Am Landsberger Hauptplatz versammelten sich rund 40 Menschen, um im Rahmen des globalen Frauengeneralstreiks „Enough!“ ein Zeichen zu setzen. „Wir haben uns tatsächlich total spontan entschieden dort mitzumachen, also erst vor zwei Wochen,“ sagt Mitorganisatorin Bettina Sunder-Plassmann. Der Ort vor dem Rathaus wurde bewusst gewählt, als Zentrum, um die Menschen im gesamten Landkreis anzusprechen. Und „das Rathaus ist eben auch ein Ort der politischen Veränderung“, so Liliana Lüttgens, die, wie viele Frauen, ein Schild zum Generalstreik mitgebracht hatte.
Die Demonstrantinnen und auch Demonstranten, drei, vier Männer sind auch dabei, haben zwei große Anliegen. Zum einen geht es um die tägliche, oft unsichtbare Fürsorgearbeit und Hausarbeit. Sunder-Plassmann erklärte, dass an diesem Tag bewusst auf diese sogenannte „Care-Arbeit“ verzichtet werde. Kein Frühstück machen, nicht kochen, nicht putzen und so weiter. Diese Frustration über die ungleiche Verteilung von mentaler und physischer Last, auch beim Pflegen von Angehörigen, war bei Lilliana Lüttgens deutlich spürbar. „Das ist immer die Aufgabe der Frau.“ Ihrer Meinung nach rufen die Schulen stets zuerst bei der Mutter an, wenn es dem Kind schlecht geht, die Arztpraxis rufe die Frau an, wenn es eine neue Verordnung oder Therapie gebe, und die Behörden schreiben der Mutter, wenn der Schwerbehindertenausweis wieder ausläuft.
Aktion in Landsberg: Das Mobbing im Berufsleben beenden
Die Forderungen gingen jedoch weit darüber hinaus. Es ging auch um das Aufbrechen weltweiter struktureller Benachteiligungen: Von der „Gender Pay Gap“ über Mobbing im Berufsleben bis hin zu ständigem Absprechen von Kompetenzen. „Man wird nicht gehört, nicht wahrgenommen. ‚Werd mal nicht hysterisch‘ bekommt man dann zu hören“, sagt Lüttgens. Diese Strukturen seien auch tief in der regionalen Politik verankert, so Sunder-Plassmann. Sie erzählt von einem Beispiel in Windach: wie schwer es für viele Parteien gewesen sei, Frauen auf aussichtsreiche Listenplätze zu bringen, da männliche Kandidaten auf den Versammlungen so „massiv“ aufgetreten seien und die vorderen Plätze blockiert hätten.
Unterstützt wurde der Streik unter anderem auch von der Initiative Frauenhaus in Landsberg und dem lokalen Ableger der „Omas for Future“. Carola Brummer und Antje Heinrich machten deutlich, wie stark Gleichberechtigung und Klimaschutz verwoben seien. Der globale Anstieg der Temperatur werde ihrer Ansicht nach weiterhin maßgeblich durch männlich geführte Unternehmen und Lobbys vorangebracht. Auf einer kleinen Tafel, auf der Zettel aufgeklebt werden, schreibt Brummer: „Ich habe genug von Männern, die die Welt verbrennen.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren