Fast 15 Jahre lang war Lothar Kirsch Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg. Nächstes Jahr geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin steht schon fest. Birgit Abe, die das Jugendsinfonieorchester sowie das Kammerorchester leitet, wird ab März 2021 die Leitung der Städtischen Sing- und Musikschule übernehmen.
Begonnen hat Lothar Kirsch seine musikalische Ausbildung mit dem Studium am Richard-Strauss-Konservatorium München bei Barbara Probst-Polasek. Zudem besuchte er Meisterkurse bei Eliot Fisk und Manuel Barrueco. Sein Instrument ist die Gitarre, und über ein Konzert in Waal fand er seinen Weg nach Landsberg. Der damalige Leiter der Singschule, Karl Zepnik, hatte ihn beim Hauskonzert der Familie Gatz angesprochen und ihm eine Stelle als Gitarrenlehrer angeboten.
Der gebürtige Erdinger wohnte zu dieser Zeit noch nicht in Landsberg, nahm das Angebot aber zum Anlass, sich die Stadt anzusehen. Die Stadt habe ihn sofort in ihren Bann gezogen, erinnert sich Kirsch. Die Musikschule war damals noch im Kloster untergebracht, der neue Standort in der Hubert-von-Herkomer-Straße stand aber schon fest. Die Entscheidung fiel für Landsberg, und als neuer Gitarrenlehrer baute er das Gitarrenensemble auf. Mit dem Gitarrenorchester hat er unter anderem 15 Seminar- und Konzertfahrten nach Rocca di Papa, Saint-Laurent-du-Var, Rhodos und zu einigen Jugendbildungsstätten in Bayern unternommen.
Seit 2007 leitet er die Landsberger Musikschule
Im Jahr 2007 übernahm Lothar Kirsch die Leitung der Städtischen Sing- und Musikschule. Besonders wichtig war es ihm immer, allen Kindern den Zugang zur Musik beziehungsweise zum Musikunterricht zu ermöglichen, unabhängig von Talent und finanziellen Möglichkeiten. Unmusikalische Menschen gibt es seiner Ansicht nach nicht wirklich. „Jeder Mensch bringt Musikalität in einer anderen Weise mit.“ Und so habe er häufig miterlebt, wie Musikschüler aufgeblüht seien. Um diesen chancengleichen Zugang zu ermöglichen, der Kirsch so wichtig ist, wurden verschiedene Angebote ins Programm der Musikschule aufgenommen. Dafür wurden Kooperationen mit den Kindergärten zur musikalischen Früherziehung und mit Grundschulen für die Einrichtung von zwei Streicherklassen und einem Kinderchor eingegangen.
Nach einem besonderen Erlebnis gefragt, gerät Kirsch ins Schwärmen: „Das Projekt „Licca Line“, das zusammen mit den Stelzern zum Ruethenfest aufgeführt wurde, sei eine großartige Sache gewesen. Beteiligt waren alle Instrumentalklassen und der Chor. Aufgeführt wurde ein extra komponiertes Stück. Das seien die Events, für die ein Musiker lebt. Aus seiner Sicht als Musiklehrer beschreibt er solche Momente als Gnade, und auch für die Schüler seien diese Ereignisse einmalig und sehr persönlichkeitsbildend.
Die Begegnungen mit seinen Schülern wird er am meisten vermissen, sagt Kirsch mit Blick auf seinen Ruhestand. Ein bisschen wehmütig wird der 64-Jährige, wenn er auf das vergangene Halbjahr zurückblickt. 60 Veranstaltungen hatte die Städtische Sing- und Musikschule nicht nur geplant, sondern auch komplett organisiert, bis aufgrund von Corona alle Termine abgesagt werden mussten. Birgit Abe wünscht er als Nachfolgerin alles Gute und viel Freude in der neuen Position. Dass die 49-Jährige die Richtige für diese Stelle ist, daran habe er keine Zweifel. Seit vielen Jahren kenne er sie bereits als Kollegin. Früh habe er erkannt, dass in Birgit Abe eine Leidenschaft und besondere Begeisterung für die Musikschule brennt. So habe sie als erste Lehrerin das Werden und Gedeihen des Schulprojekts Streicherklasse maßgeblich vorangebracht.
Ein Dank an die Stadt Landsberg
Lobend äußert sich Lothar Kirsch über das Engagement der Stadt. „Was die Stadt als Träger leistet, ist einem als Lehrer ja nicht so bewusst.“ Als Leiter der Musikschule jedoch sei die Hälfte der Arbeitsleistung für organisatorische Dinge reserviert, und da habe er immer Hilfe und Unterstützung in der Verwaltung gefunden. Auf Birgit Abe warte ein positives Arbeitsumfeld und viel Unterstützung seitens der Stadt.
Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) schätzt Lothar Kirschs großes Engagement. Unter anderem, dass es ihm gelang, den Wettbewerb „Jugend musiziert“ nach Landsberg zu holen. „Über viele Jahre hinweg hat er das kulturelle Leben in Landsberg für Groß und Klein gestaltet und geprägt.“, sagt Doris Baumgartl. Vor Ort sei eine großartige Infrastruktur für Musikunterricht und -förderung entstanden, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus Beachtung finde. Davon profitiere die ganze Stadtgesellschaft. (lt)
Lesen Sie dazu auch:
Musikschulen in der Corona-Zeit: Probe in der Landsberger Eissporthalle
Die tragenden Säulen des Wettbewerbs