Es sind grausame Verbrechen über Stalking, Kontrolle und obsessive Eifersucht. Und doch bleiben die Akten nicht verschlossen in Asservatenkammern oder Archiven der jeweils zuständigen Polizeidienststelle. Sie lösen sich für einen Abend gewissermaßen aus dem Papierstapel der Ermittlungen und treten hinaus ins Licht der Öffentlichkeit. Nach dem Erfolg der vergangenen Tour im deutschsprachigen Raum mit über 100 Stationen und rund 90.000 Zuschauerinnen und Zuschauern brachten die „Partners in Crime“ erneut zwei echte Fälle auf die Bühne des Sportzentrums in Landsberg.
Dr. Alexander Stevens zählt zu den bekanntesten Strafverteidigern Deutschlands. In seinem Podcast „True Crime 187“ verhandelt er Woche für Woche Fälle aus seiner anwaltlichen Praxis. An seiner Seite dabei: Jacqueline Belle – Bayern-3-Radiostimme, Moderatorin und Synchronsprecherin. Gemeinsam reden die beiden über wahre Verbrechen und ihre Hintergründe – doch vor allem über die Menschen, die davon unmittelbar betroffen sind: Opfer, Angehörige, Täter und Täterinnen sowie Ermittler und Ermittlerinnen.
Aus Fürsorge wird Kontrolle, aus Zuneigung schnell Überwachung
Im Mittelpunkt ihrer Live-Show „Toxic Love“ stehen Beziehungsdynamiken, die unter anderem mit einem sogenannten „Love Bombing“ beginnen – einer Form emotionaler Manipulation, bei der ein Mensch anfangs mit Aufmerksamkeit, Nähe und Zuneigung regelrecht überschüttet wird. Doch aus vermeintlicher Fürsorge wird Kontrolle, aus Zuneigung schnell Überwachung – und eine Beziehung nicht etwa beendet, sondern oftmals in einem polizeilichen Bericht festgehalten. Doch warum kippt Liebe in Gewalt? Wann wird sie tödlich? Und kann die Tötung des Partners oder der Partnerin unter Umständen sogar straflos bleiben? All diese Fragen bleiben an diesem Abend nicht unbeantwortet. Denn „Alex“ hat die beiden mitgebrachten Fälle, sowie alle anderen, die im Podcast behandelt werden, selbst juristisch begleitet.
Auf der Bühne des Sportzentrums ordnet Alexander Stevens die Geschehnisse für das Publikum nochmals ein und zeigt, wie ein Strafverteidiger solche Fälle erlebt und bewertet. Immer wieder werden dabei auch echte Tatortfotos und Beweismaterial gezeigt sowie Zeugenaussagen abgespielt. „Jaci“ ergänzt die juristische Perspektive dabei um die menschliche Ebene: Sie stellt genau die Fragen, welche dort beginnen, wo Paragrafen enden – und öffnet vorwiegend Räume, in denen auch Emotionen (wieder) Platz haben.
Ein medizinischer Notfall im Publikum sorgt für eine Unterbrechung
Doch nach nur etwa einer Viertelstunde kommt es zu einer Unterbrechung. In Block B gibt es einen medizinischen Notfall. Stimmen überschlagen sich. Security und medizinisches Personal greifen ein. Die Veranstaltung wird unterbrochen. Doch nach nur wenigen Minuten Pause folgt die gute Nachricht: Die betroffene Person kann den Saal selbstständig verlassen. Alexander Stevens und Jacqueline Belle machen weiter.
Immer wieder fordern die beiden das Landsberger Publikum dazu auf, QR-Codes zu scannen und damit Fragen direkt auf dem Smartphone zu beantworten: Wer wirkt unschuldig? Welche Entscheidung wirkt plausibel? Wie geht der Fall juristisch aus? Ein Klick und kurze Zeit später erscheint das Ergebnis, das zeigt, wie subjektiv und unterschiedlich die Einschätzungen im Saal ausfallen. All jener Menschen, die an diesem Abend zusammen gekommen sind, diskutieren, sich lieben – und unwillkürlich den Arm (wohl) ein kleines bisschen fester umeinander legen.
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