„Wählen! Aber wen?“ lautete das Motto des Infoabends in der Wandelhalle des Sportzentrums, den die Lebenshilfe Landsberg zusammen mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung im Landkreis Landsberg, Regens Wagner Holzhausen und den IWL Werkstätten organisiert hatte.
Anton Baur (Bayernpartei), Thomas Buck (Die Partei), Susanne Droth (Freie Wähler), Landrat Thomas Eichinger (CSU), Peter Münster (für die FDP im Bezirkstag), Thomas Musil (AfD), Amir Sahuric (SPD) und Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne) beantwortete über zwei Stunden Fragen, die Menschen mit Behinderung zuvor gesammelt hatten. Manche trugen diese selbst vor, andere Fragen wurde von den Moderatorinnen Eugenia Schimpf von der Bewohner-Vertretung der Lebenshilfe sowie Alexandra Beckmann von IWL vorgebracht. Die Themen unterschieden sich in Teilen nicht von denen, die derzeit allen Bürgerinnen und Bürgern unter den Nägeln brennen, wie sozialer Wohnungsbau oder der Ausbau des ÖPNV.
Zum Teil aber schon, sodass die politischen Vertreter „dazulernten“. Genau deshalb seien solche Veranstaltungen so wichtig, sagte Sahuric, für den es unter anderem neu war, dass Behindertentoiletten in der üblichen Ausstattung nicht für alle Menschen mit Behinderung funktionieren. Pflegegerechte Liegen und Lifte sollen seiner Meinung nach deshalb gesetzlich verankerte Auflage bei Neubauten sein. Die Fragen aus den Themenblöcken Fachkräftemangel, Gesundheit, Wohnen, Mobilität, Energie und Umweltschutz, Schule und Werkstätten sowie Inklusion und Toleranz beantworteten je zwei Politiker verschiedener Parteien. Dabei wurde deutlich, dass die Parteien bei vielen Bestrebungen nicht weit auseinander liegen und die Integration von Menschen mit Behinderung fördern wollen.
Kritik an AfD-Kandidat Thomas Musil aus Landsberg
Eine Partei scherte jedoch klar aus dem überwiegenden Konsens aus, und zwar die AfD. Dies zeigte sich deutlich sowohl bei der Energie als auch beim Schulsystem und der Toleranz. So sprach sich Thomas Musil für Atomstrom und gegen Windkraft aus. Der Integration von Menschen mit Behinderung in Regelschulen erteilte er den Laufpass; diese sollten von Sonderpädagogen individuell beschult werden. Auf die Frage „Wie würden Sie Toleranz gegenüber Menschen mit Behinderung aus der queeren Community fördern?“ antwortete Musil, jeder Erwachsene könne grundsätzlich tun, was er tun möchte, solle dies aber nicht in die Öffentlichkeit tragen, damit es jeder sähe.
Thomas Buck (Die Partei) konterte, dass er einen Würgereiz unterdrücken müsse und erntete damit viel Applaus. Eine offene, bunte Gesellschaft gehöre zu Deutschland, so Buck. „Wer anderes sagt, gehört nicht ernst genommen und nicht gewählt.“ „Was tun Sie dafür, dass es mehr Landärzte gibt?“, frage Deborah Stölzle. Anton Baur (Bayernpartei) will dazu den Zulassungsschlüssel verbessern, sodass sich mehr Ärzte auf dem Land niederlassen können. Zur Verbesserung von psychotherapeutischen Angeboten sagte Susanne Droth (FW), grundsätzlich sollten „Berufe am Menschen“ einen höheren Stellenwert bekommen. Bis es mehr Plätze gäbe, sei es notwendig, mehr miteinander zu sprechen, um diejenigen aufzufangen, die lange auf einen Platz warten müssten.
Auf die Frage, wie die Inklusion im Landkreis verbessert werden könnte, sagte Peter Münster (FDP), dass er das „Zamma-Kulturfestival“ nach Landsberg bringen wolle. Gabriele Triebel (Grüne) plädierte dafür, dass Firmen mehr Menschen mit Behinderung einstellen sollten und sie die Gesundheitsvorsorge vor Ort verbessern wolle. Thomas Eichinger (CSU) räumte ein, dass Deutschland bei der Inklusion schlecht abschnitte, einen Aufgabenberg vor sich herschöbe und nun Hürden zur Seite geschoben werden müssten. Anton Baur (Bayernpartei) möchte Schulen und öffentliche Gebäude, auch im Außenbereich beispielsweise mit befahrbaren Flächen anstatt Kieswegen, besser ausstatten.
Wann wird der Bahnhof in Kaufering barrierefrei?
Zum Thema Mobilitätshilfen für Menschen mit Behinderung sagte Münster (FDP), dass der Bezirkstag die Erhöhung der Beträge beschlossen und auch die Nachweispflichten reduziert habe. Angesprochen wurde auch, dass der Bahnhof in Kaufering nach wie vor nicht barrierefrei sei. Darauf die Kauferingerin Triebel (Grüne): „Darauf warten wir seit über 30 Jahren.“ Auf ihre Nachfragen habe sie erfahren, dass damit statt 2023 erst 2025 begonnen werden solle.
Zur Zukunft der Werkstätten sagte Landrat Eichinger, der für den Bezirkstag kandidiert, dass er diese erhalten und modernisieren wolle. Susanne Droth (FW) erntete viel Applaus mit der Bemerkung, dass für gute Arbeit auch derselbe Lohn wie auf dem ersten Arbeitsmarkt gezahlt werden solle. Zum Thema Wohnen sagte Münster (FDP), der Bezirk baue im Landkreis und er wolle sich auch für Projekte wie Wohngruppen in Quartieren einsetzen. Buck (Die Partei) sagte, er wolle die „Zockerei aus dem Immobilienmarkt herausnehmen“. Ganzheitliche Konzepte und genossenschaftliche Strukturen brauche es in der Pflege, bei Mehrgenerationenprojekten und der Inklusion.