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Dießen

23.06.2016

Wenn man den Augen nicht mehr trauen kann

Auch der ursprünglich aus Neapel und seit Jahren schon in Deutschland lebende Antonio Marra spielt ganz bewusst mit der Wahrnehmung des Betrachters seiner Werke. In der Ammerseeregion werden seine Arbeiten bereits zum dritten Mal gezeigt.
Bild: Maren Martell

Michael Gausling präsentiert Op-Art- Künstler Antonio Marra  im Fritz-Winter-Atelier.

Antonio Marra bedient sich eigentlich ganz einfacher Tricks. Seine Werke leuchten nicht nur in den reinen Farben entgegen, sie haben von jedem Standort aus auch eine ganz andere Wirkung.

Gabriele Pöhlmann erzeugt in nahezu perfekter Manier Illusionen. Ihre schwebenden Elefanten oder ihren Davidskopf lässt sie fast unsichtbar werden, je mehr man sich von ihren Bildern entfernt. Und Otto Scherer bezieht den Betrachter in seine von dünnstem Platin überzogenen Keramikarbeiten regelrecht mit hinein. „Trauen Sie Ihren Augen nicht!“ Diesem vielversprechenden Titel wird Galerist Michael Gausling mit seiner derzeitigen Ausstellung mehr als gerecht. In seiner Galerie im Dießener Fritz-Winter-Atelier präsentiert er die Werke von acht Künstlern, darunter fünf aus Italien. Insgesamt werden von Marina Appolonio, Roland Helmer, Eduardo Landi, Gabriele Pöhlmann, Antonio Marra, Janos Schaab, Robert Schaberl und Otto Scherer 34 Exponate gezeigt. „Ich bedaure sehr, nicht mehr Platz zu haben, denn ich könnte noch viel, viel mehr hier hängen“, sagt Gausling zur Eröffnung vor dem trotz widrigen Regenwetters zahlreich erschienen Vernissagepublikum.

Die Idee zu dieser Ausstellung habe er schon sehr lange im Kopf gehabt. „Und jetzt habe ich mich endlich zur optischen Kunst, zur Op-Art durchgerungen.“ Auffällig sei dabei der hohe Anteil italienischer Künstler. Die Futuristen von damals hätten vielfach Rennwagen, Geschwindigkeit und Bewegung zum Thema gehabt und versuchten die Dynamik zum Ausdruck zu bringen. Op-Art, eine Kunstrichtung der 1960er Jahre , als mit Hilfe präziser, abstrakter Formmuster und geometrischer Farbfiguren überraschende, ja nicht selten auch irritierende Effekte erzeugt wurden, so ein Flimmern, die Bewegung oder eine optische Täuschung. Fasziniert von den physikalischen Gesetzen des Lichts und der Optik verstand sich damals eine ganze Generation von Künstlern als Forscher im Bereich visueller Wahrnehmung.

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In Dießen faszinieren diese Effekte bei fast allen Objekten. Die Künstler spielen geradezu mit der Wahrnehmung ihrer Betrachter. „Die Werke fordern uns heraus, wir müssen uns um die Bilder bewegen, sonst funktionieren sie nicht“, erläutert Gausling. Ganz besonders kommt dies bei den Arbeiten der Italienerin Marina Appolonio zum Tragen: Die große Scheibe mit den schwarzen, ineinander verschlungenen Spiralen ziehen in die Tiefe eines Tunnels, wenn man sie dreht. Appolinio hat mit ihren Ende der 1960er Jahre entstandenen Werke oft ganze Plätze gefüllt, Pflaster im öffentlichen Raum bespielt. Auch die Arbeiten ihres ursprünglich aus Neapel stammenden Landsmanns Antonio Marra bedienen sich ganz besonderer Effekte. Der schon seit vielen Jahren in Deutschland lebende Künstler war extra aus Offenbach an den Ammersee gereist.

In Dießen präsentierte er sich dann zünftig in Lederhose und Leinensakko, ganz passend zu seinem künstlerischen Motto „Mich fasziniert die teutonische Welt.“

Auch seine Werke muss sich der Betrachter regelrecht „erarbeiten“. Sie erschließen sich erst von unterschiedlichen Standorten heraus. „Meine Kompostionen“ – es sind streng geometrische Formen – „sind dabei rein rational, die Farbwahl hingegen geschieht aus dem Bauch heraus“, erläutert Marra. Bei Gausling werden seine Arbeiten bereits zum dritten Mal präsentiert.

Die Exponate des in Wien lebenden Robert Schaberls sind große runde Scheiben, die wie alte Langspielplatten aus Vinyl erscheinen und den Betrachter regelrecht in eine nicht enden wollende Tiefe ziehen. Robert Helmer lässt seine Werke zunächst „vom Tischler anfertigen“, um sie dann in höchster Präzision mit schwarzer und weißer Acrylfarbe zu bearbeiten. Dabei entsteht ein eindrucksvoller Mitte-links-rechts-Effekt.

Von Janos Schaap sind in Dießen drei gepixelte Werke zu sehen: „Dream“, „Coco Chanel“ sowie eine kleine Acryl-Glasarbeit. Die Keramiken von Otto Scherer erscheinen eher als Arbeiten aus Spiegelglas oder hochglänzendem Metall mit zahlreichen Auswölbungen. Tatsächlich ist aber auf den Oberflächen eine hauchdünne Schicht Platin hineingebrannt. Scherer arbeitet seit 2007 mit diesem silbrig glänzenden Schwermetall.

„Damals war der Preis für Platin sehr stark gesunken und ich habe mich gut eingedeckt. Davon zehre ich noch heute“, erläutert der Künstler. Bis Ende Juli ist die beeindruckende Dießener Op-Art-Ausstellung noch zu sehen.

Öffnungszeiten: Bis 31. Juli 2016, Donnerstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage von 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung, Galerie im Fritz-Winter-Atelier, Forstanger 15a, 86911 Dießen

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