Seit 1982 gehört Franz Fischer schon dem Bund der Selbstständigen an, 2016 übernahm er den Vorsitz. Jetzt legt der 77-Jährige sein Amt in jüngere Hände. Der Vorstand des BDS Landsberg wird künftig aus einer Doppelspitze bestehen.
Gewählt wurden Brigitte Dyck (45) aus Eresing sowie Veith Kösslinger (29) aus Finning. Stellvertretender Vorsitzender ist Dennis Scholl von Fenster Scholl aus Ramsach, Schriftführer Veith Kösslingers Bruder Valentin Kösslinger (25), Versicherungsmakler. Als Schatzmeisterin wurde die selbstständige Buchhalterin Jelena Deric (45) gewählt. Zum erweiterten Vorstand gehören Sabrina Marschel, Franz Fischer und Kornelia Endhart.
Kösslinger ist studierter Wirtschaftsingenieur und seit eineinhalb Jahren als Investmentberater tätig. Dyck ist Wirtschaftspsychologin und begleitet Führungskräfte und Teams in ihrer Entwicklung. „Wir bilden eine Speerspitze“, sagte Kösslinger in seiner Ansprache, und Dyck forderte die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei der Jahresversammlung in Kaufering zum Mitmachen auf und interessante Themen anzusprechen. Mit zwölf Wahlberechtigten war die Veranstaltung klein ausgefallen, insgesamt gehören dem BDS Landsberg und Umgebung, nach Informationen von Franz Fischer, 130 Unternehmen in der Stadt und 300 im Landkreis an.
Die Bürgerinnen und Bürger protestierten gegen einen amerkanischen Konzern
Franz Fischer warf einen Blick zurück auf die Geschichte des BDS Landsberg und damit auch auf die turbulenten Zeiten, als sich der amerikanische Konzern Eli Lilly ansiedeln wollte. „50 Hektar sollten bebaut werden. Der Stadtrat hat es genehmigt, aber 4000 Bürgerinnen und Bürger gingen auf die Straße und protestierten dagegen“, so Fischer. Dass die Ansiedelung nicht gegen den Willen der Bürgerinnen und Bürger und des BDS durchgezogen wurde, habe sich mittlerweile als richtig erwiesen, denn auf den Flächen hätten sich eine Vielfalt an Unternehmen aus dem Mittelstand angesiedelt. Der BDS habe in dieser turbulenten Zeit an Stärke gewonnen.
Auf eine lebendige Zeit mit vielen Gewerbemessen folgte Stillstand. Schwung in den BDS brachte die Gründung des starken Ortsverbands Kaufering. Später ging dieser und viele kleine Ortsverbände im BDS Landsberg und Umgebung auf. In Fischers Ära wurde das Unternehmernetzwerk BMU net gegründet und das Businessfrühstück ins Leben gerufen. Rund 150 fanden bei Mitgliedern des BDS in den vergangenen Jahren statt und dienten der Vernetzung und – durch Vorträge – auch der Weiterbildung. Ob Firmenbesichtigungen, Reisen oder Besuche im Bayerischen Landtag, der BDS bot stets ein großes Programm, zu dem auch der Frühjahrsempfng und später der Lichtmessempfang in Landsberg zählte. Auch an den Nachwuchs wurde gedacht und die BDS Azubi Akadamie auf die Beine gestellt. Federführend dafür war Emma Grundler, die wie auch die stellvertretende Vorsitzende Claudia Jenewein in ihrem Amt verabschiedet wurde.
Kritik an der Regierung, die keine echten Lösungen bietet
Zur Jahresversammlung war auch Bundestagsabgeordneter Michael Kießling gekommen, der den BDS als wichtigen Partner lobte, der „aus der Praxis sagen kann, was läuft oder nicht.“ Kießling stellte eine Einkommenssteuerreform für 2027 in Aussicht, und demnächst solle auch ein Vorschlag für die Arbeitszeitflexibilisierung auf dem Tisch liegen. 18 Milliarden Euro würden in Zukunftstechnologien investiert und 500 Millionen Euro in die Long-Covid-Erforschung. Auch mit dem Bürokratieabbau in der Landwirtschaft sei begonnen worden, so Kießling. Uwe Jennerwein vom Bezirksverband Obayerbayern des BDS kritisierte dagegen die hohen Abgaben, die Bürokratie und dass es von der Regierung keine echten Lösungen gebe. Auch die Haltung Deutschlands, der „Musterschüler“ in Europa zu sein, war ihm ein Dorn im Auge.
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