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Dauercamper bekommt Hausverbot: Was gilt auf der Waitzinger Wiese in Landsberg?

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Dauercamper bekommt Hausverbot auf der Waitzinger Wiese: Die traurige Geschichte von Wolfgang Vogl

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    Wolfgang Vogl stand mit seinem Wohnmobil seit dem 10. April auf dem Parkplatz Waitzinger Wiese und überschritt die maximale Stellzeit deutlich.
    Wolfgang Vogl stand mit seinem Wohnmobil seit dem 10. April auf dem Parkplatz Waitzinger Wiese und überschritt die maximale Stellzeit deutlich. Foto: Christian Rudnik

    Der Parkplatz auf der Waitzinger Wiese ist beliebt. Nicht nur Pkw werden dort geparkt, sondern auch viele Wohnmobile. Oft sind es mehr, als Stellplätze dafür ausgewiesen sind. Nicht alle Besucherinnen und Besucher mit Wohnmobil sind Urlauber. Manche haben keinen Wohnsitz und sehen die Waitzinger Wiese quasi als ihr Zuhause an. Die maximale Stellzeit ist jedoch auf vier Tage begrenzt. Dann erfolgt durch den Betreiber, die Stadtwerke Landsberg, ein Platzverweis. Ein „Bewohner“ will sich das nun nicht gefallen lassen.

    „Die meisten halten sich an die Regeln“, sagt Reinhard Dippold, Abteilungsleiter Kommunale Dienste & Gebäudemanagement bei den Stadtwerken Landsberg, gegenüber unserer Redaktion. Gemeint sind damit die Wohnmobilisten. Rund 3800 waren es im Jahr 2025, mehr als in den Vorjahren. Sprich: Sie ziehen ihr Ticket, fahren ein, entsorgen ihren Müll regelkonform und fahren spätestens vier Tage nach der Bezahlung ihres gezogenen Tickets wieder aus. Vier Tage sind die maximale Standzeit bei Wohnmobilen. So lange standen 2025 nur 31. Die meisten (3219) blieben nur einen Tag. Einer jedoch fällt aus dem Rahmen: Wolfgang Vogl.

    Auf der Waitzinger Wiese gibt es Stellplätze für Wohnmobile.
    Auf der Waitzinger Wiese gibt es Stellplätze für Wohnmobile. Foto: Christian Rudnik

    Der 61-Jährige steht dort seit 10. April. Mitsamt Hündin Bella, Fahrrädern und einem Anhänger mit Dingen, die im Wohnmobil keinen Platz haben. Den Anhänger musste er inzwischen auf Anordnung der Stadtwerke auf den außerhalb liegenden Parkplätzen parken und ständig umstellen, da er nicht dauerhaft auf einem Platz stehen darf. Dass dort ein Parkplatz blockiert wird, stößt einem Anlieger sauer auf, da Parkfläche knapp ist. Nachdem dieser bei Vogl mit dem Problem auf taube Ohren gestoßen war, wandte er sich an Reinhard Dippold und brachte damit einen Stein zum Rollen. Denn nun fiel erst auf, dass Vogl die reguläre Standzeit weit überschritten hatte. „Natürlich war das unseren Kontrolleuren aufgefallen. Aber vonseiten des Parkers hieß es stets, ich habe es erlaubt“, sagt Dippold, der den Mann nun persönlich zum Ausfahren aufforderte. Ohne Erfolg.

    Dauercamper Wolfgang Vogl verweigert die Ausfahrt

    Auch die angeforderte Polizeistreife wusste nicht so recht, wie sie mit dem Fall umgehen sollte. Vogl ist nach eigenen Angaben wohnsitzlos, zu 50 Prozent schwerbehindert, frühverrentet und zum Betrieb seines Apnoegeräts auf Strom angewiesen. Alle Beteiligten, so scheint es, suchen nach einem menschenwürdigen Umgang mit der Situation. Dennoch könne, so hieß es, eine noch längere Standzeit vonseiten der Stadtwerke nicht geduldet werden. Zumal sie keine Einnahmen haben, solange der Camper nicht ausfährt und bezahlt. Über 500 Euro wären dann fällig. Vogl verweigert die Ausfahrt. Er findet die Aufforderung unerhört und wendet sich an unsere Redaktion.

    Beim Besuch vor Ort sitzt Vogl vor seinem Wohnmobil, Hündin Bella liegt brav zu seinen Füßen. In den Rosenrabatten duftet es, der Himmel leuchtet blau. Ein Idyll. Eigentlich. Denn Vogls Geschichte, die er zu erzählen beginnt, ist alles andere als angenehm. Aufgewachsen sei er in einem Heim in München, getrennt von seinen Geschwistern. Der frühe Tod der Tochter 2019, die Ehe zerbricht, das Eigenheim im Landkreis Landsberg muss verkauft werden. Einige Jahre wohnt Vogl zur Miete in Landsberg, dann folgt die Kündigung wegen Eigenbedarf.

    Weil er keine Wohnung findet, zieht er ins Wohnmobil. Im Sommer auf der Waitzinger Wiese, im Winter im Süden. Die Rente reicht gerade so, nun muss er jedoch mit einer Kürzung rechnen. Auch das Wohnmobil wird nicht mehr lange in seinem Besitz sein. Was dann? Ein Wohnberechtigungsschein werde ihm von der Behörde verweigert, so habe er keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung. Ein Umzug in eine Obdachlosenunterkunft käme nicht infrage, da er Bella nicht mitnehmen könne, sagt Wolfgang Vogl. Wohin mit dem zwölfjährigen Hund?

    Er sei nicht der Einzige, der lang stehe, sagt Vogl

    Vogl steht mit dem Rücken zur Wand, so macht es den Eindruck. Die Kulanz, die ihm entgegengebracht wird, indem er ausfahren, bezahlen und später wieder auf den Parkplatz auf der Waitzinger Wiese einfahren kann, weiß er nun nicht mehr zu schätzen. Als sinnloses Herumfahren und Umweltverschmutzung bezeichnet er die Anordnung, der er nicht Folge leistet. Am Sonntag sollte er den Platz verlassen, am Montag steht er noch immer da. Er sei nicht der Einzige, der lang stehe, so Vogl.

    Reinhard Dippold von den Stadtwerken kann das widerlegen. Lediglich 34 Überschreitungen der Höchstparkdauer bei Wohnmobilen seien 2025 verzeichnet worden – die meisten um einen Tag (25), eine um 13. Bei Vogl sind es mittlerweile circa 50. Von weiteren wohnsitzlosen Campern, die die Waitzinger Wiese nutzen, weiß Dippold nichts. Tatsächlich sind es zu manchen Zeiten jedoch weit mehr Wohnmobile, als Stellplätze vorhanden sind. Auf acht Stellplätze kommen dann 50 Camper, die auf die Pkw-Plätze ausweichen. Probleme gibt es dann nicht nur aufgrund von Überbelegung, sondern auch mit Müll. 

    Wolfgang Vogl packt zusammen.
    Wolfgang Vogl packt zusammen. Foto: Christian Rudnik

    „Wir sind an einer guten Lösung interessiert“

    „Wir überlegen deshalb, im nächsten Jahr auf eine Einzelstellplatzüberwachung umzurüsten“, sagt Simon Rodler, Bereichsleiter Netz & Technik bei den Stadtwerken. Eine Erweiterung der Wohnmobilstellplätze stehe mangels Fläche nicht zur Diskussion. „Wir sind an einer guten Lösung interessiert“, betont Rodler mit Blick auf Wolfgang Vogl. Es werde nach einer kurzzeitigen anderen Stellmöglichkeit gesucht. Vogl hat derweil das Sozialgericht angerufen, da er gegen die Verweigerung eines Wohnberechtigungsscheins klagen will. VdK, Caritas, er lässt keine Chance ungenutzt. Seine Zukunft ist ungewiss.

    Inzwischen hat sich Vogl erneut an unsere Redaktion gewandt und ein Schreiben der Stadtwerke übermittelt. Da Vogl sich auch nach Aufforderung der Polizei beharrlich weigere, den Parkplatz auf der Waitzinger Wiese zu verlassen, sehen sich die Stadtwerke demnach gezwungen, ein unbefristetes Hausverbot auszusprechen. Im Falle einer weiteren Zuwiderhandlung werde das Kommunalunternehmen Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstatten und weitere strafrechtliche Schritte prüfen. Wie Wolfgang Vogl unserer Redaktion mitteilte, wollte er die Waitzinger Wiese am Donnerstag verlassen und in den Landkreis Augsburg weiterfahren.

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