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Residency-Projekt in Landsberg: Nora Reitelshöfer und die Intellektualisierung der Schmuckkunst

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Residency-Projekt: Für Nora Reitelshöfer soll es künftig einen „heiligen“ Kunsttag geben

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    Bei der Vernissage im Hinteren Anger 300 tauschte sich Nora Reitelshöfer mit Professor Werner Kröner aus. Rechts im Bild ist Wolfgang Hauck, Initiator der Kronenringe-Residency zu sehen.
    Bei der Vernissage im Hinteren Anger 300 tauschte sich Nora Reitelshöfer mit Professor Werner Kröner aus. Rechts im Bild ist Wolfgang Hauck, Initiator der Kronenringe-Residency zu sehen. Foto: Thorsten Jordan

    Was haben Streichhölzer und Grafit mit Schmuck zu tun? Es sind diese spannenden Entdeckungen von Materialien und deren Verarbeitungsmöglichkeiten, die die Wochen in der ehemaligen Werkstatt der im vergangenen Jahr verstorbenen Goldschmiedin Barbara Helleis für die Künstlerinnen und Künstler des Kronenringe-Programms so wertvoll machen. Sie blicke auf eine schöne Zeit in Landsberg zurück, in der sie fokussiert und konzentriert arbeiten konnte, sagte die Schmuckkünstlerin Nora Reitelshöfer unserer Redaktion bei der Vernissage im Hinteren Anger 300.

    Gezeigt wurden aktuelle Schmuckstücke der Künstlerin, auch solche, die sie auf Grundlage von Gussteilen von Barbara Helleis schuf. Diese wurden nicht wie sonst oft üblich mit Edelsteinen veredelt. Sondern mit Streichholzstaub – Schwefelverbindungen auf Silber. Pins zum Anstecken sind da in den Vitrinen zu sehen, die die ganze Farbpalette von Streichholzköpfen zeigen, die Künstlerin Nora Reitelshöfer bei ihren Recherchen fand, Streichhölzer als Broschen oder als Objekte von Installationen, auch in Übergrößen.

    „Ich arbeite mit Streichhölzern, weil sie einen Moment in sich tragen“

    Nora Reitelshöfer, 1993 in Fürth geboren, ist ausgebildete Goldschmiedin und studierte bis vor Kurzem an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seitdem beschäftigt sie sich mit Streichhölzern und hat das Thema auch mit nach Landsberg genommen. Die intensive Auseinandersetzung damit habe Nora Reitelshöfer geholfen, ihre Angst vor Feuer zu überwinden – und sozusagen erst die Grundlage dafür geschaffen, das Goldschmieden zu lernen. „Ich arbeite mit Streichhölzern, weil sie einen Moment in sich tragen. Einen Zustand vor dem Ausbruch, kurz vor der Verwandlung“, sagte Reitelshöfer. Zwar sei das Streichholz klein, zugleich jedoch Träger einer Gefahr, die sich nie ganz bannen lässt. „In meinen Arbeiten halte ich diese Spannung fest“, so Nora Reitelshöfer.

    Eine Brosche aus Silber, auch hier hat die Künstlerin mit Streichholzstaub gearbeitet.
    Eine Brosche aus Silber, auch hier hat die Künstlerin mit Streichholzstaub gearbeitet. Foto: Thorsten Jordan

    Nicht ganz so alltäglich ist ein Material, das die Schmuckkünstlerin neu während ihrer Residency-Zeit erforscht hat: Grafit. Ein bisschen zu stark aufgedrückt, und schon ist die Bleistiftmine abgebrochen – wie kann sich dieses Material für Schmuck eignen? Mehr durch Zufall habe sie herausgefunden, dass sich Grafit gut bearbeiten lasse. Dabei sei eine ganz schöne „Sauerei“ in der Werkstatt entstanden, erzählte Nora Reitelshöfer mit einem Schmunzeln. Tief im Inneren der Erde durch Druck entstanden, wird Grafit verwendet, um Spuren zu hinterlassen – beim Schreiben oder Skizzieren. Gedanken werden zu Wörtern. „Gleichzeitig ist das Material weich und brüchig und jede Berührung hinterlässt eine Spur auf der Haut“, beschreibt die Künstlerin das Spannungsfeld.

    Die nächsten Künstler kommen aus Finnland und Mexiko

    Tatsächlich umfasst die Grafit-Schmuckstücke eine Unnahbarkeit. Vor allem die nicht polierten Stücke schlucken das Licht wie ein schwarzes Loch. Die formale Sprache, die Nora Reitelshöfer für den Schmuck gewählt hat, unterstreicht diesen Eindruck. Stark und streng wirken sie und strafen damit glitzernden und bunten Tand ab, mit machtvoller Strenge und Anklängen von Trauer und Tod.

    Fünf der in Landsberg geschaffenen Schmuckstücke werden in der Residency-Kronenringe-Sammlung verbleiben, informierte Initiator Wolfgang Hauck und kündigte gleich die nächsten Künstler an, die nach Landsberg kommen werden, und zwar aus Finnland und Mexiko.

    Nora Reitelshöfer setzt sich in ihrer Arbeit intensiv mit Streichhölzern auseinander.
    Nora Reitelshöfer setzt sich in ihrer Arbeit intensiv mit Streichhölzern auseinander. Foto: Thorsten Jordan

    Bei der Vernissage im Hinteren Anger 300 entspann sich ein interessanter Austausch zwischen Nora Reitelshöfer und Professor Werner Kroener aus München, beispielsweise darüber, ob Schmuck immer tragbar sein muss und über den Unterschied zwischen dem Handwerk des Goldschmiedens und des Schmuckstudiums. Durch das Studium sei sie frei geworden, es habe eine Intellektualisierung des Schmucks mit sich gebracht, sagte Nora Reitelshöfer. Es wurde deutlich, dass Schmuckkunst, im Vergleich zu anderen Kunstformen, noch mehr um Ansehen kämpfen muss.

    Neben vielen Begegnungen, zu denen ihr auch Hündin Ulrike verholfen hat, und einer angenehmen Ruhe in Landsberg, die sie in München vermissen wird, nimmt Nora Reitelshöfer auch einen guten Vorsatz nach Hause mit. Künftig soll es in ihrem Leben einen „heiligen“ Kunsttag geben, der nicht verhandelbar ist. Denn bislang blieb neben Arbeit und Studium oft nicht genügend Zeit, sich der Kunst wirklich hinzugeben. Der Bruch mit dem Alltag kam erst mit dem Aufenthalt in der Kronenringe-Residency in Landsberg.

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