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Schwabmünchen

04.05.2019

Bilder von Schwabmünchen für Manhattan

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3 Bilder
Mit dem Spatel bringt Karin Sternberg in ihrem Atelier in Schwabmünchen das neueste Werk in Öl voran.
Bild: Uwe Bolten

Karin Sternberg erzählt über ihren Weg in die Kunst und ihre Ausstellungen. Was ihre Tätigkeit mit einem Roman verbindet und was ihr Künstlername mit Träumen zu tun hat.

Das schlichte Haus an der Lechfelder Straße 10 in Schwabmünchen würde sich unspektakulär in die Reihe der Nachbargebäude einfügen, wären da nicht die Bilder an den Fenstern und ein gemalter Frühlingsgruß am Eingang. Karin Sternberg öffnet in einem Dirndl die Tür, das außer dem Schnitt kaum Gemeinsamkeit mit dem traditionellen Kleidungsstück hat. Das Muster der Schürze entspricht exakt einem Bild, das in demnächst in Manhattan ausgestellt wird.

Ein kleines "Haus der Kunst"

Ihr „Haus der Kunst“, wie sie ihr Domizil nennt, birgt zahlreiche Räume voller Bilder. Nur ein Teil hängt gut sichtbar an den Wänden. Die anderen finden nur auf Kleiderstangen Platz. Fast entschuldigend sagt die 55-Jährige: „Ich bin ein sehr kreativer Mensch. Mich fasziniert die Welt der Farben, Formen und der Kunst, da es immer wieder etwas Neues und Interessantes zu entdecken gibt.“

Begonnen habe das schon im Alter von 19 Jahren. Damals machte sie ein Zeitungsartikel auf die Seidenmalerei aufmerksam; nach einigen Versuchen wurde diese Kunstform zu ihrem Hobby. „Mit den Ergebnissen war ich so zufrieden, dass ich in der Folge Weihnachtsmärkte und Messen besucht habe“, erzählt sie aus der Vergangenheit. Nach diesem Einstieg wechselte sie zur Airbrush-Technik.

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Seit 2009 im eigenen Atelier

Die Nachfrage stieg und 2009 wagte sie mit einer eigenen Website den Schritt in die Öffentlichkeit und eröffnete in Schwabmünchen ihr Atelier, in dem sie bis heute tätig ist. Doch ihre älteren Bilder, die speziell spirituelle Motive darstellen, signierte sie nicht mit Karin Sternberg. „Für mich schien mein Name zu alltäglich, ich wollte einen Einzigartigen.“ Nach langer Suche habe sie sich für Svenja Lunise entschieden. Das Ergebnis gibt ihr recht. Der Name, in gängige Suchmaschinen im Internet eingegeben, verweist in der Hauptsache auf die Schwabmünchner Künstlerin.

2012 stieg sie auf Ölfarben um. Neben eigenen Ideen bringt sie ebenso Auftragsarbeiten auf die Leinwand. Ihrer künstlerischen Motivation bleibt Karin Sternberg seit ihrem ersten Auftritt in der Kunstszene treu. „Ich möchte Zufälle, Momente, Ereignisse, Träume, Ideen, Themen, Gefühle und Wünsche wahrnehmen, diese reflektieren und dann abstrakt oder figürlich sichtbar machen“, fasst sie ihren Leitgedanken zusammen. Dazu bedient sie sich verschiedener Techniken. „Ich vermische je nach Bedarf die Pinsel-, Wisch-, Wurf-, Struktur-, Kratz-, Lasier-, Sprüh- und Aquarell-Technik bis zur Spachteltechnik“, sagt die Künstlerin und fährt mit der Skizzierung eines neuen Werkes fort.

Lässig zurückgelehnt auf dem großen Sofa in ihrem Ausstellungsraum blickt sie durch die großen Fenster, die Frühlingssonne lässt ihre Bilder an den Wänden noch farbintensiver erscheinen. Die Räume wirken hell, doch eine Enge ist nicht zu übersehen. Es ist eben gefüllt von einer großen Sammlung von Bildern. Für ihre weltweite Korrespondenz gibt es kein Büro, eine kleine Ecke im Atelier muss reichen.

Agentur nutzt ihre Bilder, um Häuser aufzuhübschen

Manch wichtigen Auftrag bekommt sie durch ihr Netzwerk. Zum Beispiel von einer anderen Schwabmünchnerin: „Eine besondere Ehre war es, als die Autorin Emma Tomps, die ich seit Kinderzeiten kenne, bei mir nachfragte, ob ich die Illustration für ihr Buch „Servus Hellhuaba“ erstellen würde“, erzählt Sternberg mit etwas aufgeregterer Stimme. Immerhin standen für die Zeichnungen nur 14 Tage zu Verfügung. „Zuvor musste ich ja noch Teile im Buch lesen“. Dies sei ihr nicht leicht gefallen, handelt der Roman doch von einem Amoklauf eines Schülers. „

Es gibt Szenen im Buch, die sehr düster sind. Da ich mir die Situationen bildlich vorstellen muss, um sie umzusetzen, hat mich der Inhalt noch mehr betroffen“, stellt sie nachdenklich fest. So hat sie sich für Illustrationen in schwarz-weiß entschieden.

Pro Tag entstand ein Bild. Farbenfroher war die Zusammenarbeit für eine sogenanntes Home-Staging-Agentur. Dabei werden Häuser und Wohnungen durch Möbel und Bilder aufgewertet, um deren Verkauf zu fördern. „Ich hatte grobe Farbvorgaben und konnte meiner Kreativität freien Lauf lassen. Es entstanden ganze Bildserien, die ihre Benennung nach den verwendeten Hauptfarben erhielten“, erinnert sich Sternberg.

In zwei Welten unterwegs

Seit über zehn Jahren sind ihre Werke in nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, ebenso ist sie in renommierten Galerien gefragt. Im Juli packt sie erneut ihre Koffer und reist in die USA. Nachdem sie 2017 in Miami ausstellte, ist jetzt New York ihr Ziel. In der Artifact Gallery an der Orchard Street in der Lower East Side von Manhattan wird sie am 10. Juli 2019 eine Solo-Ausstellung mit dem Titel „Sparkle“ (Funkeln) eröffnen. Dazu wird auch das Dirndl dabei sein, das sie zum Hausbesuch unserer Zeitung probeweise trägt. Die Besonderheit: Der Stoff des Kleidungsstücks sowie die Schürze sind nach einem ihrer Bilder gestaltet, das zur Ausstellung gehört. „Selbstverständlich geht das Dirndl mit. Ich werde es zur Eröffnung tragen“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln.

2018 entschloss sich die Schwabmünchnerin, im Kunstbereich wieder unter ihrem bürgerlichen Namen Sternberg zu arbeiten. „Aber Svenja Lunise ist nicht Geschichte“, sagt sie. Diese tritt in einer anderen Welt künstlerisch auf. Es geht um die Traumwelt. Gemeint ist keineswegs bloße Phantasie. „Die Sprache der Seele und der Träume läuft über Bilder“, sagt die Künstlerin und verrät, dass sie einen Schreibblock neben dem Bett liegen hat, um schnell ihre Erinnerungen an den Schlaf zu notieren. Eines dieser Traum-Bilder wird in naher Zukunft Wirklichkeit werden. Es zeigt eine Musikkapelle im New Yorker Central Park, den sie im Sommer auf jeden Fall besuchen möchte.

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