Ein Garten kann heilsam sein: Wie Pflanzen und Gartenarbeit der Gesundheit dienen können, darüber erfuhren Interessierte von Gartentherapeuten auf dem Gelände der Gärtnerei Löwenzahn in Reichling viel Wissenswertes. Anlass war der weltweite Gartentherapietag.
Ob bei Depressionen, Demenz und anderen Erkrankungen oder einfach zur Vorbeugung: In den unterschiedlichsten Lebenslagen und bei den verschiedensten Leiden könnten Pflanzen oder allein die Beschäftigung mit dem Garten für die Betroffenen hilfreich sein, wie die Interessierten erfuhren.
Kräuter sollen bei Menschen mit Demenz Erinnerungen hervorrufen
Dazu müssen die Kräuter und Pflanzen gar nicht unbedingt gegessen werden: „Arbeiten in der Natur tut der Gesundheit gut“, machten die Gartentherapeutinnen Angela Ulrich und Ruth Wetzel den Besuchern und Besucherinnen klar. „Es gibt Studien, dass das Arbeiten mit Pflanzen und sogar allein der Aufenthalt im Grünen das Wohlbefinden fördert und auch Menschen mit psychischen Erkrankungen guttut“, erklärten Ulrich und Wetzel.
So könne man Kräuter beispielsweise riechen, schmecken, tasten – also mit allen Sinnen genießen, legten sie dar. Solche Sinnesanregungen seien vor allem auch bei Menschen mit Demenz hilfreich, erläuterte Wetzel: Eine „Stimulation durch Kräuter“ könne unterstützend wirken. Kräuter könnten bei Menschen mit Demenz auch bestimmte Erinnerungen wieder wecken: Gerade dann, wenn es sich um ein Kraut handele, das die Menschen früher selbst zum Kochen verwendet hätten, so die Gartentherapeutin.
Wetzel schlug auch vor, Menschen mit Demenz Blumen flechten zu lassen: „Das können ältere Menschen meist noch lange“, erklärte sie. Ältere Menschen könnten zum Beispiel einen Ring aus Lavendel oder blühendem Schnittlauch flechten, der dann am Rollator befestigt werden könne.
Die Besucher und Besucherinnen konnten bei der Veranstaltung auch Tastinstrumente ausprobieren, die Angela Ulrich demonstrierte. Um die Wahrnehmung zu schärfen, könne man sich in seinen Garten solche Tastinstrumente aufstellen, erklärte Ulrich. Wie die Gartentherapeutin aus Fuchstal darlegte, könne man solche Instrumente leicht selber machen, indem man leicht tastbare Utensilien wie etwa Steine, Walnussschalen, Knöpfe oder ähnliche Dinge auf einer Platte befestigt und diese dann regelmäßig tastet.
Tastinstrumente im Garten schärfen die Wahrnehmung
Gartentherapie kann auch für behinderte Kinder eine Unterstützung sein: Für diese Kinder sei es oft gut, wenn sie sich um Pflanzen kümmern könnten, wie die Gartentherapeutinnen erklärten.
Die Pflege einer Pflanze sei aber auch gegen Depressionen wirksam: „Wenn sie sich um Pflanzen kümmern, kann es den Leuten helfen, dass sie sich wieder besser fühlen, und sie wieder rausgehen und Freude am Leben haben“, legten die Gartentherapeutinnen dar. Und bei älteren, einsamen Leuten könnte die gezielte Pflege einer Pflanze helfen, dass sie wieder eine Aufgabe hätten.
„Die Gartentherapie richtet sich an Menschen jeden Alters“, erklärte Angela Ulrich. Sie biete Unterstützung bei der Rehabilitation, der Förderung von Selbstständigkeit sowie der Verbesserung der Lebensqualität.
Rainer Engler von der Blumenschule in Schongau hielt beim Weltgartentherapietag einen Vortrag über Rituale mit Kräutern. Er zeigte, wie man die Energien der Pflanzen auf unterschiedliche Weise nutzen kann. Wenn etwa Spannungen in einem Raum seien, könnte man mit Salbei, Beifuss und Wacholder räuchern. Engler wickelte zusammen mit Besuchern und Besucherinnen auch Kräuter zu Räucherwickeln.
Gärtnerei Löwenzahn lud erstmals zum Gartentherapietag ein
Es war das erste Mal, dass die Gärtnerei Löwenzahn ihr Gelände für eine Veranstaltung zum weltweiten Gartentherapietag zur Verfügung stellte. An dem Tag machen jedes Jahr Gartentherapeuten und Gartentherapeutinnen auf der ganzen Welt auf die vielfältigen positiven Wirkungen von Gartentherapie aufmerksam und versuchen, die heilende Kraft der Natur mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.
Die professionelle Gartentherapie versteht sich als ein ergänzender, ganzheitlicher Ansatz, bei dem gärtnerische Tätigkeiten gezielt eingesetzt werden, um die körperliche, geistige und soziale Gesundheit von Menschen zu fördern. Sie findet Anwendung in Kliniken, Rehabilitationszentren, Pflegeeinrichtungen, Schulen sowie in sozialen und therapeutischen Einrichtungen.
Die Arbeit mit Pflanzen und in der Natur soll zudem auch Stress reduzieren, motorische Fähigkeiten verbessern und das emotionale Wohlbefinden stärken. Durch Veranstaltungen am Weltgartentherapietag soll die oft noch wenig bekannte Therapieform stärker ins öffentliche Bewusstsein gelangen.
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