Für Christian Röck sind die bayerischen Meisterschaften inzwischen vorbei. Zwei intensive Wettkampftage liegen hinter dem 47-Jährigen aus Unterdießen – Tage, die er wohl so schnell nicht vergessen wird. Zwar reichte sein Können am Ende „nur“ bis zum Viertelfinale, dass Röck aber überhaupt auf den Bahnen der bayerischen Meisterschaften antreten durfte, war eine kleine Sensation.
Denn mitten unter Spielern aus hohen Landes- und Bayernligen stand plötzlich ein Kegler aus Unterdießen, der selbst nicht damit gerechnet hatte, so weit zu kommen. „Die Qualifikation für die Bayerische war für mich sehr überraschend, weil ich wahrscheinlich der Kegler aus der niedrigsten Liga bin, der teilnehmen durfte“, sagt Röck. „Das ist schon etwas sehr Besonderes.“
Kegeln ist mehr als ein geselliges Rollen einer Kugel im Vereinsheim
Und genau darin steckt die Geschichte, die den Reiz dieses Sports ausmacht. Kegeln ist längst nicht nur geselliges Rollen einer Kugel im Vereinsheim. Wer einen Wettkampf erlebt, spürt schnell die besondere Atmosphäre: das konzentrierte Schweigen vor dem Wurf, das dumpfe Rollen der Kugel über die Bahn, das harte Krachen der fallenden Kegel. Präzision entscheidet über Erfolg oder Misserfolg und oft auch die mentale Stärke.
Seit 2015 ist der Unterdießener aktiver Sportkegler und Mitglied beim Kegelclub Oberdießen. Geboren und aufgewachsen in Unterdießen, lebt Röck bis heute in seiner Heimatgemeinde. Viele kennen ihn dort als Gemeinderat. „Kegeln ist für mich ein Sport, bei dem ich den Kopf frei bekomme“, sagt Röck. „Das ist ein guter Ausgleich zum Arbeitsalltag.“ Außerdem sei das ein Sport, der durchaus bis ins hohe Alter betrieben werden kann und der Geselligkeit und Fokussierung auf die eigenen Stärken miteinander verbindet. Wer hektisch wird oder sich über Fehler aufregt, verliert schnell die Konzentration. Röck ist überzeugt, dass viel mehr Menschen Gefallen am Sportkegeln finden könnten, wenn sie diese Sportart einfach einmal ausprobieren.
Über die 120 Würfe hinweg entscheiden oft Kleinigkeiten. Nicht der spektakulärste Wurf gewinnt, sondern der Spieler, der seine Leistung konstant abrufen kann. Genau das machte Röck auf seinem Weg zur bayerischen Meisterschaft so stark. Die Qualifikation dafür begann im Sportkeglerkreis Zugspitze mit den Kreismeisterschaften. Die besten Spieler qualifizierten sich anschließend für die oberbayerischen Bezirksmeisterschaften. Und dort gelang Röck die Überraschung. Bei der Bezirksmeisterschaft in Bad Endorf spielte sich der Unterdießener sensationell auf Rang zwei. Ein Ergebnis, mit dem vermutlich kaum jemand gerechnet hatte.
Christian Röck scheidet erst im Viertelfinale gegen den späteren bayerischen Meister aus
Die bayerischen Meisterschaften selbst gelten als Höhepunkt des Sportkegeljahres im Freistaat. Über Vorläufe und Finaldurchgänge werden die Titelträger ermittelt, viele Teilnehmer kämpfen zugleich um die Qualifikation für weiterführende nationale Wettbewerbe. Für Röck bedeutete allein die Teilnahme bereits ein außergewöhnliches Erlebnis. Große Erwartungen hatte er deshalb nie. Vielleicht gerade deshalb wirkte der Unterdießener vor den Wettkämpfen bemerkenswert entspannt. „Ich versuche das Ganze zu genießen“, sagte Röck kurz vor den Meisterschaften gegenüber unserer Redaktion. „Ich habe ja nichts zu verlieren.“
Im Wettkampf selbst, berichtete Christian Röck nach dem Wochenende, sei er allerdings im Viertelfinale an seine Grenzen gekommen. Nicht körperlich, aber mental. „Da war ich dann doch schon sehr aufgeregt.“ Übrigens ist Röck dort gegen den späteren neuen bayerischen Meister Matthias Hüttner ausgeschieden, nachdem ihm im Vorlauf ein Ergebnis gelungen war, das er so noch nie erreicht hatte. „Über 600 habe ich nie gekegelt“, sagt er stolz.
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