Der Eingang zum Waldrestaurant Zollhaus bei Scheuring. Die bekannte Gaststätte steht derzeit leer.Foto: Thorsten Jordan
In den Blumenkästen vor dem Eingang blüht es. Dabei steht das „Waldrestaurant Zollhaus“ südlich von Scheuring schon seit einigen Jahren leer. Im Jahr 2019 ging das Wirts-Ehepaar Monika und Egon Wille in den Ruhestand und bewohnte es bis zum Tod. Jetzt kümmert sich die Tochter um das Anwesen und pflegt es. Auf der Internetseite war damals zu lesen: „In absehbarer Zeit wird sich im Zollhaus wieder etwas tun. Lassen Sie sich überraschen!“ Danach wurde es jedoch still um die beliebte Gaststätte direkt am Lechufer. Unsere Redaktion hat recherchiert, was mit Gebäude und Areal passieren soll.
Im ehemaligen Biergarten vor dem Gasthaus steht ein großes Werbebanner. Die ProMus Unternehmensgruppe aus Gersthofen wirbt dort für sich. Auf ihrer Internetseite bezeichnet sie sich als „kompetenten Partner rund um Immobilien“. Im Falle des Zollhauses tritt ProMus als Makler für die Eigentümerseite auf. Ansprechpartner ist Tobias Wagner. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er, dass es bereits Gespräche mit Interessenten gegeben habe, die das Objekt erwerben wollen. Einen unterschriftsreifen notariellen Vertrag gebe es aber bisher nicht.
Zollhaus bei Scheuring: Eine Immobilie mit außergewöhnlichem Potenzial
Im Internet wird das Objekt als Immobilie mit außergewöhnlichem Potenzial für ein neues gastronomisches Konzept beworben. Mit gezielten Renovierungsmaßnahmen und einer zeitgemäßen Neuausrichtung lasse sich neues Leben einhauchen und an seine frühere Bedeutung anknüpfen. Tatsächlich war das Waldrestaurant Zollhaus lange Jahre äußerst beliebt. 50 Jahre waren Monika und Egon Wille die Wirtsleute. Das Gasthaus wurde im Jahr 1968 erbaut. Die Einweihung war im Dezember 1969. Das Gasthaus sollte zum Zentrum eines Naherholungsgebiets mit Kinderspielplatz und Wanderwegen werden. Lange Jahre wurde das Ausflugslokal diesem Anspruch gerecht. Das Ehepaar Monika und Egon Wille war ein halbes Jahrhundert für seine Gäste da. Im Jahr 2019 endete diese Gastwirts-Ära. Egon Wille verstarb im Juni 2025, seine Frau Monika im Januar 2026.
Das Waldrestaurant Zollhaus bei Scheuring liegt direkt an einer Staatsstraße.Foto: Thorsten Jordan
Jetzt soll eine neue Ära beginnen. Künftige Gastwirte könnten unter anderem einen Gastraum mit einer Fläche von rund 500 Quadratmetern und Platz für rund 155 Sitzplätze nutzen. Direkt vor dem Gasthaus befindet sich eine weitläufige Außenfläche, auf der Rückseite zudem ein Biergarten mit Kiosk. Im Obergeschoss gibt es laut Maklerbericht mehrere Schlafzimmer sowie eine separate Betriebsleiterwohnung. Das Gebäude sei vollständig unterkellert, Platz für Lager- und Stauraum vorhanden. Zudem gibt es zahlreiche Parkmöglichkeiten.
Bis 1965 wurde am Zollhaus bei Scheuring mithilfe einer Schranke Zoll erhoben.
Das historische Gebäude diente ursprünglich als Zollhaus an der ehemaligen Grenze zwischen den Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern. Bereits im Jahr 1855 war von privater Hand eine Eisenbrücke über den Lech errichtet worden, nach der Sprengung gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurde sie durch eine Holzbrücke ersetzt. Bis 1965 wurde am Zollhaus mithilfe einer Schranke Zoll erhoben. Der Brückenzoll betrug zehn Pfennig. Die Landkreise Landsberg und Schwabmünchen, der Freistaat Bayern und das Verteidigungsministerium errichteten 1965/66 eine neue Brücke, für die kein Zoll mehr erhoben wurde. Im Jahr 2005 wurde die Brücke, über die die Staatsstraße 2027 führt, schließlich erneut komplett neu gebaut.
Das 1968 neu errichtete Gebäude wurde mehr als fünf Jahrzehnte gastronomisch genutzt. Die Immobilie war laut ProMus bis Mitte der 2010er-Jahre eine äußerst bekannte und gut besuchte Transit-, Ausflugs- und Kultgastronomie. Die Lage am Lech, die Nähe zur Lechstaustufe und einem Naherholungsgebiet, die gute Verkehrsanbindung und die beliebten Wander- und Radwege, die daran vorbeiführen, werden als positive Faktoren genannt. Über den Kaufpreis macht ProMus keine Angaben. „Auf Anfrage“ ist im Internet dazu zu lesen.
Die Rückseite der Immobilie am Zollhaus bei Scheuring.Foto: Thorsten Jordan
Interesse an der Immobilie hat auch die Gemeinde Scheuring, auf deren Flur das Areal liegt. Bürgermeister Konrad Maisterl macht gegenüber unserer Redaktion keinen Hehl daraus, dass er das Gasthaus gerne erwerben würde. Allerdings sei dies angesichts der aktuellen finanziellen Lage nicht darstellbar. Zumal neben dem Kaufpreis auch die Kosten für die Renovierung zu betrachten seien. Und so werden die zahlreichen Parkplätze wohl auch weiterhin erst einmal nur von Radfahrern und Wanderern sowie von den Besuchern des Ponyreitens des Scheuringer Pferdehofs Maisterl (bei schönem Wetter immer samstags und sonntags) genutzt, und nicht von Restaurantbesuchern.
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