Wer die aktuelle Ausstellung in der Landsberger Galerie Säulenhalle besucht, fühlt sich bei der Betrachtung der ersten Bilder im Eingangsbereich und der ersten Nische eingelullt von schönen, ruhigen Motiven in angenehmen Farben. Je tiefer Interessierte jedoch eintauchen in die geheimnisvolle Welt Chinas, je weiter sie sich im Ausstellungsraum nach hinten bis zum Aufgang in das Foyer des Stadttheaters bewegen: Desto schwerer bis überhaupt nicht erträglich ist das, was Künstler mit Leinwand und Farbe versuchen, sichtbar zu machen und damit einem nicht vorstellbaren Leid Ausdruck zu geben.
Unter dem Titel „Die Kunst von Zhen Shan Ren“ werden bis Sonntag, 14. Juni, Bilder gezeigt, die Schönheit und Hoffnung, aber auch Verfolgung und Folter von Menschen sichtbar machen, die nach den Prinzipien von Falun Dafa leben und handeln. Falun Dafa verknüpft alte chinesische Lehren und Meditationsübungen zur Lebensphilosophie „Zhen – Shan – Ren“, was Wahrhaftigkeit, Güte, Nachsicht bedeutet. 1992 in China gegründet, schlossen sich in der Folge viele Chinesinnen und Chinesen dieser Lehre an. Zu viele, befand der Staat, verbot 1999 Falun Dafa und verfolgte die Anhänger.
Die Ausstellung soll „das Herz berühren und den Geist veredeln“
Einer dieser Verfolgten war der Künstler Zhang Kunlun. Er habe, wie Volker Dietz vom ausrichtenden Verein Ars Honesta bei der Vernissage berichtete, im chinesischen Arbeitslager körperliche und psychische Folter erlebt. „Er hat Körper und Seele mit Spiritualität und Kunst geheilt.“ 2003 habe der mittlerweile in Kanada lebende Kunstprofessor Künstler aus China und weiteren Ländern um sich geschart, die ebenfalls verfolgt wurden oder Geschichten von Verfolgten hörten. Mit ihnen gemeinsam entwarf er laut Dietz den Bilderzyklus „Die Kunst von Zhen Shan Ren“ als „visuelle Stimme der Verfolgten“.
Der in Landsberg gezeigten Auswahl aus insgesamt 64 Gemälden von zwölf Künstlern aus aller Welt attestiert der Redner hohe Aktualität. Sie seien klassisch in Technik und Stil. „Die Künstler arbeiteten mit Materialien von Öl bis Aquarell, schufen Motive von Porträts bis nur im Kopf existierenden Bildern, malten von Leinwand bis Seide auf unterschiedlichen Untergründen.“ Davon seien hervorragende Reproduktionen angefertigt worden, die seit 2004 durch die Welt touren. Allein in Deutschland sei die Schau, die „das Herz berühren und den Geist veredeln will“, bereits in 40 Städten gezeigt worden. Die gemalten Werte seien universell. „Wahrhaftigkeit, Güte, Nachsicht sind die Basis für Frieden und Freiheit.“ Die Schau sei einmalig, befand deshalb Dietz bei der Einführung. „Wir möchten die Menschen dazu bewegen, wieder zurückzukommen zum Guten.“
Licht sorgt für Hoffnung
„Wahre Schönheit, kompromissloser Mut, Gerechtigkeit“ – davon sollen die Werke der Ausstellung in der Säulenhalle erzählen. Ein Engel beschützt ein schlafendes Mädchen, eine Mutter liest ihrem Kleinkind aus einer Schrift vor: Es sind ruhige, hoffnungsvolle Darstellungen voller Licht aus einem China, das mit sich und der Welt im Reinen ist. Doch es gibt auch die andere, dunkle Seite. Ein Mädchen zeigt das Plakat „Killed for their believe“, eine Mutter hält ihren zu Tode gefolterten Sohn im Arm. Doch auch in solchen Bildern sorgt Licht für Helligkeit und Hoffnung. Es ist der junge Mann bei einer illegalen Organentnahme, es sind die wahren Hoffnungsträger auf einem großformatigen Werk, die die Ungerechten in den Schatten stellen.
„Die Kunst von Zhen Shan Ren“ des Vereins Ars Honesta in der Säulenhalle Landsberg, Schlossergasse; Öffnungszeiten der Ausstellung bis einschließlich Sonntag, 14. Juni, jeweils Donnerstag bis Sonntag von 10.30 Uhr bis 19 Uhr. Es ist empfehlenswert, die Einführung gleich neben der Eingangstür zu lesen.
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