Seit Kurzem gibt es in Kaufering mit Bettina Dörr eine Quartiersmanagerin. Sie will sich vor allem für Seniorinnen und Senioren engagieren, aber auch die Generationen verbinden. Dabei setzt sie auf die Schaffung von Strukturen anstatt der Initiierung von Aktionen und Projekten. Zwar soll Dörr für ganz Kaufering im Einsatz sein. Den Anfang macht jedoch der Fuggerplatz, da dort besonders viele ältere Menschen zu Hause sind. Welche Ziele die Quartiersmanagerin hat.
Im Alter kann vieles, was man früher mit links gemeistert hat, zum Problem werden: Einkaufen, Treppen steigen, Arztbesuche. Hören und Sehen lassen nach, die Kontakte auch. Einsamkeit ist eine häufige Folge davon. Wo früher die Familie die Fürsorge im Alter leistete, müssen heute Strukturen im Ort für die Teilhabe aller Menschen und gegenseitige Hilfe geschaffen werden. Mit diesem Ziel ist Bettina Dörr angetreten, und sie hat dafür eine Partnerin an ihrer Seite: Beate Jakob, Leiterin des Netzwerkes „Kaufering hoit zam“.
Welche Bedürfnisse haben Seniorinnen und Senioren in Kaufering?
Beide Frauen sitzen im Gebäude der VR-Bank in der Bayernstraße 9a. Während Jakob bereits seit September 2021 daran arbeitet, eine Nachbarschaftshilfe aufzubauen – Freiwillige, die mitarbeiten und Ideen einbringen wollen, sind gesucht – steht Dörr noch ganz am Anfang. Diesen macht eine Sozialraumanalyse, was so viel heißt wie: Dörr muss sich zuerst einmal einen Überblick über die Lage und die Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren machen. Viele Kontakte mit Älteren, aber auch Institutionen stehen also an, um Schwachstellen zu finden – dazu zählen beispielsweise Probleme im Alltag, mit der Einkaufs- und Wohnsituation, aber ebenso mit Mobilität oder Barrierefreiheit. Vom 6. bis 8. Mai wird sie dazu mit einem Stand beim Frühlingsmarkt auf dem Fuggerplatz vertreten sein, mit dem Ziel, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und Wünsche zu sammeln.
Ein großes Anliegen ist es der 51-jährigen zweifachen Mutter, die in Landsberg wohnt, Strukturen zu schaffen, die den unterschiedlichen Generationen zum Austausch verhelfen. „Der Austausch ist wichtig, um gegenseitiges Verständnis und Unterstützung zu fördern und Vorurteilen vorzubeugen“, sagt sie. Positiv sei, so Dörr, dass mit Senioren- und Jugendbeirat bereits Strukturen bestünden. Ziel des Projekts, für das Kaufering auch staatliche Fördergelder erhält, ist es, älteren Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen. „Davon profitieren sowohl die alten Menschen als auch der Staat. Die meisten Senioren wollen zu Hause alt werden und nicht im Pflegeheim, was auch dem Pflegenotstand entgegenwirkt.“
Bereits jetzt lebten in Kaufering überproportional viele Seniorinnen und Senioren, weiß Dörr: „Kaufering liegt beim Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung über dem bayerischen Durchschnitt – und der Anteil wird weiter zunehmen.“ Einsamkeit und Altersarmut gehen damit einher. „Wenn die Kinder nicht in der Nähe leben, müssen andere Menschen einspringen“, sagt Dörr. „Wir müssen uns wieder mehr für unsere Nachbarn interessieren und es schaffen, dass sich diejenigen auch melden, die Hilfe brauchen.“
Handeln, wo andere erst mal reden
Handeln, wo andere erst mal reden, nach dieser Devise habe die Gemeinde Kaufering mit dem Quartiersmanagement agiert, freut sich Dörr. Erste Ideen, die umgesetzt werden wollen, sind bei ihr bereits vorhanden. So will sie mit Leih-Großeltern Menschen zur gegenseitigen Unterstützung zusammenbringen und bei einem Mittagstisch soziale Teilhabe und gesunde Ernährung für Senioren anbieten. Und damit schließt sich für die studierte Ökotrophologin ein Kreis.
Gesundheitserziehung und -förderung und dabei besonders die Prävention standen bei all ihren bisher ausgeübten Berufen im Zentrum. Konzentrierte sie sich mit ihrer Praxis für Ernährungstherapie und als Dozentin beim Landsberger Eltern-ABC zuerst vor allem auf Kinder, legte sie später ihr Augenmerk zunehmend auf die Senioren. So bildete sich Bettina Dörr zur Kommunalen Gesundheitsmoderatorin weiter und qualifizierte sich bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen für das Projekt „Im Alter in Form“. Im Rahmen dieser Ausbildung begleitet sie auch Kommunen bei der Gesundheitsförderung von Seniorinnen und Senioren.