Es ist ein Thema, das dem Landsberger Notarzt Dr. Wolfgang Weisensee auf den Nägeln brennt. Als Mitglied des Stadtrats wies er jüngst am Ende einer Sitzung eindringlich darauf hin, dass nach dem Umbau der Breslauer Straße das Durchkommen für Notarztfahrzeuge und den Rettungswagen deutlich erschwert sei. Statt auf den gepflasterten Mittelbereich auszuweichen, blieben Verkehrsteilnehmer oft einfach auf der Fahrbahn stehen. Die Breslauer Straße sei jetzt zwar „schön grün aufgelockert“, so Weisensee. Aber für Einsatzfahrzeuge ist eine der Hauptzufahrtsstraßen für Patiententransporte zum nahegelegenen Klinikum laut seiner Aussage zu einem echten Problem geworden. Die Stadtverwaltung reagiert schnell. Es ist bereits eine konkrete Maßnahme in Planung, durch die sich die Situation verbessern soll.
Der Umbau der Breslauer Straße in Landsberg ist seit dem vergangenen Sommer abgeschlossen. Im Zuge der Maßnahme wurden die Geh- und Radwege vollständig neu konzipiert und beidseitig auf eine Breite von drei Metern zusammengeführt. Diese bauliche Lösung soll Fußgängern und Radfahrern deutlich mehr Sicherheit, Komfort und Raum bieten. Der neu angelegte Grünstreifen, der den kombinierten Geh- und Radweg von der Fahrbahn trennt, verbessert laut einer im Juli versendeten Pressemitteilung der Stadt das Stadtbild.
Einsatzfahrzeuge müssen Schlangenlinien fahren
Die Mittelinseln wurden im Zuge des Umbaus modernisiert und als Notfallausweichflächen für den motorisierten Verkehr gestaltet. So soll – zumindest in der Theorie – sichergestellt sein, dass der Rettungsdienst im Einsatzfall gerade und geordnet durchfahren kann und sich nicht durch den Verkehr schlängeln muss. In der Praxis scheint das aber längst nicht immer reibungslos zu klappen. „Es hat zeitweise ganz gut funktioniert. Inzwischen herrscht aber heilloses Chaos“, sagt Dr. Wolfgang Weisensee auf Nachfrage unserer Redaktion. Weisensee fährt seit bald 40 Jahren Einsätze als Notarzt.
Die Breslauer Straße sei mit den vorgesehenen Notfallausweichflächen eigentlich gut ausgestattet. „Aber die Leute können damit nicht umgehen“, beobachtet Dr. Wolfgang Weisensee. Daher müssten Notarzt- und Rettungsdienstfahrzeuge auf dem Weg ins Klinikum immer wieder abbremsen, Schlangenlinien fahren oder sogar auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Gerade mit einem „Fünf-Tonnen-Sanka“ sei das problematisch, sagt der Landsberger Notarzt. Dabei geht es nicht nur um den Faktor Zeit: „Es gibt einfach auch Verletzungsmuster, bei denen man tunlichst nicht Schlangenlinien fahren und ständig abbremsen sollte.“
In der Breslauer Straße sollen Hinweisschilder aufgestellt werden
Laut Andreas Lehner, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Landsberg, gibt es generell immer wieder das Thema, dass Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer nicht richtig reagieren – weil sie sich nähernde Fahrzeuge des Rettungsdiensts nicht hören, erschrecken oder in der Situation überfordert sind. „Unsere Fahrerinnen und Fahrer müssen mit allem rechnen und so fahren sie auch“, sagt Andreas Lehner. Das Wichtigste sei die Sicherheit des Patienten sowie die Sicherheit der Besatzung. Neben dem Rettungsdienst ist auch die Polizei regelmäßig mit Blaulicht auf der Breslauer Straße unterwegs. „Auffälligkeiten bei Wegerechtsfahrten durch Polizeifahrzeuge sind in der Breslauer Straße nicht bekannt“, teilt ein Sprecher der Polizeiinspektion Landsberg mit.
Auf Nachfrage äußert sich Ernst Müller, Leiter des Landsberger Ordnungsamts. „So schön der Umbau auch ist, es gibt immer Vor- und Nachteile.“ Durch die Verkleinerung der Verkehrsfläche sei grundsätzlich eine gewisse Beruhigung auf der Breslauer Straße erreicht worden. Allerdings ist laut Müller nicht auszuschließen, dass manch einer nicht verstehe, bei einem sich nähernden Einsatzfahrzeug lieber in die Mitte auszuweichen. Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer seien es gewohnt, gemäß der Straßenverkehrsordnung eher rechts heranzufahren. Ernst Müller kündigt an, dass sowohl stadteinwärts als auch stadtauswärts an markanten Stellen im Bereich der Breslauer Straße Hinweisschilder aufgestellt werden sollen. Auf diesen wird bildlich dargestellt, wie sich Verkehrsteilnehmer richtig verhalten sollten.
Einer Umsetzung sollte nichts mehr im Wege stehen. Die Stadtverwaltung hat Dr. Wolfgang Weisensee einen Entwurf für ein solches Hinweisschild zukommen lassen. Der Notarzt und die weiteren Beteiligten sind mit diesem einverstanden. Die Stadtverwaltung habe dabei ein Piktogramm, das er mit seinem Sohn entwickelt habe, aufgegriffen und verfeinert. „Ich finde es sehr gut, dass die Stadt so schnell reagiert hat“, sagt Dr. Wolfgang Weisensee. „Wir sollten es nun ausprobieren – vielleicht setzt es sich durch.“
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