Tobias Starkmann (49), Gebhard Schorer (33), Johannes Schorer (30) und Martin Müller (34) sitzen im Vereinsheim des SV Hurlach zusammen. Ihr fünfter Mitreisender, Maximilian Keil (31), muss an diesem Abend arbeiten und fehlt beim Treffen. Die Freunde aus Hurlach verbindet die Leidenschaft für Fußball. Teilweise seit zwölf Jahren verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: einmal eine Weltmeisterschaft live vor Ort zu erleben. In wenigen Wochen wird dieser Traum wahr, auch wenn bislang noch kein Ticket für ein Deutschland-Spiel in ihren Händen ist.
Die Idee entstand bereits während der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Damals verfolgten die Freunde begeistert die Reiseberichte anderer Hurlacher aus ihrem Bekanntenkreis, die vor Ort dabei waren. Das legendäre 7:1 gegen Brasilien und der spätere Titelgewinn gegen Argentinien machten Lust auf mehr. Schnell war klar: Irgendwann wollen sie selbst eine Europa- oder Weltmeisterschaft live erleben.
Hurlacher Fußballfans verschieben Reisepläne mehrfach
Gesagt, getan: Ein gemeinsames Sparkonto wurde eingerichtet. Doch immer wieder kam etwas dazwischen. Für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich waren die Hurlacher schon bereit. Nach den Anschlägen von Paris und später in Nizza entschieden sie sich jedoch gegen die Reise. Auch die WM 2018 in Russland kam für die Gruppe aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Danach folgten die Corona-Pandemie und die von vielen kritisch betrachtete Winter-WM in Katar. Die Reisepläne wanderten erneut in die Schublade.
Nun soll es endlich klappen. In den vergangenen zwölf Jahren hat sich allerdings einiges verändert. Aus Studenten und Junggesellen wurden Angestellte, Selbstständige und Familienväter. Die Verantwortung wurde größer, der Alltag voller. Trotzdem hielten die Freunde an ihrem Plan fest. „Mit viel Kommunikation haben wir es möglich gemacht“, sagen sie. Schließlich mussten nicht nur Arbeitgeber überzeugt, sondern auch Familien und Partnerinnen eingebunden werden.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch der Weg ins Stadion. Trotz DFB-Mitgliedschaften und gesammelter Punkte bei Länderspielen und anderen Veranstaltungen gingen die Hurlacher bei der bisherigen Ticketvergabe leer aus. „Wir haben uns alle beworben und bislang kein Ticket für die Gruppenspiele bekommen“, berichtet Martin Müller. Immerhin besitzt er bereits ein Ticket für das Halbfinale, allerdings nur, falls Deutschland die Runde erreicht. Austragungsort wäre Dallas oder Atlanta. Kostenpunkt: rund 800 Euro. Ganz aufgegeben haben die Freunde die Hoffnung aber nicht. Sie wollen den offiziellen Zweitmarkt beobachten und gegebenenfalls auch vor Ort nach Möglichkeiten suchen. „Vielleicht können wir noch Tickets bekommen. Aber wir haben ein preisliches Limit“, betont Gebhard Schorer.
Die Reiseplanung hatte es ohnehin in sich. Zunächst gingen die Freunde davon aus, dass die deutschen Gruppenspiele an der US-Westküste stattfinden würden. Entsprechend war die Route geplant. Johannes Schorer zeigt auf einen Reiseführer für San Francisco. „Der ist jetzt überflüssig“, sagt er. Statt an die Westküste geht es an die Ostküste und in die Südstaaten. Ein wenig ärgerlich sei das schon gewesen. Pragmatismus gehört für die fünf Freunde aber ohnehin dazu. Wenn weniger Fußball möglich ist, bleibt eben mehr Zeit für Urlaub.
Am 22. Juni beginnt die Reise im Großraum New York. Dort findet auch das letzte Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador statt. Anschließend wollen die Hurlacher mit einem großen Wohnmobil rund 18 Tage durch die USA reisen. Die Route führt unter anderem zu den Niagarafällen, nach Philadelphia und Atlanta. „Es wäre ohnehin unrealistisch gewesen, jedes Spiel zu besuchen“, sagt Müller.
Hurlacher freuen sich auf Zusammentreffen mit anderen Fußballbegeisterten
Der Fußball bleibt zwar der Anlass der Reise, doch mittlerweile stehen Natur, Land und Leute mindestens genauso im Mittelpunkt. Städte interessieren die Freunde weniger als Landschaften und Begegnungen mit anderen Fans. Genau darin liegt für die Freunde einer der größten Reize solcher Turniere. Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft 2023 in Finnland lernte Müller etwa einen Fan kennen. Aus der Begegnung entstand eine Freundschaft, die bis heute hält. „Wir treffen uns einmal im Jahr“, erzählt er.
Doch zurück in die Staaten: Mit im Gepäck sind SV-Hurlach-Badehose, Fanschals und natürlich Deutschland-Trikots. Von der „Wunder von Bern“-Variante über den 1990er-WM-Siegestaumel bis zum Sommermärchen 2026 ist dann bei den Hurlachern alles vertreten. Und sportlich zeigen sich die Freunde optimistisch: Dass Deutschland die Gruppenphase übersteht, daran zweifelt in der Runde niemand.
Nach drei Wochen trennen sich die Wege. Drei fliegen nach Las Vegas. Zum einen wollten dort alle einmal hin, zum anderen gibt es von der Glücksspielmetropole vergleichsweise günstige Direktflüge zurück nach Deutschland. Martin Müller und Maximilian Keil hängen noch einige Tage dran. Mit dem Mietwagen fahren sie weiter nach Nashville, bevor sie nach viereinhalb Wochen die Heimreise antreten.
Und was ist mit möglichem Lagerkoller? Die Sorge haben die fünf nicht. Schließlich kennen sie sich seit ihrer Zeit in der Fußballjugend des SV Hurlach. Tobias Starkmann, der etwa 15 Jahre älter ist als seine Mitreisenden, trainierte die Jüngeren in der Jugend und später in der Herrenmannschaft.
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