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Landsberg: Lesung in der Zedergalerie: Alexander Milsteins anspielungsreiche Prosa

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Lesung in der Zedergalerie: Alexander Milsteins anspielungsreiche Prosa

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    Der Autor und bildende Künstler Alexander Milstein (links) war für eine Lesung in die Landsberger Zedergalerie gekommen. Mit ihm im Bild: Thomas Lang (Mitte) und Bert Praxenthaler.
    Der Autor und bildende Künstler Alexander Milstein (links) war für eine Lesung in die Landsberger Zedergalerie gekommen. Mit ihm im Bild: Thomas Lang (Mitte) und Bert Praxenthaler. Foto: Hertha Grabmaier

    Bei einer außergewöhnlichen Lesung konnten Silvia Großkopf und Bert Praxenthaler vom Vorstand des Galerievereins Landsberg aufgrund des Andrangs nur noch Stehplätze anbieten. Der Ausstellungsraum, in dem der 1963 im ukrainischen Charkiw geborene Schriftsteller und bildende Künstler Alexander Milstein seine Illustrationen zeigt, wurde zu einem kleinen Auditorium umfunktioniert. Milstein lebt seit 1995 in München.

    Neben Bert Praxenthaler und Alexander Milstein, der es mit seinem Roman „Parallelnaja“ auf die Shortlist des NOS-Literaturpreises schaffte, hatte auch der Literaturwissenschaftler, Autor und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Thomas Lang vom Literaturportal Bayern Platz genommen. Dem lebhaften Gespräch konnten die Zuhörenden interessante Details aus dem Werdegang des Künstlers entnehmen, der unter anderem 2018 am vierten deutsch-ukrainischen Schriftstellertreffen in Mariupol teilnahm. „Der Buchladen, in dem wir uns trafen, ist nun komplett zerstört“, erzählt Alexander Milstein, dessen Malerei sich oft auf seine grübelnd reflektierende, geistreiche Prosa bezieht. 

    In den Kurzgeschichten verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit

    „Ich bin begeistert von den Bildern und tollen literarischen Texten und sehr glücklich, diese veröffentlichen zu dürfen“, sagte Thomas Lang, der sich als Lektor Milsteins deutschsprachiger Werke auf die gemeinsame, von Milstein bebilderte Anthologie „Durch die Zeiten“ freut. Milstein übersetzt seine Texte selbst ins Deutsche und ringt mit Langs Hilfe um entsprechende Wortfindungskunst. Bisher existiert lediglich ein in der Ausstellung gezeigtes Cover zu „Akasaka“, einem imaginierten Buch, das im Juni auf dem Literaturportal Bayern veröffentlicht wird. Auf der Onlineplattform unter dem Dach der Bayerischen Staatsbibliothek publiziert eine Reihe bedeutender Autorinnen und Autoren. 

    „Akasaka“, aus dem Alexander Milstein liest, heißt wörtlich übersetzt „roter Hang“ und ist ein Stadtteil, in dem Tokyos Oberschicht lebt. Milstein war noch nie dort. In seinen Kurzgeschichten über einen Roman, den er schreiben will, verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit. „Meine inneren Kritiker streichen auch einiges“, so Milstein. Er erzählt von phänomenalen Begegnungen, die teils originelle, oft keine Perspektiven aufzeigen. Für raffiniert konstruierte, humorvoll geschilderte Reisen im Kopf, mit einer in einem Paralleluniversum lebenden Freundin, die bei einer Wanderung verschwindet und eine letzte Postkarte aus Venedig schickt, gab es viel verdienten Applaus. 

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