Mit einem Dreier-Team werde die Rathausspitze in Geltendorf besser aufgestellt sein: So begründete Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP) in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats, warum es in der neuen Wahlperiode nicht nur wie bisher eine Zweite Bürgermeisterin, sondern auch einen Dritten Bürgermeister geben soll. Mit 15:5 Stimmen folgte ihm das Gremium in dieser Einschätzung. Die Wahl der Stellvertreter Sedlmayrs folgte anschließend mit ähnlich eindeutigen Mehrheiten.
Sedlmayr führte für einen Dritten Bürgermeister auch die große „Inanspruchnahme“ des Bürgermeisteramts ins Feld. Er werde in den nächsten Jahren - unter anderem mit Blick auf Veranstaltungen oder Grundstücksverhandlungen - mehr delegieren, kündigte er an, „auch, weil ich nicht mehr der Jüngste bin“, meinte der 59-Jährige.
Johanna Rill (CSU) setzt sich klar gegen Benjamin Bossone (Freie Wähler) durch
Nachdem die bisherige Zweite Bürgermeisterin Marion Wisura (CSU) nicht mehr für den Gemeinderat kandidiert hatte, schlug Sedlmayr als neue Zweite Bürgermeisterin deren Parteikollegin Johanna Rill vor, eine, wie er sagte, „langjährige und versierte Gemeinderätin aus Wabern“. Ihre Sachkenntnis und Zusammenarbeit mit der Amtsleitung empfehle sie für dieses Amt. Rill gehört dem Gemeinderat seit zwölf Jahren an, als verbeamtete Bauingenieurin arbeitet sie im Bau- und Verkehrsministerium in München.
Die Freien Wähler Geltendorf vereint, die nach der ÖDP mit vier Gemeinderäten die zweitstärkste Fraktion bilden, schlugen Benjamin Bossone vor. Er habe das zweitbeste Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl und sei mit der höchsten Stimmenzahl in den Gemeinderat gewählt worden. Außerdem repräsentiere Bossone, der als Diplom-Verwaltungswirt im Bundesamt für Logistik und Mobilität tätig sei, den zweitgrößten Gemeindeteil Walleshausen, warb Florian Lichtenstern für seinen Fraktionskollegen. Über die eigene Fraktion hinaus konnte er aber offenbar niemanden am Ratstisch davon überzeugen. Die schriftlich-geheime Wahl ergab 16 Stimmen für Rill und vier für Bossone.
Ein Stromnetzplaner ist der Dritte Bürgermeister in Geltendorf
Noch klarer ging die Wahl des Dritten Bürgermeisters aus. Dafür schlug Bürgermeister Sedlmayr den erstmals gewählten ÖDP-Gemeinderat Christian Gutzmann vor. Der seit 2009 in Geltendorf lebende Stromnetzplaner würde technische Kompetenz in das Bürgermeisterteam einbringen, sagte Sedlmayr. Auf Gutzmann entfielen 17 Stimmen, je eine auf Bertram Böhm (Bürgerforum), Benjamin Bossone und Claudius Mastaller (Unabhängige Bürger). Bossones Vorschlag, jemanden aus Kaltenberg zum Dritten Bürgermeister zu machen, konkret meinte er Dr. Michael Müller (CSU), war zuvor ins Leere gegangen, als dieser mit Kopfschütteln reagierte.
Anschließend benannten die Fraktionen ihre Vertreter in den sechs Fachausschüssen und in der Hochbaukommission und es wurden die Referenten für Jugend, Sport und Vereine (Sebastian Schuster, ÖDP), Senioren, Soziales und Partnerschaft (Lucia Häfele, ÖDP, und Dr. Wilfried Pinther, Grüne), Umwelt und Energie (Franz Schröttle, ÖDP), Medien und IT (Bertram Böhm, Bürgerforum), Gewerbe (Marcus Prause, Freie Wähler) und Schule (Dr. Michael Müller, CSU) bestimmt. Das Referat Kindergarten wurde zurückgestellt, die dafür vorgeschlagene Referentin Lara Friederichs (Grüne) wollte erst noch den damit verbundenen Arbeitsaufwand geklärt wissen.
Die Referenten erhalten für ihre Tätigkeit eine Jahrespauschale von 150 Euro, die Gemeinderatsmitglieder Sitzungsgeld in Höhe von 40 Euro (Gemeinderat) und 30 Euro (Ausschüsse) sowie eine EDV-Pauschale, weil Unterlagen nur noch digital verbreitet werden. Überlegungen, die Entschädigungen aufgrund des Sparzwangs der Gemeinde abzusenken, fanden somit keine Mehrheit.
Freie Wähler kündigen mehrere Anträge zum Inhalt der Geschäftsordnung an
Eine neue Geschäftsordnung wird der Gemeinderat erst in der nächsten Sitzung beschließen. Hierzu kündigten die Freien Wähler bereits einige Vorschläge an. So sollten Gemeinderatssitzungen gestreamt werden, die Fachreferenten halbjährlich über ihre Tätigkeiten berichten und Ladungen zu Sitzungen und die dazugehörigen Unterlagen verbindlich zehn Werktage vor dem jeweiligen Termin vorliegen.
Zu Beginn der Sitzung wurden die neun neuen Gemeinderatsmitglieder vereidigt. Der insgesamt 20-köpfige Gemeinderat setzt sich aus sieben Parteien und Wählergruppen zusammen: ÖDP (fünf Sitze plus Bürgermeister), Freie Wähler Geltendorf vereint (vier), CSU und Grüne (jeweils drei), Unabhängige Bürger und Bürgerforum (jeweils zwei) und SPD (ein Sitz).
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