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Landsberg

10.07.2019

Was bringt und was kostet der MVV dem Landkreis Landsberg?

Geht es in ein paar Jahren mit dem MVV-Tarif vom Landkreis Landsberg (im Bild der Kauferinger Bahnhof) nach München? Eine groß angelegte Studie soll dem Kreistag bis 2022 eine Entscheidungsgrundlage liefern.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Der Freistaat drückt bei der Erweiterung des Tarifverbunds aufs Tempo. Im nächsten und übernächsten Jahr soll eine Entscheidungsgrundlage für den Kreistag erarbeitet werden. 2022 könnte sich dann vielleicht schon etwas tun.

Nimmt der seit Jahrzehnten diskutierten Beitritt des Landkreises Landsberg in den Münchener Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) jetzt richtig Fahrt auf? Eine breit angelegte Studie soll im nächsten und übernächsten Jahr dazu jedenfalls eine Entscheidungsgrundlage liefern. Das ist jetzt im Kreistag auf Nachfrage von Gabriele Triebel (GAL) bekannt geworden.

Eine Vorstudie ist nicht genug

Landrat Thomas Eichinger (CSU) konnte dabei berichten, dass in Abstimmung mit dem Freistaat Bayern nun nicht erst eine Vorstudie dazu erarbeitet werden soll, sondern eine „Komplettstudie“. Was diese beinhaltet, erklärte auf LT-Nachfrage MVV-Sprecherin Franziska Hartmann: Auf Basis von Einwohner-, Arbeitsplatz-, Schüler- und Pendlerzahlen soll sie ein Bild davon abgeben, welche Verkehrsnachfragen und -verflechtungen zwischen dem Landkreis und dem MVV-Tarifgebiet bestehen oder künftig entstehen werden. Diese Daten lieferten auch Erkenntnisse darüber, wo beispielsweise der Busverkehr verdichtet werden und die Bahninfrastruktur ausgebaut werden müsste. Da könnte es dann um die Reaktivierung von früheren Haltepunkten oder einen durchgängigen Schienenverkehr von Landsberg und dem Ammersee nach München gehen, wofür aber weitere Strecken elektrifiziert werden müssten.

Ebenso soll das heutige Verkehrs- und Tarifsystem begutachtet und berechnet werden, um zu klären, wie sich die Einführung des MVV-Tarifs finanziell auswirken würde – für die Bahn- wie für die Busunternehmen. Der günstigere MVV-Tarif müsse dann ausgeglichen werden. Beim Bahnverkehr werde der Freistaat diesen Ausgleich entweder ganz übernehmen oder sich daran mit einem Zuschuss beteiligen, erklärt Hartmann. Die Ausgleichszahlungen beim Busverkehr seien prinzipiell Sache der Landkreise, wobei „auch das noch nicht final verhandelt ist“, wie sie sagt.

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Der Beitritt scheiterte bislang am Geld

Diese Kosten hatten in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder dazu geführt, dass der MVV-Beitritt des Landkreises nie umgesetzt wurde. Im Februar berichtete dazu Landrat Eichinger, dass sich hierbei auch der Freistaat finanziell engagieren könnte.

Vor Kurzem fanden sich vor diesem Hintergrund auch die Busunternehmer im Landratsamt ein, die im Landkreis entweder eigenwirtschaftlich oder im Auftrag des Landkreises Buslinien betreiben. Deren Sicht auf das Thema beschreibt Eichinger so: „Die Busunternehmer sind jetzt freier, und mehr Regeln durch den MVV erleichtern ihre Arbeit nicht und verbessern auch die Verdienstmöglichkeiten nicht.“

Der Landkreis Landsberg ist in der ersten Runde dabei

Wann die MVV-Erweiterung dann tatsächlich stattfinden wird, hänge zum einen vom Abschluss der Studie ab, zum anderen auch vom politischen Willen, führt MVV-Sprecherin Hartmann weiter aus. Grundsätzlich sähen alle Beteiligten, dass etwas für den Klimaschutz und das häufige Verkehrschaos im Großraum München getan werden müsse, sagt Hartmann.

Idealerweise könnte die MVV-Erweiterung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 starten. Zu diesem Zeitpunkt könnte die Integration eines ersten MVV-Nachbarlandkreises erfolgen, weitere dann 2024 und in den Folgejahren. In Miesbach seien etwa schon zahlreiche Beschlüsse in diese Richtung gefallen. Und Landsberg? Landsberg gehört laut Landrat Eichinger zu den Landkreisen, die zumindest in einer ersten Runde aufgenommen werden könnten, zusammen mit Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Rosenheim-Stadt und -Land.

Kaufering und Geltendorf, aber auch die Kreisstadt

Die Studie könnte im Herbst vom Kreisausschuss beauftragt werden, „und diese sollte man sich auf jeden Fall leisten“, sagt Eichinger. 85 Prozent der Kosten zahle der Freistaat, für den Landkreis bleibe ein fünf- oder sechsstelliger Euro-Betrag.

Zufrieden mit der Entwicklung in Sachen MVV-Erweiterung ist auch Gabriele Triebel. „Das finde ich echt gut“, sagt die Landtagsabgeordnete. Sie erhoffe sich eine bessere Verkehrsanbindung der großen Bahnhöfe in Kaufering und Geltendorf, aber man müsse auch den Verkehr mit der Kreisstadt betrachten: Der sei bislang vornehmlich auf den Schülerverkehr ausgelegt, und da habe sie Zweifel, „ob das auch in Zukunft ausreichen wird“.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von LT-Redakteur Gerald Modlinger: MVV-Erweiterung: Es geht nicht nur um den Tarif

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