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Besuch in Schondorf. Das Haus von Kunstpreisträger Andreas Kloker atmet die Haltung des Künstlers

Schondorf

Andreas Kloker zeigt die Vergänglichkeit in Performances und Installationen

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    Andreas Kloker in seinem Wohnzimmer in Schondorf mit einer seiner typischen Kacheln mit Sinnspruch.
    Andreas Kloker in seinem Wohnzimmer in Schondorf mit einer seiner typischen Kacheln mit Sinnspruch. Foto: Thorsten Jordan

    Der Kalkbrünnerlweg mit dem anliegenden ehemaligen „Seeacker“ liegt in einer Senke beim Landheim in Schondorf. Dort befindet sich im immer moderner werdenden Schondorf eine Enklave des individuellen, künstlerischen Schaffens, ein Freiraum. An keinem besseren Ort könnte man sich den diesjährigen Kunstpreisträger des Landkreises, Andreas Kloker (77), vorstellen.

    Sein Haus mit Atelier atmet seine Haltung als Künstler – etwas selbst zu erschaffen, teils mit autodidaktisch angeeignetem Können, teils mit fundiert erlerntem. In der handwerklichen Arbeit, egal ob Kloker mit Mauersteinen, Metall, Keramik, Tusche und Pinsel oder Wasser und Schwamm arbeitet, steckt ein künstlerischer Prozess. Präsenz, Bewusstsein und Gewahrwerden führen zum künstlerischen Akt. Dieser sei nicht erlernbar, sagt Andreas Kloker. „Dabei gilt es, etwas zuzulassen, mit dem Unperfekten auch ein Risiko einzugehen. So kann Neues entstehen.“

    „Mich fasziniert, was ich nicht kann.“

    „Mich fasziniert, was ich nicht kann. Für mich war es immer wichtig, etwas auszuprobieren. Deshalb habe ich es auch nie zu einer Meisterschaft gebracht“, sagt Kloker zu der Vielfalt seines Schaffens. Zu sehen ist diese selten und schon gar nicht zusammengefasst in einer Ausstellung. Denn Klokers Kunst ist oft vergänglich. Die Elementarzeichnungen mit Schwamm, Tuch und Wasser auf einer Schiefertafel – sie verändern sich, verschwinden gänzlich. Doch was zum Schluss bleibt, ist nicht nichts. Sondern Stille. „Die Stille ist in uns, erzeugt durch das Erleben“, sagt Kloker und bezieht sich dabei mit ein. Denn auch er erlebt die Elementarzeichnung jedes Mal neu.

    Wer sich Andreas Klokers jahrzehntelangem Schaffensspektrum nähern will, muss mit ihm in den Keller gehen. 
    Wer sich Andreas Klokers jahrzehntelangem Schaffensspektrum nähern will, muss mit ihm in den Keller gehen.  Foto: Thorsten Jordan

    Wer sich Klokers jahrzehntelangem Schaffensspektrum nähern will, muss mit ihm in den Keller gehen. Dort erzählen Relikte in der „Asservatenkammer“ von dem, was war. Er nennt sie „Beweisstücke“. Ansammlungen eines von Kunst durchdrungenen Lebens, die vielleicht noch einmal bei Installationen zum Einsatz kommen. Oder dem Künstler bei seiner Rückschau helfen. Denn der 77-Jährige hat sich vorgenommen, für seine Familie sein Lebenswerk in einem Buch zusammenzufassen. „Diesen biografischen Rückblick finde ich spannend. Obwohl – eigentlich schaue ich lieber vorwärts.“ 

    Dass er mit dem Kunstpreis des Landkreises Landsberg ausgezeichnet wird, hat ihn erstaunt. In Landsberg sei er ja nie so präsent gewesen. Am Ammersee dagegen schon. Gerade mit den Elementarzeichnungen „Vor Ostern“, die er alljährlich im Studio Rose entstehen lässt und die zu einer liebgewonnenen Tradition geworden sind. Seit 25 Jahren gibt es bereits Klokers Elementarzeichnungen. Entstanden sind sie durch einen Zufall. Kloker wollte „Brot“ auf eine Schiefertafel schreiben. Mangels Kreide griff er zu einem Lappen. Das Ergebnis brachte in ihm etwas ins Rollen. Er verfeinerte die Technik, probierte sie auf großen Tafeln aus.

    Andreas Kloker komponiert die Elementarzeichnungen wie Musik

    Kloker komponiert die Elementarzeichnungen wie Musik. Zwar lassen sich Effekte erlernen, jedoch machen die erzeugten Bilder in gewisser Hinsicht auch, was sie wollen. Kloker zeigte sie unter anderem in der katholischen Akademie in München, im Museum in Penzberg oder in Schondorfs Partnerstadt Boves. Solche Anfragen bedeuten für den Künstler, sich intensiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen, dem Massaker in Boves, der Mordnacht am Ende des Zweiten Weltkrieges in Penzberg. „Es gilt, Bilder für einen unbeschreiblichen Akt zu finden“, sagt Kloker.

    Andreas Kloker mit einem „Pinsel" im Atelier, das  gleichzeitig die Töpferei seiner Frau ist.
    Andreas Kloker mit einem „Pinsel" im Atelier, das gleichzeitig die Töpferei seiner Frau ist. Foto: Thorsten Jordan

    Aus den zahlreichen Impulsen, die Kloker in seiner künstlerischen Laufbahn bestärkt haben, lassen sich zwei herausheben. Sein Großvater Erwin Forster war Maler, aber auch Kunstmaler. Wie er lernte Kloker das Malerhandwerk, später Schriftenmaler. Und der Greifenberger Goldschmied und Bildhauer Erich Sinz, bei dem Kloker als 13-Jähriger mitarbeiten durfte. Glasbläserei in Paris, Skulpturen in Kolumbien. Die zahlreichen Auslandsaufenthalte führten ihn auch mit einem buddhistischen Mönch zusammen, der die Faszination für Kalligrafie bei ihm auslöste, die bis heute anhält. „Es ist so beruhigend, dass die Aufgaben zu einem finden und man sie nicht suchen muss.“

    Das Schöne für den Besucher seines Wohn-Ateliers ist, dass der Künstler nicht extra vorher aufräumt. So kann erlebt werden, wie sich von Kunst durchdrungenes Tun im Alltäglichen manifestiert. Durch „Versammlungen“ von Gegenständen, die zur Komposition werden. Der Blick fällt auf einen langen, schwarzen Tuschestreifen. LZ4220 – 4220 Sekunden Lebenszeit von Andreas Kloker stecken in dieser Performance, die seinen Herzschlag aufgezeichnet hat. Der Herzschlag eines Künstlers, der nach wie vor offen ist für Neues.

    Der Kunstpreis wird am 24. April um 19 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes verliehen. Preisträger Andreas Kloker wird vor Ort eine Elementarzeichnung entstehen lassen.

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