem“ im Namen zu wählen.
Laut Wolfgang Hauck gibt es auch keine neuen historischen Kenntnisse, wie es in der Pressemeldung des Investors heißt. Alle Dokumente zum Sachverhalt seien seit Jahrzehnten frei verfügbar. Mit einem neuen Namen könne der Investor die historische Auseinandersetzung auch nicht als beendet erklären. Das Thema „Rüstungsbetrieb in der Bayerischen Pflugfabrik“ sollte wissenschaftlich und quellenmäßig erschlossen werden, um sich auch diesem Aspekt der Landsberger Geschichte im gebührenden Abstand und mit ebenso gebührendem Anstand zu widmen.