Startseite
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten

Adnan Maral alias Vater Metin kann sich ein „Türkisch für Anfänger“-Revival vorstellen

Interview

Adnan Maral alias Vater Metin kann sich ein „Türkisch für Anfänger“-Revival vorstellen

  • |
  • |
  • |
  • |
    Schauspieler Adnan Maral wohnt seit zwei Jahrzehnten im Landkreis Landsberg. Hier zeigt er eine für Metin typische Geste.
    Schauspieler Adnan Maral wohnt seit zwei Jahrzehnten im Landkreis Landsberg. Hier zeigt er eine für Metin typische Geste. Foto: Christian Rudnik

    Herr Maral, Ihre Figur Metin in Türkisch für Anfänger war ein strenger, aber liebevoller Vater. Wie viel davon steckt in Ihnen?

    ADNAN MARAL: Ich bin auch ein liebevoller Vater und versuche, streng zu sein – wobei „streng“ relativ ist. Es geht eher darum, wie man mit den Kindern zusammenlebt und Werte vermittelt. Das funktioniert nicht allein über Strenge, sondern vor allem darüber, dass man Dinge vorlebt und ein Vorbild ist.

    Hat Ihnen damals die Geburt Ihres ersten Sohnes geholfen, die Rolle besser zu verstehen?

    MARAL: Ich habe auch vorher schon Väter gespielt. Aber natürlich versteht man vieles besser, wenn man es selbst erlebt. Ich wurde selbst während des Drehs der Serie Vater und natürlich verändert einen nichts mehr als Vater zu werden. Heute ist unser ältester Sohn mittlerweile 21 Jahre alt. Vater zu sein, hat sicher geholfen, bestimmte Gefühle mitzunehmen. Gleichzeitig wächst man mit eigenen Vorbildern auf – dem eigenen Vater, anderen Familienmitgliedern – und bringt das alles mit ein.

    Was ging Ihnen damals durch den Kopf, als Sie die Rolle angeboten bekamen?

    MARAL: Ich habe die Bücher gelesen und musste mehrfach lachen. Das ist eher selten bei Drehbüchern. Ich saß in der Küche und habe zu meiner Frau gesagt: Das muss ich spielen. Danach kam ein längerer Castingprozess, ich bin zwischen Zürich und Berlin hin- und hergeflogen. Das war schon intensiv, aber es hat auch Spaß gemacht. Man merkt relativ schnell, mit wem es gut passt, wo eine Chemie entsteht.

    „Türkisch für Anfänger“ hat Vorurteile humorvoll entkräftet

    Welche Rolle spielt Humor in der Serie?

    MARAL: Eine sehr große. Humor macht Dinge leichter. Wenn man miteinander und auch über sich selbst lachen kann, hilft das beim Verstehen. Wir haben beim Drehen auch viel gelacht. Mit Leichtigkeit lassen sich Themen oft besser transportieren als mit erhobenem Zeigefinger.

    Was konnte durch einen Witz besser transportiert werden?

    MARAL: Es ging stark um Vorurteile. Jeder kennt sie, und die Serie hat sie aufgegriffen und gebrochen. Gerade dadurch, dass man darüber lachen konnte, wurde sichtbar, wie absurd manche Aussagen oder Denkmuster sind.

    War die Serie damals etwas Neues im deutschen Fernsehen?

    MARAL: Ja, in dieser Form schon. Eine türkischstämmige Familie als Teil der Hauptfiguren, diese Patchwork-Konstellation – das gab es so kaum. Das hat vielen gutgetan, weil man sich damit auseinandersetzen und gleichzeitig gemeinsam darüber lachen konnte.

    Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen?

    MARAL: Sehr viele positive. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Familie, die erzählt hat, dass sie durch die Serie plötzlich leichter miteinander ins Gespräch gekommen sind. Sie konnten gemeinsam schauen und lachen – das hat Barrieren abgebaut.

    Die „Türkisch für Anfänger“-Darsteller vor 20 Jahren (von links): Elyas M‘Barek als Cem (von links), Adnan Maral als Metin, Pegah Ferydoni als Yağmur, Anna Stieblich als Doris, Josefine Preuß als Lena und Emil Reinke als Nils bei einem Fototermin im Jahr 2006.
    Die „Türkisch für Anfänger“-Darsteller vor 20 Jahren (von links): Elyas M‘Barek als Cem (von links), Adnan Maral als Metin, Pegah Ferydoni als Yağmur, Anna Stieblich als Doris, Josefine Preuß als Lena und Emil Reinke als Nils bei einem Fototermin im Jahr 2006. Foto: picture-alliance/ dpa (Archivfoto vom 23.01.2006).

    Die Serie wird bis heute geschaut. Wie erklären Sie das sich?

    MARAL: Viele Themen sind nach wie vor aktuell. Und gleichzeitig ist es schön zu sehen, dass die Serie weitergegeben wird, von einer Generation zur nächsten. Das hätte damals niemand gedacht.

    Wie sehen Sie das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland heute?

    MARAL: Es ist in vielem selbstverständlicher geworden. Gleichzeitig gibt es neue Diskussionen, etwa rund um Diversität. Ich glaube, wichtig ist – immer noch –, dass man sich auf Augenhöhe begegnet und gegenseitig respektiert. Es geht nicht darum, einander zu „tolerieren“, sondern sich wirklich als Teil derselben Gesellschaft zu verstehen.

    Hat sich die Situation in der Schauspielerei auch verändert?

    MARAL: Ja, sehr. In den 1990er-Jahren wurde ich häufiger auf bestimmte Rollen festgelegt. Heute ist das deutlich offener. Jüngere Kollegen erleben es oft schon als selbstverständlich, dass sie unterschiedliche Rollen spielen können.

    Werden Sie noch auf Metin angesprochen?

    MARAL: Ja, aber nicht nur darauf. Es kommen ganz unterschiedliche Menschen – Jüngere kennen mich eher aus Türkisch für Anfänger oder Känguru-Chroniken, andere aus verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen wie den Die Wilden Kerle-Filmen oder Das Traumschiff.

    Könnten Sie sich ein Revival von „Türkisch für Anfänger“ vorstellen?

    MARAL: Grundsätzlich ja. Man müsste sich überlegen, wo die Figuren heute stehen und wie man die Geschichte weitererzählt. Das liegt vor allem bei den Autoren.

    Sie leben seit rund 20 Jahren in Oberbayern. Was bedeutet Ihnen die Region?

    MARAL: Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Landschaft, die Menschen, die Ruhe – das ist ein schöner Ausgleich zum oft hektischen Berufsalltag. Gleichzeitig bin ich viel unterwegs in Großstädten, habe also beides.

    Sie engagieren sich auch unternehmerisch mit einem Projekt im Landkreis Landsberg: einer Sporthalle in Landsberg für Padel.

    MARAL: Das ist ein Familienprojekt. Wir haben selbst Freude an dem Sport und wollten etwas schaffen, das es hier so noch nicht gibt. Es geht darum, etwas für die Region zu machen. Wir freuen uns, den weltweiten Trendsport nach Landsberg und in die Region zu bringen. Ab Juli öffnen wir die Tore.

    Bei der Vertragsunterzeichnung in Landsberg (von rechts): Franziska Klinke und Anna Wagenknecht von Hardy’s mit den neuen Eigentümern Adnan und Franziska Maral (Zweite von links) und ihren Kindern Acun und Emel.
    Bei der Vertragsunterzeichnung in Landsberg (von rechts): Franziska Klinke und Anna Wagenknecht von Hardy’s mit den neuen Eigentümern Adnan und Franziska Maral (Zweite von links) und ihren Kindern Acun und Emel. Foto: Hardy’s Landsberg

    Zur Person: Adnan Maral wurde 1968 in der Türkei geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf; seit den 1990er-Jahren arbeitet er als Schauspieler für Film und Fernsehen. Bekannt wurde er durch seine Rolle in Türkisch für Anfänger, heute lebt er mit seiner Frau und ihren gemeinsamen drei Kindern in der Ammersee-Region bei Landsberg.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren