Ein Leben ohne Musik kann sich Fabian Exter nicht vorstellen. „Die ersten Akkorde auf der Elektroorgel meiner Eltern habe ich schon gespielt, bevor ich laufen konnte“, sagt der Issinger und schmunzelt. Kein Wunder also, dass er seine Leidenschaft zum Job machte. Eine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung zwang ihn, sich beruflich neu aufzustellen. Er erzählt, wie er damit umgeht, wer seine Kunden sind und warum er besonders stolz auf die Entscheidung eines jamaikanischen Künstlers ist.
„Ein Ohrenarzt hat mir bescheinigt, dass ich ein extrem gutes Gehör habe“, sagt Exter. Der in Utting aufgewachsen ist und die Realschule in Schondorf besucht hat. „Ich habe dann zeitnah meinen Zivildienst absolviert und mich anschließend mit 20 Jahren selbstständig gemacht.“
Die meisten Musiker, mit denen er zusammenarbeitet, sind Profis, meist aus dem Bereich Rock, Pop und Jazz, vereinzelt auch Oper und Metal. Teils kommen auch Privatpersonen zu ihm. „Die Musikrichtung ist für mich zweitrangig. Es geht darum, das Hörerlebnis herauszukitzeln und dass die Chemie miteinander stimmt. Ich konzentriere mich auf die Töne und Frequenzen und versuche, die Emotionen in den Liedern zu spüren“, sagt Fabian Exter. Bis hinunter zu Tonfrequenzen von 15 Hertz müsse er teils in seiner Arbeit. 16 bis 20 Hertz gelten gemeinhin als untere Grenze des menschlichen Hörbereichs. Exter hat sich auf das sogenannte Mastering spezialisiert, den letzten Feinschliff bei Musikalben. Er bessert beispielsweise nach, wenn gewisse Frequenzen zu sehr herausstechen.
Dass er sich diesem Aufgabenbereich intensiv widmet, hat auch mit einer neurologischen Erkrankung zu tun, die ihn seit dem Jahr 2017 einschränkt. Er sei damals von einem zum anderen Facharzt geschickt worden, bis übers Ausschlussverfahren schließlich die Diagnose gestellt worden sei. „Ich habe noch eine tendenziell moderatere Form von ME/CFS. Ich bin schneller erschöpft als andere Menschen. Der Weg zur Diagnose war anstrengend, weil fast kein Arzt die Krankheit kannte. Das hat sich in den vergangenen Jahren erst durch die steigenden Fallzahlen nach Covidinfektionen geändert.“
Telefonieren ist für den Tontechniker „der Horror“
Der Vorteil bei seiner jetzigen Arbeit sei, dass er sich die Zeit deutlich besser selbst einteilen könne als früher. Da arbeitete er viel in anderen Tonstudios und als Tontechniker auf Veranstaltungen. Überraschend ist auf den ersten Blick auch, dass er einen Beruf ausübt, bei dem er sehr genau hinhören muss und gleichzeitig sagt, dass das Telefonieren „der Horror“ für ihn sei. Nach langen Telefonaten müsse er sich erst einmal hinlegen. „Telefonieren ist deswegen viel anstrengender, weil die Klangqualität viel schlechter ist und ich nicht einfach noch mal zurückspulen oder Pause machen kann“, erklärt Fabian Exter.
Über die Jahre hat er sich viel Fachwissen angeeignet. „Ich denke, es gibt in jedem Bundesland drei, vier Kollegen, die das Mastering auf demselben Niveau betreiben. Fast alle Kunden kommen über Empfehlungen zu mir“, sagt Exter. Er sei froh, sich nicht um Kundenakquise kümmern zu müssen. Mit der Büroarbeit habe er schon eine unliebsame Aufgabe, sagt er und lacht.
Mit 20 Jahren macht sich der Issinger selbstständig
„Ein Ohrenarzt hat mir bescheinigt, dass ich ein extrem gutes Gehör habe“, sagt Fabian Exter. Aufgewachsen ist er in Utting und hat die Realschule in Schondorf besucht. „Ich habe dann zeitnah meinen Zivildienst absolviert und mich mit 20 Jahren selbstständig gemacht.“ Dem anfänglichen Wunsch seiner Eltern, eine klassische Ausbildung zu machen, kam er nicht nach. „Ich bin Autodidakt, habe auch die richtigen Leute zu den richtigen Zeitpunkten getroffen, die mir wertvolle Tipps geben konnten.“ Auch seine Eltern hätten seinen Weg stets unterstützt, wofür er sehr dankbar sei.
Er hat diverse Instrumente daheim, die bei Aufnahmen mit Musikern und Sängern auch zum Einsatz kommen. Angesprochen auf seine diesbezüglichen Fähigkeiten, sagt er: „Nicht gut, aber leidenschaftlich“. Der 43-Jährige schreibt auch eigene Texte, wenn dafür noch Zeit neben dem Beruf bleibt. Privat hört er Indie-Rock, mag die Band Radiohead, wegen deren Texten und des verspielten Sounds.
Eine Band schafft es in den Charts weit nach oben
Besonders angetan hat es ihm auch „Ganes“. Er hörte die drei Frauen in einer Radiosendung und kontaktierte sie übers Internet. Sie singen Ladinisch, eine rätoromanische Sprache, die in den Tälern der Dolomiten in Norditalien gesprochen wird. Exter hat inzwischen mehrere ihrer Alben gemastert. Zu den bekannteren Künstlern, mit denen er zusammenarbeitet, gehören Williams Wetsox, der bayerischen Blues macht, und die Progressive-Rock-Band Stereons. „Sie haben es in den Charts relativ weit nach oben geschafft“, sagt Exter.
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm ein jamaikanischer Musiker und eine persönliche Nachricht. Bei dem Musiker verlangte die Plattenfirma, dass die renommierte Firma „Sterling Sound“ aus New York das Mastering vornimmt, sich der Künstler aber durchsetzte und es die Version von Exter wurde. Stark bewegt hat ihn auch die Nachricht eines Mannes, dessen Kind gestorben ist und der eine CD mit einem Song von Exter besaß. „Er hat mir geschrieben, dass ihm das Lied über die sehr schwere Zeit geholfen hat. So etwas ist viel mehr wert als alles andere.“
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