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Bad Wörishofen
12.06.2021

Bundestag macht Kur zur Pflichtleistung der Kassen

Wassertreten ist ein Teil der Kneippkur, die Pfarrer Sebastian Kneipp einst in Bad Wörishofen begründete.
Foto: Matthias Becker

Freude beim Kneipp-Bund Bad Wörishofen über die Entscheidung. Versicherte haben nun einen Anspruch auf Kur, betont Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Viele haben in Bad Wörishofen darauf gehofft, nun steht es fest: „Die Ambulante Badekur ist künftig Pflichtleistung der Krankenkassen“, teilte Bad Wörishofens Altbürgermeister Klaus Holetschek (CSU) am Freitag kurz vor 18 Uhr mit. Holetschek ist Bayerns Gesundheitsminister und brachte den Wandel selbst mit jahrelangem Bohren dieses Brettes auf den Weg.

Von einem Aufbruchssignal für Kurorte und Heilbäder sprach Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) nach dem Beschluss des Bundestages. In Bayern hätten Kuren „einen ganz besonderen Stellenwert“, so Holetschek, der auch Vorsitzender des Kneipp-Bundes mit Sitz in Bad Wörishofen war. „Ein wichtiges Zeichen im Kneipp-Jubiläumsjahr 2021“ nennt der neue Kneipp-Bund-Vorsitzende Joachim K. Rudolph den Beschluss. Das Ziel sei nun, die Kneippschen Naturheilverfahren im Präventionsgesetz zu verankern, damit Gesundheitsförderung endlich den Stellenwert bekommt, den sie verdient“ und möglichst allen Menschen zugänglich werde. . Um dies zu untermauern, wolle man verstärkt den Bereich Wissenschaft und Forschung voranbringen.

So geht es nach dem Beschluss des Bundestages zur Kur weiter

Nun sei klar, dass „Versicherte einen gesetzlichen Anspruch auf diese wertvollen Vorsorgemaßnahmen haben“, so Holetschek. Der Bedarf der Menschen an "Gesundheitsangeboten zur Prävention und zur Wiederherstellung und Stärkung ihrer Gesundheit" sei ist riesig, so Aiwanger. Die Heilbäder und Kurorte hätten dafür die passenden Angebote. "Bayern hat lange dafür gekämpft, und die Verabschiedung des Gesetzes kommt zur rechten Zeit", so Holetschek. Bayern sei "Bäderland Nummer 1".

Corona habe gezeigt, wie "wichtig Gesundheit für jede und jeden von uns ist", so Holetschek. "Unser Gesundheitsbewusstsein ist sicherlich gestiegen, und Prävention und Gesundheitsförderung sind stärker in unser Blickfeld gerückt." Bad Wörishofens Altbürgermeister erwartet deshalb eine steigende Nachfrage nach Vorsorgeangeboten. Wichtig sei nun, dass die Menschen über die neue Möglichkeit umfassend informiert werden. Holetschek nennt noch einen weiteren Erfolg im neuen Gesetz. Die Krankenhausplanung bleibe weiterhin Ländersache. Dafür habe Bayern gekämpft.

"Die Anerkennung von Kuren als Pflichtleistung ist ein langjähriges Anliegen der CSU. Dafür habe ich mich auch persönlich stark gemacht. Jetzt ist der Erfolg da! Damit stärken wir gezielt die Prävention im Gesundheitsbereich", teilte der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) nach der Entscheidung mit. Stracke ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender für den Bereich Gesundheit und war mit dem Gesetzgebungsverfahren eng befasst. Der damalige Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Kur 1996 als Pflichtleistung gestrichen. Die Entscheidung zur Wiederaufnahme hatte sich zuletzt erneut verzögert. Sie wurde eigentlich schon zum 200. Kneipp-Geburtstag am 17. Mai erwartet. Einwände zu dem großen Sammelgesetz namens Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz seien der Grund gewesen. Ursprünglich sollte das Gesetz schon am 7. Mai 2021 beschlossen werden, berichtet Stracke. "Der Abschluss hatte sich jedoch verzögert, da insbesondere das nun ebenfalls beschlossene Pflegepaket auf Drängen der Union Bestandteil des Gesetzgebungsverfahrens wurde."

Bürgermeister Stefan Welzel fordert nun einen unbürokratischen Weg zur Kur

Laut Aiwanger soll das Gesetz am 25. Juni abschließend im Bundesrat beraten werden. Von dem Beschluss des Bundestages werde auch Bad Wörishofen profitieren, freut sich Bad Wörishofens Bürgermeister Stefan Welzel (CSU) über die langersehnte Nachricht. "Das ist ein sehr ermutigendes Signal für die Gesundheitsstadt Bad Wörishofen, Impulsgeber für die hochqualitativen Kurangebote in der Kneippstadt und motiviert hoffentlich viele Gesundheitssuchende, zu uns zu kommen." Welzel erinnert an den langen Kampf auf mehreren politischen Ebenen, auch gemeinsam mit Gesundheitsverbänden wie dem Kneippbund und dem Verband der Kneippheilbäder und Kneippkurorte. Auch in Bad Wörishofen sei der Schulterschluss zwischen "Bürgermeister, Kurdirektorin und den Bad Wörishofer Kurhoteliers" eng gewesen. Welzel erinnert an einen gemeinsamen offenen Brief an Bundesregierung und Krankenkassen Anfang August 2020.

"Wichtig bleibt nun bei der Umsetzung der neuen Gesetzeslage, dass Kuranträge so unbürokratisch wie möglich gestellt werden können", fordert Bürgermeister Stefan Welzel mit Blick auf die folgenden Schritte. "Gerade die Kneipp-Kur hat es verdient, wieder diesen Stellenwert zu bekommen."

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