Können Sie sich noch an Ihre erste Amtshandlung, vermutlich am 1. Mai 2014, erinnern?
THOMAS EICHINGER: Meine erste Erinnerung als Landrat war beim Maibaum-Aufstellen am Ammersee zuzuschauen. Das war ein guter Start – mitten unter den Leuten.
Ihre Amtszeit war von Krisen geprägt: Flüchtlingskrise, Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg. Was war in diesen Phasen Ihre größte Sorge?
EICHINGER: Die Flüchtlingskrise und Corona hatten die stärksten Auswirkungen. Meine größte Sorge war dabei, ob wir als Gesellschaft zusammenhalten – oder ob die Überforderung die Menschen auseinandertreibt.
Was war die größte Herausforderung?
EICHINGER: Die Corona-Pandemie, die ja in Deutschland in unserem Landkreis begonnen hat, war organisatorisch das Schwerste. Wir mussten teilweise innerhalb von Tagen Strukturen aufbauen – Testzentrum, Impfzentrum, Infektionsnachverfolgung – für die es keine Vorlage gab. Das hat die Verwaltung enorm gefordert, aber auch gezeigt, was sie leisten kann, wenn alle an einem Strang ziehen.
Welchen Handlungsspielraum hatten Sie als Landrat?
EICHINGER: Ein Landrat ist kein Regent. Vieles ist Vollzug von Bundes- und Landesrecht. Aber trotzdem gibt es mehr Gestaltungsspielraum, als man von außen meint: in der Prioritätensetzung, im Tempo, im Herangehen; wie man die vorhandenen Kräfte einsetzt und wie man in Krisen kommuniziert. Da halfen beim Asyl die Bürgerversammlungen zu den Unterbringungen vor Ort und bei Corona die Social-Media-Videos für die zeitnahe Information der Bürgerinnen und Bürger.
In welchen Bereichen konnten Sie als Landrat kreativ gestalten?
EICHINGER: Dafür gab es in den Jahren viele schöne Möglichkeiten: das TTZ mit der TH Augsburg, die Gewinnung von Pflegefachkräften aus dem Kosovo, das Pilotprojekt zur Quartierspflege, der Neubau des Bads in Greifenberg, die Gründung des IT-Verbunds, das Feuerwehrausbildungszentrum, der Einstieg in den MVV oder die Ausrichtung des Klinikums. Da gab es viele Entscheidungen, die konkrete Verbesserungen bewirken konnten.
Was ist das Besondere am Landkreis Landsberg?
EICHINGER: Besonders stolz war ich immer auf die vielen Ehrenamtlichen im Landkreis. Wir sind kein Pendlerlandkreis für München, sondern haben einen eigenen Charakter. Und wir haben eine Zivilgesellschaft, auf die man sich verlassen kann.
Was werden Sie vermissen?
EICHINGER: Als Landrat sieht man schnell, was eine Entscheidung bewirkt – manchmal schon am nächsten Tag. Diese unmittelbare Wirksamkeit ist ein besonderer Vorteil des Amtes. Und ich werde die Menschen vermissen: die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung, die Bürgermeister, die Ehrenamtlichen. Da sind über die Jahre viele gute Beziehungen entstanden.
In die Zukunft geblickt: War die Erweiterung und Modernisierung des Klinikums Ihr wichtigstes Projekt?
EICHINGER: Ja, der Ausbau des Klinikums zum Gesundheits-Campus ist vermutlich das wichtigste Projekt, das wir auf den Weg gebracht haben. Ich freue mich, dass uns nicht nur der Erhalt des Standorts, sondern auch sein Ausbau ermöglicht wird.
Was war Ihre wichtigste Entscheidung?
EICHINGER: Der Einstieg in den MVV. Das war kein einfacher Weg – politisch, finanziell und strukturell. Aber er wird den Landkreis dauerhaft verändern: Mobilität ist eine Grundfrage der Lebensqualität, und wir haben ihr mit dem Beitritt eine neue Richtung gegeben.
Was war Ihre schwierigste Entscheidung?
EICHINGER: Das waren Entscheidungen, die Menschen direkt betrafen und bei denen es keine richtige Lösung gibt – zum Beispiel in der Flüchtlingsunterbringung, wenn Kapazitäten fehlen und jede Lösung Konflikte erzeugt, oder bei Personalentscheidungen. Da trägt man die Last allein.
Welche Entscheidung würden Sie heute anders treffen?
EICHINGER: Beim Planen eines Verwaltungsgebäudes würde ich auf kleinere Lösungen abstellen und keinen großen Wurf mehr versuchen. Nicht weil das Projekt falsch war – ich stehe zur Notwendigkeit, moderne Verwaltungsräume zu schaffen – sondern weil die Kostensteigerungen und die Dimension des Gebäudes viel Vertrauen gekostet haben.
Wie sieht Ihr letzter Tag im Amt aus (30. April)?
EICHINGER: Ich werde mich bei denen verabschieden, die in den vergangenen Jahren meinen Weg mitgegangen sind. Dann werde ich meine persönlichen Dinge aus dem Büro mitnehmen und am Nachmittag gibt es die Veranstaltung zur Verabschiedung der Kreistagsmitglieder und Bürgermeister.
Sie haben im Laufe ihrer Amtszeit sicherlich viele Geschenke bekommen. Gibt es etwas, das in Erinnerung geblieben ist?
EICHINGER: Tatsächlich gibt es nicht so viele, da durch die Compliance-Regeln Geschenke deutlich weniger wurden. Meistens waren es dann einzelne Weinflaschen. Die schöneren Geschenke waren aber handgeschriebene Briefe von Bürgerinnen und Bürgern, die sich zu einer ganz konkreten Situation gemeldet haben.
Sie sind in den Kreistag gewählt worden. Werden Sie dieses Amt antreten?
EICHINGER: Ja. Ich bin demokratisch gewählt worden, und ich arbeite seit 1996 im Kreistag mit. Die Arbeit im Kreistag ist eine andere als die des Landrats – aber ich glaube, ich kann noch gelegentlich konstruktiv etwas beitragen.
Bleiben Sie darüber hinaus politisch aktiv?
EICHINGER: Die Politik auf Landkreisebene war für mich immer Gestaltung aus Liebe zur Heimat. Zudem gibt mir die Mitarbeit im Bezirkstag auch weiter die Möglichkeit, mich für die Menschen im Landkreis einzusetzen. Das möchte ich gern auch in Zukunft machen, weil auch hier herausfordernde Zeiten bevorstehen.
Haben Sie schon Pläne für die Zukunft? Wenn ja, welche?
EICHINGER: Ich möchte meine Erfahrungen der vergangenen zwölf Jahre und meine Netzwerke natürlich auch zukünftig nutzen und prüfe dazu gerade verschiedene Möglichkeiten. Ich bin froh, noch einmal die Gelegenheit zu bekommen, ohne den Druck des öffentlichen Amtes meine Fähigkeiten beruflich einzusetzen und dabei zukünftig auch wieder mehr Privatleben zu haben.
Zur Person
Thomas Eichinger (CSU) wuchs in Schondorf auf. 1996 wurde er in den Gemeinderat und den Kreistag gewählt. Seit 2014 war der heute 52-jährige Landrat im Landkreis Landsberg. Bei der Kommunalwahl 2026 unterlag er in der Stichwahl Daniela Groß (Grüne). (wu)
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