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Auszeichnung für mehr Akzeptanz für die Landsberger Gruppe Randerscheinungen: Einsatz für junge Menschen

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Wie Theatergruppen helfen können: „Viele haben Angst, offen über ihr Outing zu reden“

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    Viva Randerscheinungen erhält den Michael-Schmidpeter-Preis: Emanuel Kasprowicz (vorne) und Souhaila Amade (rechts) mit einem Teil der Gruppe bei den Proben zum Nibelungen-Musical. Im Bild zu sehen (Zweite hinten von rechts) ist auch Nika Krätzmann.
    Viva Randerscheinungen erhält den Michael-Schmidpeter-Preis: Emanuel Kasprowicz (vorne) und Souhaila Amade (rechts) mit einem Teil der Gruppe bei den Proben zum Nibelungen-Musical. Im Bild zu sehen (Zweite hinten von rechts) ist auch Nika Krätzmann. Foto: Anje Petrussek

    Viva Randerscheinungen wurde mit dem Michael-Schmidpeter-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird von Lambda Bayern (Jugendnetzwerk für queere Jugendliche und junge Erwachsene) und dem Bayerischen Jugendring verliehen und erinnert an Michael Schmidpeter, einen Jugendlichen aus Bayern, der 2006 nach belastenden Erfahrungen im Zusammenhang mit seinem Coming-out Suizid beging. Mit der Auszeichnung werden Menschen und Projekte gewürdigt, die sich für die Akzeptanz, Sichtbarkeit und Stärkung junger betroffener Menschen einsetzen.

    Nika Krätzmann fühlt sich wohl, aber auch sie hatte zu kämpfen und fand Freunde und Freundinnen bei Viva Randerscheinungen.
    Nika Krätzmann fühlt sich wohl, aber auch sie hatte zu kämpfen und fand Freunde und Freundinnen bei Viva Randerscheinungen. Foto: Nika Krätzmann

    Es ist kein einfacher Prozess. Transfrau Nika Krätzmann weiß, wovon sie spricht und ist Mitglied der Gruppe Viva Randerscheinungen. „Diese Projekte helfen, dass man gesehen wird, viele Leute gehen auf einen zu und fragen nach. Ich bin eine offene Person und erzähle gerne darüber, um aufzuklären. Viele haben Angst, das offen anzusprechen, denn es gibt viele Beleidigungen oder Abneigung. Aber durch die Veranstaltungen und Theateraufführungen in der Gruppe steht man in einem anderen Fokus.“

    „Nach dem Coming-out fallen viele in ein neues Tief“

    Sie sehe das auch als Vorbild für andere, die das gleiche Problem haben. Der Preis ist für Krätzmann umso wichtiger. „Denn nach dem Coming-out fallen viele in ein neues Tief und sie wissen oft nicht weiter. Deshalb schafft eine Gruppe mit verschiedenen Menschen, ob mit Behinderung, trans oder schwul, eine ganz andere Gemeinschaft. Man wird aufgenommen und wird so akzeptiert. Das fehlt bei vielen, aber so wird man wieder sichtbar.“

    Die Gruppe nach der Premiere von „Stolz und Vorurteil".
    Die Gruppe nach der Premiere von „Stolz und Vorurteil". Foto: Anne Petrussek

    Anfang 2024 hat Nika sich geoutet, aber es hat zuvor mehr als ein Jahr gedauert, bis sie es auch wirklich machen wollte. Sie hatte keine psychologische Betreuung und hat es zuerst der Familie erzählt. Ihre Mutter hat es geahnt. „Ich hatte damals noch eine Freundin, wir waren über acht Jahre zusammen und sie hat danach mit mir Schluss gemacht. Das war auch eigentlich klar.“ Nika ist jetzt 35 Jahre und hat viel erlebt. Das lange Warten auf die Hilfe durch einen Psychologen (ein Jahr) war schwierig, und jetzt muss sie wieder warten: auf die OP. Denn das muss die Kasse erst genehmigen.

    Das lange Warten auf eine OP

    „Da ist man traurig und hofft, dass es weitergeht, und Gruppen wie Randerscheinungen helfen dabei. Denn die Wartelisten für die OPs sind lang und man ist demotiviert.“ Sie hat jetzt Ärzte in München und Kaufbeuren gefunden, in Landsberg sei es schwierig, einen Endokrinologen zu finden, der darauf spezialisiert ist. Nika hat sich neben ihrer Arbeit als Köchin auch ein kleines Nebengewerbe geschaffen. „Ich gebe Grillkurse und habe eine Art Catering. Und auch da bin ich gut angekommen, ich bin in einem Barbecue-Team mit elf Männern und fühle mich angekommen und angenommen.“

    Für den Verein selbst ist die Auszeichnung eine besondere Anerkennung seiner langjährigen Arbeit. Bereits vor rund 14 Jahren wurde Viva Randerscheinungen von Betroffenen mit dem Ziel gegründet, durch Kultur- und Theaterprojekte Räume zu schaffen, in denen Menschen unabhängig von Herkunft, Behinderung, Geschlecht oder Orientierung/Identität willkommen sind.

    Geschützte Räume für Kreativität, Begegnung und persönliche Entwicklung

    „Die Werte, für die der Michael-Schmidpeter-Preis stehen, begleiten unsere Arbeit seit der Gründung. Gerade in einer Kleinstadt brauchen junge Menschen Orte, an denen sie sich ausprobieren, begegnen und angenommen fühlen können. Durch unsere Projekte wollen wir ihnen zugleich die Möglichkeit geben, gemeinsam etwas zu erschaffen und sich für gesellschaftliche Themen wie Vielfalt, Demokratie oder Umweltschutz einzusetzen“, erklären die Vorsitzenden Judith Schmid und Franziska Pawlik.

    Bis heute setzt der Verein inklusive Theater-, Musik- und Kulturprojekte um, an denen regelmäßig viele ganz unterschiedliche Menschen zusammenwirken. Dabei entstehen geschützte Räume für Kreativität, Begegnung und persönliche Entwicklung. „Theater kann Menschen zusammenbringen, die sich im Alltag vielleicht nie begegnet wären. Wenn daraus Gemeinschaft, Selbstvertrauen und gegenseitige Wertschätzung entstehen, dann ist das für viele Menschen ein sicherer Ort“, ergänzt Angelika Engl, auch eine Vorsitzendes vom Verein. Aktuell arbeitet der Verein an seinem bislang größten Vorhaben: dem inklusiven Nibelungen-Musical „Drag me to Valhalla“. Rund 60 Menschen wirken dabei vor und hinter der Bühne zusammen. Die Regie der Produktion liegt bei Souhaila Amade, Maximilian Huber und Emanuel Kasprowicz. Lydia Liedl gestaltet die Choreografie. Das Stück wird heuer im Oktober im Stadttheater Landsberg gezeigt.

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