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Was für ein Theater! (2): Vom weißen Skript zur großen Herausforderung

Kolumne

Was für ein Theater! (2): Vom weißen Skript zur großen Herausforderung

Vanessa Polednia
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    Die Theatergruppe beim Proben im Stadl in Heinrichshofen.
    Die Theatergruppe beim Proben im Stadl in Heinrichshofen. Foto: Vanessa Polednia

    Das Textbuch ist da. Frisch gedruckt, noch ganz unschuldig. Ein paar Textmarkerstriche später zeigt sich: Während das Heft von Hauptdarstellerin Sonja Ruch fast schon radioaktiv leuchtet vor lauter Markierungen, bleibt das eigene Manuskript größtenteils blütenweiß. Teil zwei der Kolumne „Was für ein Theater!“.

    Die Hauptdarstellerin lernt ihren Text beim Spazieren durch Egling

    Eine kleine Nebenrolle im Stück „Pension Schöller“ der Kulturinitiative „Egling-Huaschof-Intakt“ hat ihre Vorteile. Zunächst lehnt sie sich entspannt zurück und denkt: kein Problem. Ganz anders die Hauptdarstellerin. Sie lernt aus Erfahrung und vermutlich auch aus reinem Überlebensinstinkt. Von Tag eins an wird Text gebüffelt. „Am besten im Gehen und laut aufsagend!“, lautet die Devise. Und plötzlich ergibt sich ein neues Bild im Ort: Menschen, die scheinbar Selbstgespräche führen, konzentriert an der Paar entlanglaufen und wild gestikulieren. Die Eglinger wissen: Das ist keine Verrückte. Das ist eine Laiendarstellerin mitten im Lernprozess!

    Ich versuche es zunächst leise. Im Kopf. Vielleicht mal halblaut vorlesen. Aber schnell wird klar: Das bringt ungefähr so viel wie Vokabeln lernen, indem man das Buch unter das Kopfkissen legt. Also der nächste Versuch: eine dieser Textlern-Apps. Heruntergeladen, geöffnet – und sofort die Nerven und das Interesse wegen der umständlichen Programmierung verloren. Immerhin, zwei Emotionen sitzen jetzt schon sicher: Wut und Desinteresse.

    Korkentrick hilft beim Textlernen

    Dann die Erinnerung an ein Gespräch mit einer Musical-Darstellerin, die vom berühmten Korkentrick erzählt hat. Also Korken zwischen die Zähne und dann den Text sprechen. So spricht man im Anschluss nicht nur deutlicher; sondern kann sich durch die Anstrengung auch den Text besser merken. Und tatsächlich scheint es zu helfen. Angenehm ist es aber nicht.

    Doch dann die Erkenntnis: Nur weil man den Text auf der Autofahrt von Landsberg nach Heinrichshofen noch fehlerfrei konnte, heißt es nicht, dass man ihn in der Interaktion mit den anderen auf der Bühne noch kann. Und kaum sitzt der Text so halbwegs, kommen die nächsten Baustellen. „Lauter!“, ruft es aus dem Zuschauerraum. „Deutlicher!“ – „Vieeel Langsamer!“

    Die Theatergruppe beim Proben im Stadl in Heinrichshofen.
    Die Theatergruppe beim Proben im Stadl in Heinrichshofen. Foto: Vanessa Polednia
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