Die Szenerie in der Turnhalle des Ammersee-Gymnasiums wirkt auf den ersten Blick unscheinbar: Zwei bemalte Holzbretter stehen sich im Abstand von rund acht Metern gegenüber, neben einem stehen Menschen mit konzentrierten Gesichtern. In der Hand ein Stoffsäckchen, dann ein kurzer Schwung und das Säckchen segelt durch die Luft in Richtung Brett Nummer zwei. Manchmal landet es auf dem Brett, manchmal daneben und hin und wieder auch in dem Loch, das sich in jedem der Bretter befindet.
Doch was bei Dieter Fischer und seiner Mitspielerin Diana Lantschner aus Dießen so leicht aussieht, entpuppt sich schnell als gar nicht so einfach. Nur mit Übung gelingt es, das 450 Gramm schwere, 15 Zentimeter messende quadratische Säckchen zu versenken.
Die Suche nach einem Verein, der Cornhole ins sportliche Programm aufnehmen wollte, gestaltete sich sehr schwierig
Cornhole heißt die Trendsportart aus den USA, die nun auch beim ASV in Dießen angekommen ist. Cornhole deswegen, weil früher die Säckchen mit Maiskörnern gefüllt wurden, heute enthalten sie unterschiedliche Granulate.
Übrigens: 1883 wurde, wie Dieter Fischer beim Besuch unserer Redaktion in der ASG-Turnhalle berichtet, das Patent auf Cornhole angemeldet. Dieses Patent, das als Vorläufer des heutigen Cornhole gilt, ist „Parlor Quoits“ von Heylinger de Windt aus dem Jahr 1883 (US-Patentnr. 306.360) und beschreibt eine erhöhte Plattform mit einem Loch, ähnlich modernen Cornhole-Boards. Außerdem zeigt uns Fischer einen Bauplan für ein Brett zum Cornhole-Spiel aus dem Jahr 1915.
Der Cornhole-Trainer weiß, wovon er spricht. Vor eineinhalb Jahren ist er zurück nach Landsberg gekommen und hat sich in der Region nach einem Verein umgesehen, der bereit wäre, Cornhole in sein sportliches Angebot aufzunehmen. „Das war gar nicht so leicht, ich habe etliche Absagen oder gar keine Antworten bekommen“, erinnert er sich. Beim ASV in Dießen aber stieß er auf offene Ohren. Zuvor lebte Dieter Fischer in Mannheim, spielte dort aktiv Cornhole – und schaffte es 2024 sogar bis in die Bundesliga.
Bereits 1883 wurde das Patent auf Cornhole angemeldet
Cornhole ist schnell erklärt, aber schwer zu meistern. Ziel ist es, kleine gefüllte Säckchen („Bags“) auf ein 60 Zentimeter breites, 1,20 Meter langes, um zehn Grad geneigtes Brett mit einem Loch von 15 Zentimetern Durchmesser zu werfen. Bleibt ein Säckchen oben liegen, gibt es einen Punkt. Fällt es durch das Loch, sind es drei.
Gespielt wird einzeln oder im Team, meist bis 21 Punkte. In jeder Runde werfen die Spieler abwechselnd ihre vier Säckchen, erst am Ende wird abgerechnet. Dabei zählt nur die Punktedifferenz, was jede Runde spannend macht und überraschende Wendungen ermöglicht.
Die eigentliche Faszination liegt im Wurf selbst: ein fließender Bewegungsablauf, ein Hauch Rotation im Handgelenk, das leise Aufklatschen des Bags auf dem Holz. Wer es perfekt trifft, lässt das Säckchen sanft über das Brett gleiten, direkt ins Loch.
Es geht um Technik, Rhythmus und mentale Stärke. Der Wurf sollte eher hoch als flach sein, mit einer leichten Drehung, ähnlich wie beim Frisbee. Ziel ist es, das Bag kontrolliert im unteren Bereich des Boards landen zu lassen, damit es ins Loch „nachrutscht“.
Cornhole ist ein Sport für jeden Fitnessgrad und jedes Alter
Mit zunehmendem Niveau kommen taktische Elemente hinzu: Blockieren, gezieltes Wegstoßen gegnerischer Bags oder der spektakuläre „Airmail“-Wurf direkt ins Loch. Cornhole ist ein Spiel aus Strategie und Feingefühl, irgendwo zwischen Boule, Darts und Zielwurf. Dieser Sport ist zudem niedrigschwellig, generationsübergreifend und sofort zugänglich.
Wer es ausprobieren möchte, kann sich beim ASV in Dießen melden. Informationen gibt es unter www.ammersee-sportverein.com. Gespielt wird Cornhole jeden Freitag von 18.30 bis 20 Uhr in der Turnhalle des Ammersee-Gymnasiums.
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