Pfingsten. Kaiserwetter. Während in der Innenstadt lange Schlangen vor den Eisdielen auf Erfrischung warten, haben in den Turnhallen der Landsberger Schulen Tanznerds aus aller Welt das Kommando übernommen. Drei Tage lang trainieren sie Boogie-Woogie, Lindy Hop, Balboa, Blues und Shag. Tänze, die in den 1920ern bis 1950ern entstanden und seither nicht aufgehört haben, Menschen zu elektrisieren.
Das sogenannte „BB-DanceCamp“ der Münchner Boogiebären ist mit 39 Jahren eines der ältesten Swing-Festivals Europas. 1987 gegründet, zog es 1992 von Germering nach Landsberg. Rund 400 Teilnehmer reisen an, manche aus dem Ausland, viele zelten auf den Wiesen rund ums Sportzentrum. Abends verwandelt sich das Camp: Die Turnhalle wird zum Ballsaal mit zwei Tanzflächen, Live-Bands, Showeinlagen der Trainer, Wettbewerben der Kursteilnehmer. An den Ständen im Eingangsbereich hängen Vintage-Kleider aus den 20ern bis 50ern, dazu gibt es feinste Tanzschuhe aus Italien sowie Accessoires und Styling-Artikel. Pfingsten ist Boogiebären-Zeit in Landsberg.
Was wenige ahnen: Landsberg tanzt nicht nur zu Pfingsten
Der Landkreis hat eine eigene, gewachsene Szene und die beginnt mit zwei Namen: Ute und Klaus Nowak. 1978 gründeten sie (gemeinsam mit einigen anderen Tanzbegeisterten) den Rock‘n‘Roll Club Jahn Landsberg. Damals war der Tanzsport hier noch kein Thema. Es dauerte zehn Jahre, bis er sich im Landkreis etabliert hatte. Dann aber lieferte der Verein: Deutsche Meister, Europavizemeister, schließlich 2004 einen Weltmeister. 46 Jahre lang leiteten die Nowaks die Abteilung, bevor sie das Zepter weitergaben. Die Leidenschaft für den Sport haben sie dennoch bis heute nie abgelegt, auf dem Pfingstcamp haben sie jedes Jahr ihren eigenen Tanzschuh-Verkaufsstand.
Tanzen seit 37 Jahren und nie langweilen
In Kaufering hält der VfL die Flamme am Brennen. Die Tanzsportabteilung wuchs aus einem VHS-Kurs in den frühen Achtzigern, schickte 1984 eine Formation zur Weltmeisterschaft nach Luzern und zählt heute zehn aktive Boogie-Paare. Sportwart Thomas Neher bringt es auf den Punkt: „Ich tanze seit 37 Jahren und langweile mich kein bisschen. Jede Musik ist anders, jeder Abend ist anders, man lernt nie aus. Paartanz ist ein Gespräch ohne Worte, du musst zuhören, führen, reagieren. Das ist manchmal herausfordernd und meistens wunderschön.“ Boogie-Woogie ist ein lockerer, verspielter Swing-Tanz mit vielen Improvisationen, während Rock ’n’ Roll schneller, akrobatischer und sportlicher getanzt wird.
Alle paar Wochen treffen sich übrigens die Tänzerinnen und Tänzer aus der Region zum Boogie-Abend in der Cantina Carlotta. Zu den Landsbergern und Kauferingern gesellen sich dann auch die Boogiestrolche aus Schwabmünchen und Swingdance-Begeisterte von Kaufbeuren über Buchloe bis München.
Wer hat Lust mit zu tanzen?
Wer jetzt Lust bekommen hat: FT Jahn und VfL Kaufering trainieren jeweils freitagsabends. Am 12. Juni um 18.15 Uhr startet beim VfL Kaufering ein neuer Anfängerkurs. In Landsberg geht es im Herbst mit einem neuen Kurs los. So ist genügend Zeit, um Pfingsten 2027 beim 40-jährigen BB-DanceCamp Jubiläum dabei zu sein. Boogie-Woogie gehört zur Familie der Swing-Tänze. Er entstand in den 1920er Jahren in den USA aus dem East Coast Swing, einem vereinfachten tänzerischen Derivat des Ende der 1920er Jahre aus schwarzen Wurzeln entstandenen Lindy Hop der 1930er Jahre. Die Verwendung der Bezeichnung Boogie-Woogie für den Tanz bleibt auf Europa beschränkt.
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