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Landsberg: Das Weihnachtsbrettl der Landsberger Kleinkunstbühne ist auch dieses Jahr ein Renner

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Das Weihnachtsbrettl der Landsberger Kleinkunstbühne ist auch dieses Jahr ein Renner

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    In Gerhard Polaceks Texten war Besinnliches dabei – in erster Linie konnte sich das Publikum aber krummlachen.
    In Gerhard Polaceks Texten war Besinnliches dabei – in erster Linie konnte sich das Publikum aber krummlachen. Foto: Thorsten Jordan

    Immer ausverkauft, stets mit einem großen Überhang an weiteren Kartenwünschen: Egal, was auf dem Programm steht, „S‘Weihnachtsbrettl“ der Landsberger Kleinkunstbühne s‘Maximilianeum ist seit vielen Jahren der Renner, ein „Must-have“ für Landsberger, um es mal ausnahmsweise in Neudeutsch auszudrücken. Heuer hatten die Organisatoren „Polacek & Quetschendatschi“ ins Stadttheater eingeladen und damit frenetischen Schlussapplaus garantiert.

    Ihr Programm des Abends sei kein speziell weihnachtliches, warnte Johannes Sift von Quetschendatschi zu Beginn. „Wer aber genau hinhört, kann ab und zu durchaus ein paar weihnachtliche Takte in unserer Musik entdecken.“ Um es vorneweg zu sagen: Weihnachtliches wurde nicht vermisst, das steuerte Gerhard Polacek bei. Wobei deutlich wurde, dass der Österreicher, der seit vielen Jahren in Esslingen lebt, seine typisch österreichisch-schwarze Satire mit nach Baden-Württemberg gebracht hat. Natürlich war Besinnliches dabei. Vor allem aber waren die Texte über Tucholsky, Kästner, Polt bis zu Gernhardt fröhlich, zum sich krummlachen.

    Ein Krippenspiel im antiautoritären Stil der 68er

    Da wird der Nikolaus zum gecoachten „Eventperformer“, der vor Betreten der Luxuswohnung seine Stiefel ausziehen muss. Dort gerät er zwischen die Fronten von Lukas und Sarah auf der einen und Mama auf der anderen Seite und rennt vor lauter Aufregung auf Strümpfen hinaus in die Kälte. Dass er auch des Singens ziemlich mächtig ist, zeigt Polacek mit einer türkischen Interpretation von „O Tannenbaum“. Doch bevor der Moslem in der Geschichte zum Christen wird, geht es zum „Zinnsoldaten einschmelzen“, was, wie sicher mancher verstehen wird, für einen kleinen Buben zum schönsten Weihnachtserlebnis wurde. Mal abgesehen von dem Fakt, dass der Vater vor lauter Schreck einen Schlaganfall erlitt und im Krankenhaus landete.

    Sabrina Walter (Harfe), Johannes Sift (diatonische Harmonika) und Stefan Hegele (Sousaphon und Gitarre) bilden das Trio Quetschendatschi (von links).
    Sabrina Walter (Harfe), Johannes Sift (diatonische Harmonika) und Stefan Hegele (Sousaphon und Gitarre) bilden das Trio Quetschendatschi (von links). Foto: Thorsten Jordan

    Und wie würde wohl heute die Öffentlichkeit auf ein Paar – sie 14, er mittelalterlich – reagieren, das in einem Stall haust und Eltern wird? Nicht auszumalen, die Aufregung, der Hype um solchen Missstand. Sozialamt, Polizei, Jugendamt, in sämtlichen Foren würde sich echauffiert werden. Darauf erneut etwas zum Lachen: „Spielerisches Erlernen christlicher Werte mit einem Krippenspiel im antiautoritären Stil der 68er“. Für alle Kinder werden Rollen gefunden, vom Heiligen Geist bis zum Esel. Maria und Josef kommen mit der Bahn, wodurch der Esel ein unnützes Dasein fristen muss.

    Das Trio Quetschendatschi ist ein Erlebnis

    Selbst die Geburt wird gespielt. Heraus kommt der Messias in Form einer Puppe, die ständig „kauf dir was“ kräht. Die Geschichte wurde dann doch fast ein wenig zu lang. Der anschließende „Wintersturm“ von Quetschendatschi lockerte träge gewordenen Glieder jedoch schnell wieder. Überhaupt die Musik: Diatonische Harmonika (Johannes Sift), Harfe, wahlweise auch Hackbrett (Sabrina Walter), und Sousaphon (Stefan Hegele) sind eine eher ungewöhnliche Zusammensetzung.

    Dieses Trio allerdings war ein Erlebnis, dem es an nichts fehlte. Johannes Sift agierte als Melodieführer, Stefan Hegele breitete dazu einen sonoren Bassteppich aus. Letzterer drängte sich nie in den Vordergrund, er war einfach da und sorgte für die wunderbare Abrundung nach „unten“. Sabrina Walter schließlich setzte viele, hauptsächlich obertönige Sternchen zwischen Töne und Takte. Sie ließ aber auch den Sturm von ihrem Hackbrett brausen, was für ebensolchen Applaus sorgte.

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