Philipp Holderried ist 16 Jahre alt, wohnt in Buchloe, besucht dort die Realschule und macht in seiner Freizeit das, was viele Jugendliche gerne machen: Basketball spielen, Freunde treffen, Fortnite oder Rocket League zocken. Doch sobald er Helm und Pads anzieht, wird aus dem Schüler ein Footballspieler, der dorthin geht, wo es auf dem Feld am meisten kracht: mitten hinein in die gegnerische Line.
Holderried spielt bei der U19 des Landsberg X-Press. Seine Position ist Defensive Noseguard – direkt gegenüber dem Center, dort, wo jeder Spielzug beginnt. „Ich versuche nur, den Quarterback umzubringen“, sagt er trocken. Natürlich meint er das sportlich, aber der Satz zeigt ziemlich genau, was ihn am Football reizt: die Körperlichkeit, die Herausforderung und das kompromisslose Duell Mann gegen Mann.
Zum Football kam Holderried eher zufällig, weil seine Mutter ihn mit etwa zehn Jahren ins Flag Football beim X-Press steckte, da er zu viel Zeit auf der Couch verbracht hatte. Dort blieb er, wechselte mit 14 zum Tackle Football und spielte zunächst Center, ehe er die Defensive Line für sich entdeckte.
Vom X-Press in den Nationalkader
2025 wurde Holderried mit den Bavarian Warriors deutscher U18-Meister. Wenig später folgte die Einladung zur Sichtung der U19-Nationalmannschaft nach Hennef. „Ja, geil. Super“, war seine erste Reaktion, auch wenn ihm klar war, dass viele Konkurrenten älter und erfahrener sein würden. Er rechnete damit, „absolut zerstört“ zu werden, wollte aber trotzdem alles geben. Bei der Sichtung wurden Geschwindigkeit, Agilität und Kraftwerte geprüft, dann kam der Rückschlag: Holderried verletzte sich und musste abbrechen. Er glaubte, die Chance sei vorbei, doch dann meldete sich der Trainer mit der Nachricht, dass er in den erweiterten Kader aufgenommen werde. Danach, erzählt er, sei er in seinem Zimmer komplett ausgerastet.
Ungarn, Pech und ein großes Ziel
Er wurde zum Lehrgang nach Ungarn eingeladen, doch kurz vor dem Spiel gegen die ungarische Auswahl verletzte er sich am Fuß. Schlimm genug, aber es gab noch eine Steigerung, denn später hatte er erfahren, dass er in der Startformation gestanden hätte. Es war der bitterste Moment seiner jungen Footballgeschichte. „Das war das erste Mal seit Jahren, dass ich geweint habe“, sagt er. Die Diagnose folgte später in Deutschland: Syndesmosebandriss, Operation, Reha.
Trotzdem bleibt von dieser Reise mehr als die Verletzung. Holderried war dabei, wurde gesehen und hätte gespielt. Für den 16-Jährigen, der erst vor zwei Jahren mit Tackle Football begonnen hat, ist das eine enorme Bestätigung. Im Herbst soll es weitergehen, vielleicht sogar mit einer Reise nach Finnland – und dem Adler auf der Brust.
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