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Dank Renaturierung: 83 Prozent mehr Bachforellen im Scheuringer Mühlbach

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Dank Renaturierung: 83 Prozent mehr Bachforellen im Scheuringer Mühlbach

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    Der Absturz bei der großen Pappel nördlich vom Scheuringer Ortseingang ist das einzige Wanderhindernis im Verlauf des vier Kilometer langen Bachs.
    Der Absturz bei der großen Pappel nördlich vom Scheuringer Ortseingang ist das einzige Wanderhindernis im Verlauf des vier Kilometer langen Bachs. Foto: Manfred Harant

    An einem Vorzeige-Augusttag führt der Weg entlang des Mühlbachs, vorbei an hoch aufragendem Mais, hinein in ein Stück Landschaft, das sich sichtbar verändert hat. Dort, wo der Bach vor wenigen Jahren noch als begradigter Kanal still und gleichförmig dahinfloss, plätschert er heute wieder mithilfe von Steinen, Wurzelstöcken und Weidenbündeln, die Abwechslung in den Lauf bringen. Die Arbeiten, die der Luftwaffenfischereiverein Lechfeld mit vielen Helfenden angestoßen hat, zeigen Wirkung: Der Mühlbach wird wieder zu einem lebendigen Ökosystem. Die Grünen-Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel und Christian Hierneis machten sich Rahmen ihrer „Wassertour“ ein Bild von der Renaturierung.

    Der Scheuringer Mühlbach verwandelt sich vom Kanal zum Lebensraum

    „Aus einem Kanal ist wieder ein Ökosystem geworden“, sagt Thomas Maisterl, Vorsitzender des Luftwaffenfischereivereins. Für ihn ist der Bach weniger Fanggebiet als Naturschutzprojekt. Entsprechend sorgfältig wurde geplant: Steine und Wurzelstöcke bringen Strömungsvielfalt, Faschinen sichern die Ufer, Kopfweiden sollen künftig Schatten spenden. Alles in enger Abstimmung mit Gemeinde, Landwirtschaft und Landschaftspflegeverband. Andreas Schützeberg, vom Landschaftspflegeverband Landsberg, betonte, dass rund 110.000 Euro Förderung in das Projekt fließen.

    Die gemeinsame Arbeit zeigt Wirkung. Bei der jüngsten Elektrobefischung des vier Kilometer langen sommerkalten Bachs konnte Felix Wolfrum vom Landesfischereiverband Bayern belegen, dass die Fischgemeinschaft sich verändert. Während Stillwasserarten wie der Dreistachlige Stichling zurückgehen, breiten sich typische Bachbewohner wie Forelle und Mühlkoppe aus. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Bachforellen um ganze 83 Prozent. Besonders erfreulich: Erstmals finden sich auch ältere Tiere im Bach – ein Zeichen dafür, dass verschiedene Lebensräume entstehen, die für unterschiedliche Altersklassen geeignet sind.

    Dieser Fisch fühlt sich offensichtlich wohl im Mühlbach und wurde im Anschluss wieder freigelassen.
    Dieser Fisch fühlt sich offensichtlich wohl im Mühlbach und wurde im Anschluss wieder freigelassen. Foto: Manfred Harant

    Entscheidend für die weitere Entwicklung ist die Vielfalt im Bachbett. An neu eingebrachten Strukturen lagern sich Feinsedimente nicht mehr so stark ab, Kiesflächen entstehen und bleiben frei von übermäßigem Pflanzenbewuchs. Damit wachsen die Chancen, dass Forellen hier künftig wieder ablaichen können. „Wenn in den nächsten Jahren auch erwachsene Tiere zurückkehren, kann es zu einer natürlichen Reproduktion kommen“, freut sich Wolfrum.

    Ein zweiter wichtiger Schritt steht im kommenden Herbst und Winter an: die Pflanzung von Kopfweiden entlang des Bachs. Sie werden nicht nur Schatten spenden und das Wasser kühlen, sondern auch dafür sorgen, dass die Pflanzen im Bach nicht überhandnehmen. Für die angrenzenden Felder und deren Landwirte soll kein Nachteil entstehen, da die Flächen sonnig bleiben. „Alle Beteiligten profitieren“, betont Thomas Maisterl, „das ist ein Projekt ohne Verlierer.“

    Für den gleichnamigen Bürgermeister Konrad Maisterl ist der renaturierte Mühlbach auch eine Investition in Sicherheit. Hochwasserereignisse hätten in den vergangenen Jahren gezeigt, wie wichtig funktionierende Bachläufe sind, betonte er. Die Gemeinde investiert parallel Millionenbeträge in den Hochwasserschutz.

    Neben dem ökologischen und sicherheitsrelevanten Wert steigert sich auch der Naherholungsfaktor. Spaziergängerinnen und Spaziergänger erleben nun ein abwechslungsreiches Bachufer mit Vogelgesang, Libellen und Grashüpfern – einer springt Thomas Maisterl bei der Begehung von einer Distel auf den Kopf. Für andere ein unerfreuliches Erlebnis, doch er ist begeistert. Für ihn ein kleines, aber sprechendes Zeichen: Die Natur kommt zurück.

    Projektleiter Thomas Maisterl (vorn) ist von der neuen Artenvielfalt am Mühlbach begeistert.
    Projektleiter Thomas Maisterl (vorn) ist von der neuen Artenvielfalt am Mühlbach begeistert. Foto: Manfred Harant

    Die Bachrenaturierung nördlich von Scheuring ist ein Projekt mit Signalwirkung

    Die Grünen-Abgeordneten zeigten sich beeindruckt von der Arbeit vor Ort. „Für den Naturschutz ist das ein Traum“, fasste Christian Hierneis zusammen. Zugleich erinnerte er daran, dass viele kleine Gewässer dritter Ordnung in Bayern weiterhin in schlechtem Zustand sind. Von einem „guten ökologischen Zustand“ bis 2027, wie ihn die europäische Wasserrahmenrichtlinie ursprünglich vorsah, sei Bayern weit entfernt. „Das Ziel wird wohl auf 2035 verschoben“, prognostizierte der Grünen-Politiker.

    Felix Wolfrum machte deutlich, dass der Druck groß ist: Mehr als die Hälfte der heimischen Fischarten gilt inzwischen als gefährdet. Der Mühlbach sei daher weit mehr als ein lokales Projekt: Er könne Vorbild sein für die Renaturierung der zahllosen kleinen Bäche und Gräben im Freistaat.

    Für den Verein, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat, steht fest: Die Mühe lohnt sich. „Zwei Drittel der Arbeit sind Kommunikation“, sagt Thomas Maisterl. Doch wenn ein Bach, der lange als „Sorgenkind“ galt, wieder Lebensraum wird, ist das ein Gewinn für Menschen, Natur und Landschaft. Der letzte große Schritt am nördlichen Teil des Mühlbachs wird der Rückbau des Wehrs sein, das bisher als Barriere Fischen den Weg erschwert.

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