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Preisexplosion beim Sprit: „Eine sechsstellige Summe an Mehrkosten ist bereits aufgelaufen“

Landkreis Landsberg

Preisexplosion beim Sprit: „Eine sechsstellige Summe an Mehrkosten ist bereits aufgelaufen“

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    Stefan Michl, Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Logistikunternehmens aus Obermeitingen, blickt mit Sorge auf die Auswirkungen der aktuellen Spritpreise.
    Stefan Michl, Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Logistikunternehmens aus Obermeitingen, blickt mit Sorge auf die Auswirkungen der aktuellen Spritpreise. Foto: Thorsten Jordan

    Ganz Deutschland stöhnt derzeit über die sehr hohen Spritpreise. Unsere Redaktion hat sich mit vier Unternehmern, darunter Kreishandwerksmeister Markus Wasserle, aus dem Landkreis Landsberg unterhalten, was das für die Firmen bedeutet, wie sie darauf reagieren und womit Kunden rechnen müssen. Ein Unternehmer ist nicht glücklich über die Vorgehensweise des Landratsamts.

    Stefan Michl vom gleichnamigen Speditionsunternehmen spricht von einer „wahnsinnigen Dynamik“, in der die Preise in die Höhe schossen. „Eine sechsstellige Summe an Mehrkosten ist bereits aufgelaufen.“ Die muss sein Unternehmen nun erst einmal zahlen, bekommt es aber von den Kunden teilweise wieder. „Wir sind natürlich das letzte Glied in der Kette und spüren den Druck. Alles bekommen wir sicher nicht erstattet.“

    An dieser Tankstelle in Landsberg stieg der Preis für Super E10 am Freitag um 12 Uhr um sieben Cent auf 2,18 Euro je Liter.
    An dieser Tankstelle in Landsberg stieg der Preis für Super E10 am Freitag um 12 Uhr um sieben Cent auf 2,18 Euro je Liter. Foto: Thorsten Jordan

    Grundsätzlich sei es so, dass in der Transportbranche Verträge bezüglich des Dieselpreises über eine gewisse Zeitspanne geschlossen würden. Liegt der Preis über dem vereinbarten Durchschnittswert, zahlt der Kunde nach, liegt er darunter, erhält er etwas zurück. In einigen Fällen erfolge die Abrechnung in kurzen Zeitabständen, meist aber in Quartalen. „Der Durchschnittspreis der Monate Januar bis März wird den Preissprung nur punktuell kompensieren“, so Michl. Der Krieg im Iran brach am 28. Februar aus. Wegen der vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe und der Zusage, Schiffe durch die Straße von Hormus zu lassen, sanken die Preise zuletzt wieder etwas.

    Aufgrund der quartalsweisen Abrechnung rechnet Michl erst Mitte des Jahres mit einer Entlastung. Was ihm auch Sorge bereitet: „Es herrscht ohnehin Fahrermangel. Die Kostenexplosion könnte einige Subunternehmer in die Insolvenz treiben. Wir mieten auch Frachtraum an, der dann fehlen würde“, verweist Michl.

    Neben diesen Problemen bleibe auch die Frage, wie sich der kriegerische Konflikt im Nahen Osten entwickle und was künftig bei der Straße von Hormus gelte. Im Raum stehen Mautgebühren, die der Iran kassieren könnte, das würde die Transportkosten erhöhen, was wiederum alle dauerhaft spüren würden, verweist Michl. „Wir fahren auf Sicht. Ich denke nicht, dass der Dieselpreis schnell wieder unter zwei Euro fällt.“ Der Geschäftsführer hofft, dass der Bund einen Gewerbediesel beschließt, um die Firmen zu entlasten. „Supermärkte, Produktionsketten, es hängt alles an der Logistikbranche, die funktionieren muss“, mahnt er. Handlungsspielräume sieht er keine. Langsamer zu fahren, um den Verbrauch zu reduzieren, sei quasi unmöglich. „Wir haben Vorgaben, in welchen Zeitfenstern unsere Kunden die Fracht be- und entladen. Hinzu kommen die Vorschriften zu Lenk- und Ruhezeiten.“

    Kauferinger Taxiunternehmen setzt Dieselfahrzeuge möglichst selten ein

    Der Kauferinger Taxiunternehmer Stefan Thoma hat Konsequenzen gezogen. „Wir haben fünf Hybridfahrzeuge und drei mit Diesel. Letztere versuchen wir aktuell so wenig wie möglich einzusetzen.“ Welchen Preis er für die Fahrten verlangen darf, setzt das Landratsamt fest. „Zum 1. Juni steigt der Preis um zehn Cent je Kilometer. In anderen Landkreisen wurde auf kurzem Dienstweg ein Zuschuss von 1,50 Euro je Fahrt gewährt, in Landsberg leider nicht.“ Das Landratsamt teilte auf Nachfrage mit, dass der zuständige Mitarbeiter am Montag wieder im Haus sein wird und deswegen am Freitag keine Stellungnahme dazu möglich war.

    Thoma plädiert ebenfalls für eine steuerliche Entlastung durch die Bundesregierung. Dass diese beschlossen habe, dass der Preis von den Tankstellen nur noch einmal am Tag geändert werden darf, sei „voraussehbar“ keine gute Idee gewesen. „Ich mache mir Sorgen, wie lange das noch gut geht“, sagt Thoma.

    Schon während des starken Preisanstiegs wegen des Ukrainekriegs im Jahr 2022 habe er, anders als der öffentliche Nahverkehr, keine Unterstützung durch den Landkreis bekommen, sagt Thoma. Auf eine diesbezügliche Entscheidung wartet Philipp Schnappinger vom gleichnamigen Uttinger Busunternehmen allerdings auch noch, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wegen der Kommunalwahl wurden wir auf Mai vertröstet. Wir hoffen, dass wir vom Landkreis und den Gemeinden wieder einen Dieselausgleich erhalten.“ Auch er rechnet damit, dass die Preise noch länger deutlich über dem Niveau von vor dem Ausbruch des kriegerischen Konflikts im Iran bleiben.

    Busunternehmen hofft, dass Gemeinden und Landkreis einen Zuschuss gewähren

    Die Firma Schnappinger betreibt auch eine freie Tankstelle in Utting. Dort spürt sie den Frust der Kunden direkt. „Dabei verdienen wir als Betreiber am Sprit keinen einzigen Cent mehr als vorher“, betont der Geschäftsführer. In den vergangenen Wochen bildeten sich aber auch Schlangen vor ihrer Tankstelle. „Wir haben am Wochenende und an Feiertagen nur einen Automaten. Da legen wir den Preis vorher fest und lagen damit bis zu 15 Cent unter dem, was ein Mitbewerber verlangte. Wir waren dann leergekauft.“ Auch sein Unternehmen hat Zeitklauseln in den Verträgen. Kosten fürs Personal und den Sprit werden einmal im Jahr verhandelt, sagt der Busunternehmer.

    Kreishandwerksmeister Markus Wasserle hat bei seiner Reinigungsfirma ein Viertel der Flotte bereits auf E-Autos umgestellt. Er spricht von „Hilflosigkeit und gespannten Abwarten“ mit Blick auf die aktuelle Situation. Jede Entscheidung sei „eine Wette, wie sich die Situation am nächsten Tag wohl darstellt.“ Wo es gehe, würden Kaufentscheidungen verzögert und Investitionen nicht getätigt, was Auswirkungen auf die Firmen habe. Der Ausbau alternativer Energiequellen sei wichtig, das zeige sich jetzt wieder. Wasserle beklagt, dass der Bund zu wenig Engagement zeige beim Thema Forschung und Förderung beim Wasserstoff. „Für die Lkw und Baufahrzeuge wäre das wichtig.“

    Kreishandwerksmeister Markus Wasserle fordert mehr Forschung und Tempo bei alternativen Energiequellen.
    Kreishandwerksmeister Markus Wasserle fordert mehr Forschung und Tempo bei alternativen Energiequellen. Foto: Thorsten Jordan

    In der Senkung der Kfz-Steuer sieht er eine „sinnvolle und schnell umsetzbare“ Möglichkeit zu entlasten. Bei seiner eigenen Firma sei der Spritpreis nicht das Gravierendste, sagt er. Wasserle blickt aber mit Sorge auf die Preise für Produkte, die Erdöl enthalten, unter anderem Einmal-Handschuhe. Was er mit Blick aufs Thema Transportkosten bereits macht, ist Bestellungen zu bündeln und größere Mengen zu ordern.

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