Wer ein Stück Grün besitzt, trägt Verantwortung. Je mehr versiegelt wird durch Straßen, Häuser und Gewerbehallen, desto mehr ziehen Wildtiere in Gärten, Park- und Gartenanlagen sowie auf Friedhöfe. So auch der Igel. Früher fand er auf dem Land Lebensraum in Gehölzen, Gebüschen und auf artenreichen Wiesen. Heute ist der Igel ein Mitbewohner in Stadt und Dorf und lebt in unmittelbarer Nähe der Menschen, oft unbemerkt. Denn Igel sind äußerst kreativ dabei, einen Platz für ein Nickerchen tagsüber oder für den Winterschlaf zu finden.
Ein Gebüsch am Zaun oder an der Hauswand, eine eilig an die Wand gelehnte und dort vergessene Abdeckplatte. Eine umgedrehte Grillschale, eine Lücke am Boden der Holzlege, durch die sie trockenes Laub ziehen und innen verdichten, indem sie sich mit ihrem Stachelkleid hin und her rollen. Eine mit Ranken überwucherte Ecke im Garten, ein Haufen aus Ästen und Laub. Erfüllt sich seine Idealvorstellung von einem Schlafplatz nicht, ist der Igel mit weniger zufrieden. Hauptsache, er kann sich verkriechen, etwa hinter der Regen- oder Mülltonne oder in geschützten Erdmulden.
Gerade im Sommer sind schattige Verstecke und Wasserstellen wichtig
Das ideale Winterquartier besteht aus einem Haufen aus Steinen, darüber totem Holz, Reisig und Laub. Auch ein Igelhaus wird gern angenommen. Wer Tieren einen dauerhaften Platz bieten möchte, kann den Reisighaufen mit einer Basis aus Feldsteinen versehen. Gerade bei Sommertemperaturen sind schattige Verstecke und Wasserstellen wichtig.
Gibt es einen solchen Igel-Traumgarten im Kreis Landsberg? Unsere Redaktion ist bei Josef Maschka in Scheuring fündig geworden. Ein Igelquartier reiht sich an das andere, nach dem zehnten hört das Zählen auf und das Staunen beginnt über so viel Igel-Liebe. Teilweise dient als Igelschlafplatz eine schräg gestellte Platte, vollständig von Efeu überwuchert unter einer Hecke. Luxuriös sind dagegen die „Zweizimmer-Wohnungen“, niedrige Holzhäuschen mit zwei Kammern. Durch das ausgesägte Loch kann der Igel hinein, vom Eingangsbereich biegt er dann rechts ab in die Schlafkammer. Das Igelhaus steht auf Steinplatten, damit es nicht so schnell verrottet. Es hat keinen Boden. Josef Maschka knetet Stroh weich und legt zusammen mit trockenem Moos und Laub das Häuschen aus. „Aber nur eine Grundlage, der Igel will auch selber bauen“, sagt er.
Sträucher, Gebüsche und ein „geordnetes Durcheinander“
Stroh sei besser geeignet als Heu, da es nicht so schnell schimmelt, wenn es feucht wird. Auch in den zahlreichen Holzlegen finden Igel Unterschlupf. Maschka hat im Grundstock Bretter hohl gelegt, so ergeben sich im Inneren große Hohlräume, die gut angenommen werden, wie man an den Laufspuren sieht. Wo Schlagregen oder zu viel Sonne auf die Unterkünfte trifft, stellt er ein Brett schräg am Eingang. Alljährlich, meist Anfang Mai, wenn die kalten Tage vorbei sind, reinigt Maschka die Unterkünfte und gibt frisches Stroh und Laub hinein. Viel trockenes Laub finden die Igel zudem rund um die Holzlegen.
Maschka füttert die Igel ganzjährig mit Igel-Trockenfutter, eine gehäufte Schale täglich. „Der Futterplatz muss jeden Tag gereinigt und mit frischem Wasser versehen werden.“ Das sei wichtig, damit kein Schimmel entstehe und das Futter keine Mäuse anziehe. Das Futterhaus besteht aus zwei Wänden aus Steinen mit einer Platte als Abdeckung darüber, gerade so hoch, dass Platz für einen Igel ist. Im September, wenn es Nachwuchs bei den Igeln gibt, stellt Maschka ein weiteres Futterhaus auf. Idealen Lebensraum für Igel bilden die vielen Sträucher, Gebüsche und Bepflanzungen sowie ein gewisses „geordnetes Durcheinander“ im Garten.
Bei den Maschkas schrumpft der Bestand an Igeln
Man sieht ihm an, dass er genutzt wird, zum Gärtnern, Erholen, für Bienenstöcke oder als Kulisse für die Kunstwerke von Waltraud Maschka. Den Lebensraum Garten teilen sich hier Mensch und Tier im wohligen Miteinander. Man erfreut sich aneinander. An allen das Grundstück umgebenden Maschendrahtzäunen gibt es Lücken, durch die die Igel in Nachbargrundstücke schlüpfen können. Nur an einer Seite durch eine neue Zaunanlage bei einem Neubau nicht mehr. Der hohe Betonsockel gewährt kein Durchkommen mehr, die geschlossene Sichtschutzwand tut ihr Übriges. Zahlreiche Bäume und Grünflächen sind durch Nachverdichtung in letzter Zeit rund um die grüne Insel der Maschkas verschwunden und mit ihnen viele Igel. Der Bestand, der regelmäßig gesichtet wurde, ist von bis zu vierzehn auf fünf geschrumpft.
Der Garten der Maschkas in Scheuring zeigt, was Gartenbesitzer für den Erhalt der Igel tun können. Gefragt sind aber auch die Kommunen und Verwaltungen von Parks und öffentlichen Grünanlagen. Strauchschnitt und Laub unter den Hecken belassen, das wäre ein Anfang. Kein Mähen nachts oder am Abend. Und auch in der Gesellschaft ist mehr Toleranz gefragt, denn ein ordentlich aufgeräumter Park widerspricht der Natur.
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