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Fastfood Theater

03.05.2016

Zwischenrufe erwünscht

Improvisationstheater in Perfektion: Karin Krug und Robert Lansing erfinden aus dem Stegreif und aus den absurdesten Begriffen auf der Bühne eine Story.
Bild: Thorsten Jordan

Witzige und verblüffende Improvisationen

Theater ist Spiel. Nirgends wird das so deutlich wie beim Improvisationstheater. Das Münchner Fastfood Theater zeigte im Landsberger Stadttheater, wie Impro-Theater geht, und wie viel Spaß das macht. Es ist die höchste Form von Interaktion zwischen Zuschauern und Darstellern – denn die Zuschauer geben den Spielern vor, was sie spielen sollen, und diese reagieren auf die Vorschläge mit lustigen und überraschenden Einfällen.

Klar, die Schauspieler vom Fastfood Theater verfügen schon über spezielle Techniken, wie sie auch die absurdesten Begriffe in Spiel umsetzen, und wie es nie zu peinlichen Pausen kommt, wenn einem die Ideen ausgehen. Erst einmal gilt es aber, das phlegmatische, an seine passive Rolle gewöhnte Publikum zu aktivieren. Dazu müssen alle aufstehen, sich strecken, dem Nachbarn die Schultern massieren, den eigenen Namen rufen. Jetzt hat man es kapiert: Mitmachen ist unvermeidlich. Es geht los und die Schauspieler fragen nach Begriffen, aus denen sie etwas machen sollen. „Was habt ihr für Hobbys?“ – Reiten, Wandern, Melken – Melken? Das wird ein Aufhänger. „Was ist euch heute passiert?“ Tote Jungvögel gefunden, Katze auf dem Baum, Gartenschlauch geplatzt. Man zählt den Countdown, und Action. Karin Krug, Monika Eßer-Stahl und Robert Lansing erfinden aus dem Stegreif und aus den absurdesten Begriffen eine Story. Die genannten Begriffe tauchen auf und sorgen für Lacher, wenn sie in einen völlig überraschenden Zusammenhang gestellt werden. Temporeich, mit schnellen Wechseln (zwei spielen, einer sagt „freeze!“, und schon sind wir woanders), werden Emotionen, Situationen und Schlüsselbegriffe zusammengebracht und in eine Szene umgesetzt. Der wilde Wechsel ist spannend und lustig. Michael Armann macht dazu die Musik am Klavier wie ein Kino-Pianist aus früheren Zeiten, greift spontan und gekonnt Situation und Stimmung auf und setzt sie in Musik um. Das verstärkt die Emotionalität und erhöht den komischen Effekt, wirkt ein bisschen wie Stummfilm.

Freilich sind die drei Schauspieler auch in der Lage, eine längere Story zu entwickeln, etwa die vom Traum-Bauernhof in Pürgen oder von der russischen Mission zum Mars. Verblüffung rief das abschließende Spiel hervor, bei dem Karin Krug als „Expertin“ eines Themas auftreten musste, das sie nicht kannte. Sie war vor die Tür geschickt worden, während das Publikum mit den beiden anderen Darstellern die absurden Begriffe „Obstbaumschnitt“ und „Hornhautraspel“ auswählte. Durch die Handpantomime von Monika Eßer-Stahl (ihre Arme ersetzten die von Karin Krug, was allein schon sehr lustig aussah) gelang es Krug zum Erstaunen des Publikums, die Begriffe zu erraten und den vorbesprochenen Zusammenhang zwischen beiden herzustellen. Meisterhaft war auch die Leistung der beiden in der „italienischen TV-Soap“ mit dem Titel „Tofu-Schnitzel“. Auf das Kommando „Switch“ schalteten sie in Sekundenschnelle und mitten im Satz von Deutsch auf „Italienisch“ um und wieder zurück, während sie sich spontan eine Handlung dazu ausdachten. Das Ganze war ein Anschauungsstück darüber, was Theater eigentlich ist. Nämlich Emotion, im Spiel in Bezug gesetzt zu Dingen und Situationen in der Welt, genau wie im Leben selbst. Und so heißt das Stück des Fastfood Theaters ja auch „Best of Life“ – das Beste aus dem Leben. All das war sehr spannend, witzig und unterhaltsam, und die Zuschauer ließen die sympathische Truppe erst nach zwei Zugaben gehen.

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