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Eching: Letzte Bürgerversammlung markiert das Ende der Ära Siegfried Luge

Eching

In Eching endet die Ära Luge mit Bravo-Rufen und Ovationen

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    30 Jahre war Siegfried Luge Bürgermeister in Eching. Seine Frau Liane stand in dieser Zeit an seiner Seite.
    30 Jahre war Siegfried Luge Bürgermeister in Eching. Seine Frau Liane stand in dieser Zeit an seiner Seite. Foto: Gerald Modlinger

    Er sei ein Nachtmensch, sagte Bürgermeister Siegfried Luge, nachdem er schon gut zwei Stunden Bürgerversammlung gehalten hatte, aber kurz nach 22 Uhr beendete er dann doch seine 30. und letzte Bürgerversammlung. Irgendwann ist halt Schluss, wobei, nicht so ganz: Am 30. April wird er zwar die Leitung der Gemeinde an seinen Nachfolger Dr. Michael Smida übergeben, am 1. Mai beginnt jedoch die erste Wahlperiode des bald 83-Jährigen als Gemeinderat nach drei Jahrzehnten als Bürgermeister.

    Es war eine ganz besondere Bürgerversammlung: die erste im neu eröffneten Gasthof Eberhardt und die letzte der Ära Luge. Sie umfasste daher nicht nur den Rückblick auf das vergangene Jahr, sondern bot auch einen Schnelldurchlauf der vergangenen 30 Jahre.

    Siegfried Luge war ein hartnäckiger und weitsichtiger Macher

    Vieles hat sich in der Ära Luge in Eching getan. Aber der Bürgermeister erwähnte auch ein paar Dinge, die nicht oder nicht in dem von manchen erwünschten Maße gemacht wurden. Mit Genugtuung erinnerte er daran, als schon ein paar Wochen nach Amtsantritt das Landratsamt dazu erforderte, eine frühere Hausmülldeponie für über zwei Millionen Mark (damals eine Riesensumme) zu sanieren. Luge beeindruckte das wenig, und bis heute ist die Deponie nicht saniert, aber heutzutage wäre dafür die staatliche Gesellschaft GAB zuständig. Oder der Dauerbrenner Mücken: Auch da habe er sich irgendwann geweigert, Geld für weitere Gutachten auszugeben, die Voraussetzung für Bekämpfungsmaßnahmen seien.

    Luge war einer, der das Geld zusammenhielt, ansonsten aber erwies sich der energiegeladene Selfmade-Bauunternehmer oft als hartnäckiger und weitsichtiger Macher – und seien die Widerstände auch noch so groß. So gelang es in einem mehrjährigen Einsatz, dass die Kosten für die 2008 fertiggestellte Hochwasserfreilegung der Windach großenteils die Autobahndirektion trug. Für das nunmehr daraufhin hochwassersichere Windachfeld hatte Luge ehrgeizige Pläne: Gegen anfängliche Bedenken des Landratsamts wurde dort dann doch ein Einkaufszentrum mit einem Vollsortimenter als zentrales Element hochgezogen. Als der Investor nichts mehr von dem ebenfalls gewünschten Ärztehaus wissen wollte, stellte dieses die Gemeinde selbst hin und am Ende gelang es auch noch, 2014 eine Apotheke anzusiedeln.

    Auch in der letzten Wahlperiode hat sich einiges getan

    Ein weiteres Großprojekt, das Luge trotz Einwänden aus dem eigenen Dorf unbeirrt realisierte, war die 2007 eröffnete Sporthalle. Er erbrachte selbst einen erheblichen Teil der 17.000 Stunden Eigenleistung und arbeitete dabei auch, wie er erwähnte, einen Minibagger auf. An dieser Stelle räumte Luge aber auch ein, dass beim Bau die nicht unerheblichen Unterhaltskosten nicht so deutlich in den Blick genommen worden seien.

    Auch die letzte Wahlperiode war von großen Bauprojekten geprägt: Der Längenmoosgraben wurde hochwassersicher gemacht. 2024/25 wurde der von der Gemeinde gekaufte Gasthof Eberhardt an- und umgebaut sowie komplett modernisiert und parallel das seit Jahren geplante Begegnungszentrum in der früheren Schule realisiert, das vor wenigen Wochen eingeweiht wurde.

    Momentan ist die Gemeinde Eching hoch verschuldet, aber sie habe auch Kapital in Form von Bauland geschaffen, das derzeit westlich der Straße Am Hang erschlossen wird. Zeitnah wird durch Bauplatzverkäufe wieder Geld in die Kasse kommen, ebenso im Laufe der Jahrzehnte auch durch die Verpachtung des Gasthofs Eberhardt.

    Der dritte Blumenstrauß war für Liane Luge gedacht

    Als er 1995 überlegt habe, sich um das Bürgermeisteramt zu bewerben, habe er zu seiner Frau Liane gesagt, „ich mache es nur, wenn Du hinter mir stehst“. Und genau das habe sie 30 Jahre lang getan. Für sie war auch der dritte Blumenstrauß gedacht, den sie für die Bürgerversammlung im Auftrag der Gemeinde besorgt hatte. Die anderen hatte der Bürgermeister an die ausscheidenden Gemeinderätinnen Ulrike Trinks und Gisela Hackfort überreicht, während die vier ebenfalls verabschiedeten Gemeinderäte Johann Wimmer, Martin Rank, Florian Späth und Florian Gersbach jeweils eine Flasche Wein bekamen.

    Mit heiteren Worten und Blumen verabschiedete die Geschäftsstellenleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf, Sandra Meissner, den scheidenden Bürgermeister. Bei ihm treffe die Redewendung „Ein Mann, ein Wort“ in besonderer Weise zu, sagte sie. Die Verwaltung fürchte sich schon ein wenig vor der Arbeit, die Luge als Bürgermeister bislang immer selbst erledigt habe.

    Zum Schluss erinnerte Luge auch daran, dass es anfangs durchaus Vorbehalte gegen ihn gegeben habe, etwa wenn er als „starrsinniger Ideologe“ bezeichnet worden sei. Nun aber danke er den Echingern, dass sie einen solchen 30 Jahre ertragen hätten. Dass es mehr als ein Ertragen war, mit dem die Echinger Siegfried Luge begegneten, zeigten die Ovationen und „Bravo“-Rufe der rund 100 Besucher am Ende der Versammlung.

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