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Ausstellung I

15.06.2018

Von Märchen und düsteren Visionen

Wiltrud Mühlberger und Karl Witti zeigen „Aufzeichnungen“ im Studio Rose

Das Märchenhafte bekommt seinen Platz bei der Ausstellung im „Studio Rose“. Dort finden Wiltrud Mühlberger und Karl Witti unter dem Motto „Aufzeichnungen“ symbolhafte Bilder, die hinter zarter Oberflächengestaltung zumeist beunruhigende Visionen eröffnen.

Die Grundidee fasste Karl Witti so zusammen: „Traumhaftes, Intensives, manchmal etwas leicht Unheimliches – was eben auch zu Märchen gehört.“ Schon seit einiger Zeit hätten er und Wiltrud Mühlberger sich mit dem Gedanken einer gemeinsamen Ausstellung getragen. „Wir arbeiten beide nicht abstrakt und unsere Bildgestaltung zielt auf eine politische, spirituelle oder sogar philosophische Botschaft.“ Zu sehen sind in Schondorf Bilder aus den letzten rund fünf Jahren, die noch nirgends gezeigt wurden. Wittis größtes Werk ragt auch inhaltlich heraus, denn es ist durchwegs positiv, ganz ohne dunkle Seite. „Aife bringt gute Nachricht“ zeigt eine paradiesartig überwucherte Eisenbahnstecke. Ein Luchs fixiert den Blick des Betrachters, angeführt von einem als Königstochter gekleideten Mädchen. „Eine Figur der keltisch-irischen Mythologie“, erläutert Witti. Der Eindruck einer Mischform aus Malerei und Plakatkunst entsteht durch exakte Schärfe und die Aufschrift: „Im Auftrag der Gesellschaft zur Wiederverzauberung der Welt.“

Düstere Stimmung verbreitet der „Selbstversuch mit Seelenschiffchen“. Der Kunstpreisträger des Landkreises Landsberg zeigt sich hier selbst, halb in einem schwarzen Wasser stehend. Offenbar versucht er die Durchquerung des Todesflusses Styx – allerdings ist das Floß des Fährmanns klein wie ein Spielzeugboot; noch hat der Tod keine Macht. In einem benachbarten Bild umfliegen Seelenvögel einen Totenkopf. Elemente von Ende und Hoffnung halten sich die Waage.

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Auch Wiltrud Mühlberger kann solche erzählerischen Zwischentöne anschlagen. Ihre mit Wasserfarben begonnenen und mit Aquarellkreiden fertiggestellten Zeichnungen sind ein Bilderzyklus über negative Nachrichtenmeldungen. Dabei gelingt oft ein geradezu poetischer Blick. „Trauer (müde und erschöpft)“ zeigt das kraftlos geneigte Gesicht einer jungen Frau, das trotz aller Niedergeschlagenheit zugleich die Bildwirkung einer Madonna enthält und dabei Schönheit und Vergeistigung ausstrahlt.

Für „Gestrandet“ wählt die Echingerin den Blick über eine Zeltstadt, offenbar ein Flüchtlingslager. Die Zeltreihen stehen schweigend da, Farbstriche deuten Wind oder Regen an. Im Vordergrund steht die schwarze Gestalt einer Frau. Sie scheint zu winken. Erst bei genauem Hinsehen entdeckt man, dass sie mitnichten winkt, sondern ein gläsernes Gefäß auf dem Kopf trägt. Nun bleibt diese Geste eine Chiffre der Sehnsucht – das leere Glasgefäß könnte die Suche nach einem neuen (Lebens-)Inhalt symbolisieren. Weiterdeutungsmöglichkeiten wie diese zeichnen die Ausstellung aus. Manchmal aber werden auch krassere Aussagen getroffen, die beinahe politische Karikaturen andeuten. Mühlberger lässt Flüchtlingsfiguren aus einem dunklen Bildteil ins Helle laufen – nur, um zuletzt neuerlich in ein Dunkelfeld zu gelangen. Witti collagiert einen kalligrafierten Textauszug von Michael Endes „Zeitdieben“ mit übermalten Tablettenpackungen und schafft so eine beklemmende Metapher auf das moderne Leben im Burn-out. Zeitkritisch sind auch Wittis kleine, wie lithografiert wirkende Werke. „Landschaft bei Dachau mit Schneeweißchen auf der Suche nach Rosenrot“, heißt eines. Spannende Kombinationen aus Traum und Wirklichkeit sind garantiert.

Zu sehen noch am Wochenende 16. und 17. Juni von 11 bis 18 Uhr (Bahnhofstraße 35).

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