Ein kleines Studio in Landsberg am Papierbach, ein futuristisch anmutender Anzug und die Aussicht auf ein Ganzkörpertraining in nur 20 Minuten. Als Lokaljournalistin wollte ich es genauer wissen und habe ein EMS-Probetraining bei Bodystreet absolviert. Da ich selbst aufgrund eines Unfalls vor40 Jahren noch immer an den Folgen, insbesondere im Becken- und Rückenbereich, leide, setze ich viel Hoffnung auf das EMS-Training. Mein Trainer: Chris Haussmann, 26 Jahre alt, Inhaber des Landsberger Studios, studierter Fitnessökonom und EMS- sowie Personaltrainer. Ein neuer Teil unserer Gesundheitsserie unter dem Motto „Gesund & schön“.
Schon beim Ankommen wird klar: Hier geht es nicht um klassisches Fitnessstudio-Feeling mit Hanteln und Laufbändern. Stattdessen setzt man auf Effizienz. „Unsere Kunden haben oft wenig Zeit, möchten aber trotzdem etwas für ihre Gesundheit tun“, erklärt Chris Haussmann. Die Hauptzielgruppe sei zwischen 30 und 50 Jahren – wobei die Altersspanne in seinem Studio von 22 bis 75 Jahren reicht. Und Haussmann bestärkt meine Hoffnung: „Nach Operationen, etwa am Knie oder an der Hüfte, kann EMS helfen, wieder Muskulatur aufzubauen.“ Denn, so ergänzt er, „die Gelenke werden vergleichsweise wenig belastet, während die Muskulatur dennoch intensiv arbeitet.“
Bevor es losgeht, gibt es ein kurzes Warm-up
Ich werde mit einem EMS-Anzug ausgestattet. Er sitzt eng, fast wie eine zweite Haut. Integrierte Elektroden liegen direkt auf den großen Muskelgruppen Beine, Gesäß, Bauch, Rücken und Arme. Bevor es losgeht, gibt es ein kurzes Warm-up von etwa einigen Minuten. Chris zeigt mir einfache Bewegungen, angepasst an meinen Trainingsstand. „Hier gibt es kein Gruppentraining“, betont er. „Jeder bekommt einen individuellen Plan.“ Maximal trainieren zwei Personen gleichzeitig – etwa Paare.
Dann startet die eigentliche Einheit. Auf einem großen Bildschirm vor mir sehe ich die Übungen und wann der nächste „Stromstoß“ zu erwarten ist. Während ich nach oben schaue, korrigiert Chris Haussmann meine Haltung. Ich beginne mit einem Ausfallschritt, die Arme angewinkelt. Plötzlich spüre ich ein Kribbeln, die ersten elektrischen Impulse ziehen durch meine Muskeln. Es ist ungewohnt, aber nicht unangenehm.
„Die Intensität steigern wir nach und nach“, erklärt Haussmann. Tatsächlich sind die Impulse anfangs sehr sanft. Doch mit jeder Minute wird das Gefühl intensiver, als würde mein Körper gleichzeitig von innen arbeiten. Und das hat es in sich: Laut Haussmann werden während einer 20-minütigen Einheit bis zu 51.000 Muskelkontraktionen ausgelöst. Tatsächlich spüre ich während des Probetrainings überhaupt keine Belastung auf meinen Gelenken, genauso, wie ich es mir erhofft hatte.
Besonders die tieferliegenden Muskeln sollen stärker angesprochen werden
Was steckt genau hinter EMS? EMS steht für Elektromyostimulation. Dabei werden elektrische Impulse genutzt, um Muskeln zusätzlich zu den willentlichen Bewegungen zu aktivieren. Studien zeigen, dass EMS mehr Muskelfasern gleichzeitig aktivieren kann als klassisches Training und dass besonders die tieferliegenden Muskeln stärker angesprochen werden. Diese Trainingsart eignet sich, wie Chris mir erzählt, für Muskelaufbau, Kraftsteigerung und auch zur Unterstützung beim Abnehmen.
Abnehmen mit Strom? Ja – aber nicht ohne Eigeninitiative. „EMS allein ist kein Wundermittel“, sagt Chris ehrlich. Entscheidend sei die Kombination mit Ernährung. Als Ernährungsberater unterstützt er seine Kunden individuell bei der Optimierung der Wasserzufuhr, der Anpassung der Proteinzufuhr oder der Integration von Stoffwechselprogrammen. „Starre Ernährungspläne funktionieren im Alltag selten“, meint er. Stattdessen setzt er auf flexible Strategien.
„20 Minuten pro Woche reichen am Anfang völlig aus.“
Den größten Vorteil des EMS-Trainings sieht Chris Haussmann in der Zeitersparnis: „20 Minuten pro Woche reichen am Anfang völlig aus.“ Das Training wird langsam gesteigert, nach sechs bis acht Wochen seien auch zwei bis drei Einheiten möglich. Gleichzeitig betont er: „EMS-Training ist kein Ersatz für Bewegung an der frischen Luft oder klassischen Sport – aber eine spannende Ergänzung. Vor allem für Menschen mit wenig Zeit könnte es eine echte Alternative sein.“
Nach 20 Minuten bin ich zwar etwas erschöpft, habe aber, anders als nach bei manchen anderen Fitness-Übungen, überhaupt keine Beschwerden im Becken- oder Rückenbereich. Ich verlasse das Studio mit dem Gefühl, etwas ausprobiert zu haben, das tatsächlich hält, was es verspricht: maximale Wirkung in minimaler Zeit und gleichzeitig ein schonendes Training gerade nach Verletzungen oder bei schon länger schwelenden Problemen in den Gelenken. Mein Fazit: Intensiv, effizient und überraschend motivierend.
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