Gelernt hat Robert Widmann aus Kaufering eigentlich den Beruf des Gärtners. Dass er den Hof seines Vaters in Kaufering übernimmt, war nicht geplant. Inzwischen gehört der rasant wachsende Betrieb zu den größten Biohöfen im Landkreis Landsberg. Widmann versucht, die Wertschöpfung durch ein Kreislaufsystem so weit wie möglich im Betrieb zu halten und leistet auf verschiedensten Wegen Aufklärung über die Arbeit in der Landwirtschaft.
Über sechs Generationen wirtschafteten die Widmanns konventionell. Den Hof gibt es seit dem Jahr 1630. Ab dem Jahr 2016 stellten Robert Widmann und seine Frau Daniela dann auf Bio um. „Im Nachhinein betrachtet, hätten wir diesen Schritt schon viel eher gehen sollen. Die Vorgaben sind zwar höher, aber die Erlöse auch. Und als Tierhalter bin ich beim ökologischen Anbau im Vorteil“, sagt er. Die inzwischen 150 Kühe liefern den benötigten Dünger für die Anbauflächen. Der Einsatz von Chemie ist beim biologischen Anbau tabu. Das Futter baut er auf seinen eigenen und gepachteten Flächen an.
Übernommen hat der 39-Jährige den Hof im Jahr 2006 mit 40 Kühen. Dass es mit der Größe und konventioneller Landwirtschaft schwer werden würde, habe er schnell gemerkt, sagt er. Deshalb suchte er sich einen Partnerbetrieb, der sich um die Jungtiere kümmert und steigerte die Zahl der Milchkühe und deren Leistungsfähigkeit. Perspektivisch sollen alle Jungtiere wieder bei ihren Müttern aufwachsen, erklärt Robert Widmann. „Die Milchmenge pro Tier hat sich in zehn Jahren nach der Übernahme verdoppelt. Es ist wie mit Spitzensportlern. Wenn die Bedingungen stimmen, ist viel möglich.“ Im Fall der Kühe meint er damit viel Platz, frische Luft und frisches Futter. Vor elf Jahren stellte der Familienbetrieb von zwei- auf dreimal Melken am Tag um. Dass häufigere Melken diene auch der Gesundheit der Kühe, weil der Druck auf dem Euter geringer sei, betont seine Frau.
Nach der Umstellung auf Bio sei die Milchmenge dann aber wieder gefallen, sagt Widmann.Die bewirtschaftete Fläche des Betriebs hat sich seit der Übernahme von 60 auf 150 Hektar erhöht.
Kauferinger Robert Widmann will Landwirtschaft erlebbar machen
Widmanns betreiben aber nicht nur einen Hof, sie tun auch viel, damit sie und ihr Beruf wahrgenommen werden. So wurden vor der Corona-Pandemie regelmäßig Führungen für Schulklassen und Kindergartengruppen angeboten, und auch Gartenbauvereine und Fachschulen für Meister und Techniker in der Landwirtschaft kamen zu Besuch. „Dass die Höfe oft nicht mehr mitten im Ort sind, so wie es früher war, macht uns Landwirte deutlich weniger wahrnehmbar. Das Bild über unsere Arbeit transportieren inzwischen vor allem Medien. Mir ist es wichtig, es vor Ort erlebbar zu machen und zu zeigen, wie moderne Landwirtschaft funktioniert“, betont Robert Widmann. Den Kindern demonstriert die Familie anhand von Eimern, wie viel eine Kuh am Tag trinkt und richtet das Futter zur Anschauung her. Für ihre Informationsarbeit bedienen sich die beiden auch Sozialer Medien wie Facebook und Instagram. „Wenn wir ein nettes Motiv von unseren Tieren oder der Arbeit haben, dann posten wir es und erklären, was wir gerade machen“, sagt die 37-Jährige. Rund 700 Menschen folgen ihnen jeweils auf den Plattformen.
Und zu einer modernen Landwirtschaft gehört für sie auch der Vertrieb ihrer Produkte. Seit Sommer 2019 gibt es den Hofladen. Zur Rohmilch der Kühe kamen in dem Zuge auch noch die inzwischen 300 Hühner dazu, die rund 250 Eier pro Tag legen. Bislang besteht der Hofladen aus Automaten, an denen sich Kunden 24 Stunden am Tag und die ganze Woche versorgen können. Auch die Kauferinger Metzgerei Gschwill und die Fischzucht Sandau vertreiben ihre Waren über diese Automaten. Saisonal können auch Erdbeeren und Kürbisse auf dem Hofgelände an der Schwiftinger Straße erworben werden. Auch Kartoffeln vom Biobauern und Kreisobmann Johann Drexl bieten sie an. „Wir nehmen bei den Automaten in Kauf, dass sie bei großer Nachfrage auch mal leer sein können. Das ist besser, als wenn wir etwas wegwerfen müssen“, sagt Daniela Widmann.
Das Ehepaar, das drei Kinder hat, sieht noch weiteres Potenzial im Bio-Markt und hat schon die nächsten Ideen. Sie beschäftigen sich mit der Frage, ob sie auf die Produktion von Heumilch umsteigen sollen. Dann dürften sie an die Kühe aber keine Silage mehr verfüttern. Hauptfuttermittel – zu etwa 90 Prozent – wäre dann Gras, eigenes Getreide wäre aber auch noch zugelassen, so der Landwirt. Der Wegfall von Silage hätte aber auch Vorteile, sagt er. „Es würde dann angenehmer auf dem Hof riechen und wir bräuchten keine Silos mehr und hätten so Platz für etwas anderes.“
Bauantrag für eine Heutrocknungs- und Heubergehalle genehmigt
Dem Bauantrag für eine Heutrocknungs- und Heubergehalle hat der Bauausschuss des Marktes im Juli bereits zugestimmt. Wann es aber losgeht, ist noch ungewiss. „Die Preise in der Baubranche explodieren wegen knapper Rohstoffe. Wir warten, bis es sich wieder entspannt“, sagt der Landwirt, der seit dem Jahr 2010 ausbildet und so auch die eigene Familie entlastet. „Es geht nicht, dass der Betrieb wächst, aber die Zahl der Mitarbeiter nicht. Das ist ein Problem, das man in der Generation meiner Eltern oft beobachten konnte. Ich vertraue meinen Mitarbeitern.“