Eresing Das Weihnachtskonzert des Musikvereins Eresing hat Tradition. Jeweils am zweiten Weihnachtsfeiertag laden die Musiker zu einer musikalisch-besinnlichen Stunde in die Pfarrkirche St. Ulrich ein, um die Festtage ausklingen zu lassen. Das diesjährige Konzert hatte Besonderes zu bieten: Daniela Lex aus dem Querflötenregister der Kapelle trug mit zwei gesungenen Weihnachtsliedern mit zur festlichen Stimmung bei.
Außergewöhnlich ist das deshalb, weil die in Eresing wohnhafte Mezzosopranistin normalerweise in bedeutenden Rollen an Zentren der großen Oper auftritt und beispielsweise an der Bayerischen Staatsoper München, der Deutschen Oper Berlin oder der Mailänder Scala zu hören und zu sehen ist. In der Eresinger Pfarrkirche sang Lex, begleitet von Georg Schwojer an der Orgel, mit warmer Stimme und weichem Timbre „Fröhliche Weihnacht überall“ und „Gloria in excelsis Deo“ („Haben Engel wir vernommen“).
Begonnen hatte das Weihnachtskonzert mit einem Hirtenliedermedley. Unter der Leitung von Jürgen Hartmann spielten die Musiker sehr sicher, sehr sauber für die Besucher in der fast voll besetzten Kirche. Es folgten bekannte, für Blasorchester arrangierte Weihnachtsstücke wie das schlesische „Transeamus“, der „Little Drummerboy“ und in das Medley „The Spirit of Christmas“ verpackte, zu Weihnachten gehörende Lieder wie „Adeste fidelis“ oder „Hark ...“
Böhmische Weihnachten und ukrainische Glocken
Dazu hatten die Musiker auch „Böhmische Weihnachten“, ein sehr mächtiges, Freude förmlich hinausposaunendes Werk einstudiert und trugen es glänzend vor. Gefühlvoll hingegen präsentierte das Orchester ein ukrainisches Glockenweihnachtslied, mit sanft tönenden Röhrenglocken und zurückhaltenden Bläsern.
Nicht unwesentlicher Teil des Weihnachtskonzerts waren die Moderationen von Ruth Gille, die nicht nur die jeweiligen Programmpunkte und Wesentliches darüber ansagte, sondern auch jeweils kleinere oder größere Weihnachtsgeschichten vortrug. Da gab es beispielsweise den kleinen Jungen im Fernen Osten, der seine Lehrerin nicht nur mit einer besonders schönen Muschel, sondern auch mit dem weiten Weg beschenkt, den er dafür auf sich genommen hat. Oder Konrad den Schuster, der scheinbar vergebens auf den von Gott versprochenen Besuch wartet. Und einen Engel, in dessen Müllkorb eigener Ärger entsorgt werden kann und auf alle Zeiten verschwindet, den hätte der eine oder andere von uns sicher auch ganz gern im Wohnzimmerregal stehen.
Mit „Stille Nacht“ beendete der Musikverein wie in den Jahren davor das Konzert und ließ ergriffene Zuhörer zurück, die lang anhaltenden Beifall spendeten und sich noch gar nicht trennen wollten von ihren Plätzen in den Kirchenbänken. (löbh)