In Eching endet am 30. April eine Ära. 30 Jahre lang leitete Siegfried Luge als Bürgermeister die Geschicke der 1600-Einwohner-Gemeinde am Nordufer des Ammersees. Mit 82 Jahren gibt er sein Amt nun ab, und man wird mit der Prognose, dass der nächste Bürgermeister nicht ganz so lange im Amt sein wird, nicht fehlgehen: Denn die beiden Kandidaten - Norbert Teubner (CSU) und Dr. Michael Smida (Bürgerblock) wären in 30 Jahren bereits 98 und 86 Jahre alt.
Eching, das erkennen beide Kandidaten an, ist für ein Dorf dieser Größe gut aufgestellt: „Tatsächlich fehlt es in Eching fast an nichts. Die CSU-Bürgermeister haben in den letzten 42 Jahren vieles richtig auf den Weg gebracht“, findet Norbert Teubner, und Michael Smida ergänzt: „Eching ist gut aufgestellt mit Einkaufszentrum, Ärztehaus, Sporthalle, Gastwirtschaften, Kinderhaus und Mittagsbetreuung.“
Beim Nahverkehr in Eching sehen beide Kandidaten Optimierungsbedarf
Aber beide sehen auch Bedarf für Veränderungen: Smida nennt dabei die Schaffung von Wohnraum, vor allem in Form von Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen für Menschen, die sich kein Einfamilienhaus im Neubaugebiet leisten können. Verbessern möchte der Kandidat des Bürgerblocks auch den ÖPNV: „Hier gibt es Potenzial. Dies wäre der Bus X910 zur S-Bahn Weßling, stündlich und täglich bis 23 Uhr. Das uns unterbreitete Angebot wurde wegen unangemessener Kosten abgelehnt. Es hätte nachverhandelt werden müssen. So fährt der Bus jetzt ohne Halt durch die Gemeinde. Die Buslinie 894 der LVG soll auch entwickelt werden. Norbert Teubner sieht ebenfalls Optimierungsbedarf: „Weitere Haltezeiten für MVV-Busse auch tagsüber in Eching. Es muss abgewogen werden zwischen den Kosten des ÖPNV und den berechtigten Interessen von Anwohnern zur fehlenden Mobilität nach München und Landsberg.“
Beide Kandidaten betonen auch die Notwendigkeit, ortsansässigen Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Teubner weist zudem darauf hin, das Rettungswesen mit Feuerwehr und Wasserwacht fit für die Zukunft zu machen, und mahnt Sanierung und Anbau des Feuerwehrhauses an, aber ebenso eine Rückführung der gemeindlichen Schulden an.
Was die beiden Kandidaten für das dörfliche Leben in Eching tun wollen
Das Dorfleben in Eching tragen vor allem die Vereine. Michael Smida macht dabei auch auf Institutionen wie die Pfarrgemeinde, den Seniorenclub und die Nachbarschaftshilfe aufmerksam, die weiter der Unterstützung der Gemeinde bedürfen. Ziemlich ähnlich sieht diesen Punkt der CSU-Bewerber Teubner: „Das Dorfleben funktioniert wirklich sehr gut. Stärker ausgebaut werden sollte die Seniorenarbeit im sozialen Bereich. Dazu gehören die Nachbarschaftshilfe, innovative Wohnkonzepte für ältere Menschen sowie gesellige Runden, um Einsamkeit zu überwinden.“ Mit der Aufstellung eines Bürgerbudgets will Smida die Bürger-Mitbestimmung erweitern und es ermöglichen, dass Bürger und Bürgerinnen eigene Projekte umsetzen und der Zusammenhalt gestärkt wird.
Ein regelmäßig wiederkehrender Aufreger in Eching sind die teilweise massiven Mückenpopulationen insbesondere in feuchten Sommern: Die Beschwerden der Echinger seien berechtigt, findet Norbert Teubner. Er spricht sich dafür aus, Bti gegen die Mückenlarven einzusetzen, schränkt aber auch ein, „es lässt sich nicht alles zu 100 Prozent bekämpfen. Aber nichts zu tun, ist für mich keine Alternative“. Michael Smida erklärt: „Die Gemeinde ist gerüstet und wird alle erlaubten Maßnahmen mit einem koordinierten Prozess (Monitoring und Handlung) einleiten und umsetzen. Wir werden dies transparent und nachverfolgbar erledigen. Der Diskussion stelle ich mich dann gerne, um Klarheit zu schaffen und die Prozesse zu verändern.“
Fast alle Gemeinderatsmitglieder kandidieren wieder
Interessant ist in Eching, dass zwar seit 42 Jahren die CSU den Bürgermeister stellt, die stärkere Gemeinderatsfraktion ist aber der Bürgerblock. Beim Bürgerblock treten fünf der aktuell sieben Gemeinderatsmitglieder wieder an, Johann Wimmer hört nach 36 Jahren auf. Bei der CSU kandidieren erneut die gesamte fünfköpfige Fraktion und Bürgermeister Luge für den Gemeinderat. Beide Bürgermeisterkandidaten bewerben sich übrigens auch um ein Mandat im Kreistag. Norbert Teubner steht bei der CSU auf Platz 36, Michael Smida bei der SPD auf Platz 15.
Norbert Teubner (CSU)
Alter/Familienstand: 68 Jahre, verheiratet, 2 erwachsene Kinder, 4 Enkelkinder.
Erlernter und ausgeübter Beruf: Kaufmann, 20 Jahre Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen, seit 2010 selbstständig mit einer Handelsagentur für Papierwaren.
Hobby: Radfahren und Bergwandern.
Politische Ämter, Ehrenamt: Zweiter Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Eching, Seniorenbeauftragter der Gemeinde sowie Vorstandsmitglied des Tourismusverbands Landsberg-Ammersee-Lech.
Was wäre Ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister?
Das Miteinander und ein Wir-Gefühl im Gemeinderat vermitteln, eine Kommunikationsstrategie zum Bürger neu aufstellen. Vertrauen für eine auf Gemeinwohl orientierte Arbeitsweise aufbauen.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Ort?
Bewährtes und Neues für unser Eching, dieser Grundsatz gilt für mich. Eine liebenswerte und lebendige Gemeinde, in der sich alle Bürger wohlfühlen – mit einem dörflichen Charakter und doch mit einem hohen Freizeitwert, ein Ort mit einer lebendigen Vereinskultur. Dies gilt es zu bewahren und auszubauen für ein lebenswertes Miteinander.
Was bringt Sie zum Lachen?
Meine vier Enkelkinder! Es ist einfach schön, die Entwicklung der Kleinen im Alter von vier bis sieben Jahren zu erleben. Und eine politisch gut gemachte Satire, wo man auch mal über sich selbst schmunzeln kann.
Dr. Michael Smida
Alter und Familienstand: 56 Jahre, verheiratet.
Erlernter und ausgeübter Beruf: Bauingenieur, selbstständig mit Ingenieur Dr. Smida GmbH, Bauwerksprüfer.
Hobby: Fischen, Sprachen, Schauspielern und Radreisen.
Politische Ämter, Ehrenämter: Gemeinderat, Mitglied der Kirchenverwaltung, Zweiter Vorsitzender des Theatervereins, Kassier des Krieger- und Soldatenvereins, Fahnenträger beim FSV Eching.
Was wäre Ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister? Das sollte dann die Rede am 1. Mai sein, oder? Aber im Ernst: Als meine erste Amtshandlung sehe ich die erste kollegiale Zusammenkunft des Gemeinderates an, die konstituierende Sitzung. Hier sollen alle gewählten Mitglieder des Gemeinderates in freundschaftlicher Zusammenarbeit wirken. Ich will mit dieser wichtigen ersten Zusammenkunft den Grundstein für gegenseitigen Respekt legen und ein Team bilden, in dem auch verschiedene Meinungen respektiert werden. Wichtig ist, dass wir an einem Strang ziehen und die Gemeinde mit Freude organisieren.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Ort?
Das Lebensgefühl, die Menschen, die Natur drumherum und der Ammersee.
Was bringt Sie zum Lachen?
Andere lachende Menschen. Freude um mich herum. Aber auch der Fang einer schönen Renke auf dem See.
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