Zwischen bemalten Miniaturen, meterlangen Spieltischen und mittelalterlichem Gemäuer auf Schloss Kaltenberg enstand kürzlich eine eigene kleine Welt. Beim „Wicked Dice Tournament“ trafen sich 80 Spieler aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, um sich im Strategiespiel „Warhammer Age of Sigmar“ zu messen. Doch schnell wurde dabei klar: Es geht um weit mehr als nur um Siege und Punkte.
Das wird schon beim Betreten der Halle sichtbar. Aufwendig gestaltete Landschaften aus Burgruinen, Wäldern und Fantasy-Szenerien ziehen die Besucher sofort in ihren Bann. Ritterrüstungen, Hexenkostüme und mittelalterliche Dekorationen verschmelzen mit den detailreich bemalten Figuren auf den Spieltischen. Schloss Kaltenberg wirkt dabei nicht wie eine bloße Kulisse, vielmehr scheint es der perfekte Ort für dieses Fantasy-Spektakel zu sein.
„Wir wollten nie einfach nur ein Turnier in einer Turnhalle veranstalten“, erzählt Marvin Dankesreiter vom Organisationsteam. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern organisiert er das Event seit zwei Jahren. Die Idee: ein Tabletop-Turnier schaffen, das nicht nur gemeinsames Spielen bietet, sondern ein echtes Erlebnis. „Warum die Leute zu uns kommen, ist diese familiäre Atmosphäre gepaart mit dem Eintauchen in ein Mittelalter-Fantasy-Spektakel“, sagt Dankesreiter.
Die Szene rund um Tabletop-Spiele gilt vielerorts noch immer als Nische. Doch dieses Bild wollen die Veranstalter aufbrechen. Neben dem eigentlichen Turnier gab es erstmals einen offenen Spielebereich für Besucher. Dort erklärten Helfer Brett- und Tabletop-Spiele, Kinder und Erwachsene probierten Figuren aus oder ließen sich erste Regeln zeigen. Der Spielehändler Radaddel bietet zusätzlich einen kleinen Shop mit Spielen zum Testen und Kaufen an.
Die Organisatoren wollen die Leute vom Computer in die analoge Spielewelt locken
„Ganz wichtig ist den Veranstaltern: weg vom Computer, hin zu analogen Spielen“, betont Dankesreiter. Tabletop verbinde Strategie mit Kreativität. Die Figuren müssen gebaut, bemalt und gestaltet werden. Oft gemeinsam mit Familie oder Freunden. „Viele sitzen abends zusammen und malen Figuren an, statt im Fernsehen etwas zu schauen“, erzählt er.
Dass das Konzept funktioniert, zeigte die Resonanz. Obwohl das Turnier deutlich teurer ist als viele vergleichbare Veranstaltungen, waren die Tickets innerhalb von 20 Stunden ausverkauft. Für die Organisatoren ist das ein besonderer Erfolg. „Das positive Feedback war unser absolutes Highlight“, sagt Mitorganisator Alex Berghammer. Die größte Herausforderung sei dagegen gewesen, die Zeitpläne der Spieler während der insgesamt fünf Partien zu koordinieren, immerhin finden über die zwei Tage insgesamt fünf Spielrunden statt, die jeweils drei Stunden lang sind.
Auch unter den Teilnehmern war die Begeisterung spürbar. Simon Heberle aus Heidelberg ist gemeinsam mit Freunden angereist. Für ihn hebt sich „Wicked Dice“ deutlich von anderen Turnieren ab. „Die Location ist unschlagbar“, sagt er. Besonders beeindruckte ihn, wie konsequent das gesamte Konzept durchgezogen werde. „Hier merkt man einfach, dass die Organisatoren richtig Bock darauf haben.“ Heberle schätzt vor allem die Vielseitigkeit des Hobbys. „Es ist einfach mehr als nur ein Spiel“, erklärt er. Gerade Neueinsteigern empfiehlt er, klein anzufangen: erst eine Figur bemalen und langsam in die Welt eintauchen.
Die Teilnehmer diskutieren über knappe Siege und misslungene Würfel
Während an den Tischen die Würfel rollen und Strategien diskutiert wurden, schlenderten Besucher neugierig zwischen den Spielplatten hindurch und bestaunten Drachen- und Monsterfiguren. Als am Abend beim Ritteressen über bemalte Armeen, knappe Siege und misslungene Würfe gesprochen wurde, wirkte es fast so, als hätte Schloss Kaltenberg für ein Wochenende seine eigene kleine Fantasywelt bekommen.
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