Umzug statt Neubau: Die Josef Maier GmbH & Co. KG, Europas größter Wildverarbeiter, verlagert die Produktion von Bad Wörishofen in eine andere Stadt. Der etwa 13,5 Millionen Euro teure Neubau am Standort Bad Wörishofen ist damit plötzlich vom Tisch.
Möglich macht diese Kehrtwende in den Expansionsplänen der Wörishofer ein Zukauf. Der Branchenriese ist neuer Eigentümer der Fleischwerke der Landsberger Wurstspezialitäten GmbH, ehemals unter Lutz Fleischwaren weithin bekannt. Als sich diese Möglichkeit plötzlich ergeben habe, sei die Entscheidung gefallen, das Unternehmen auf diese Weise zu erweitern, sagt Martin Thoma, der Sprecher von Josef Maier. Die notwendige Erweiterung der Produktion sei in Bad Wörishofen „leider nicht möglich“ gewesen, sagt Thomas Maier, der geschäftsführende Gesellschafter der Josef Maier GmbH & Co. KG. Dabei waren die Pläne schon weit fortgeschritten. „Wir sind dabei aber auf Hürden gestoßen, welche die Planung gebremst haben“, erläutert Unternehmenssprecher Thoma.
Der Unternehmenssitz wird in Bad Wörishofen bleiben
Nun geht die Produktion also nach Landsberg. Wann der Umzug erfolgen wird, könne man derzeit aber nicht seriös sagen, so Thoma. „Aktuell ist das ein Fleischwerk, das wir erst einmal nach unseren Vorgaben umbauen müssen.“ Ist das geschehen, werden die Zerlegung und Verarbeitung von Wildfleisch von Bad Wörishofen nach Landsberg am Lech verlegt. Der Sitz des Unternehmens, sowie Verwaltung, Tiefkühllager und Logistik bleiben am jetzigen Standort des Unternehmens in Bad Wörishofen.
„Die Anforderungen unserer Kunden und die steigenden gesetzlichen Auflagen machen eine Erweiterung unserer Produktion notwendig“, erläutert Thomas Maier. Mit den Fleischwerken in Landsberg am Lech habe man „die optimale Lösung für unser Unternehmen gefunden“. Wie viele Beschäftigte später in der Landsberger Niederlassung arbeiten werden, ist derzeit noch unklar. Gegründet im Jahr 1973, zählt das Familienunternehmen Josef Maier am Standort Bad Wörishofen heute über 100 Mitarbeiter. In der Schusszeit werden dort insgesamt 6000 Tonnen Wild verarbeitet, eine gewaltige Steigerung zu den Zahlen von vor zehn Jahren, wo es noch 1500 Tonnen waren.
55 Millionen Euro Umsatz pro Jahr mit Wildfleisch
Die Josef Maier GmbH & Co. KG, vielen besser bekannt als Maier Wild, erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 55 Millionen Euro und zählt Gastronomiegroßhändler, Weiterverarbeiter, Lebensmitteleinzelhändler und Discounter zu seinen Kunden. Nun stand die größte Investition in das Unternehmen seit 20 Jahren an, das neue Hochregallager. Mehrfach hatte Maier überplant, um Forderungen aus der Nachbarschaft nachzukommen. Der Bauausschuss hatte zuletzt im Juni 2019 eine veränderte Bauvoranfrage genehmigt.
In Landsberg hat Maier stattdessen nun einen Betrieb gekauft, der wiederholt in Insolvenz ging. 2017 traf das Werk die Insolvenz der Lutz-Gruppe. Übernommen wurde der Standort im Landsberger Gewerbegebiet damals von der Zur-Mühlen-Gruppe, welche zum Tönnies-Konzern gehört. Die neuen Eigner schufen die Marke „Landsberger Wurstspezialitäten“. Aber der Neustart ging nicht lange gut. Am Ende stellte auch dieses Unternehmen den Betrieb ein. Das wurde im Februar 2020 bekannt.
So produziert Wild Maier. Ein Blick hinter die Kulissen von Europas Marktführer:
Bei "Wild Maier" wird das Reh zum Ragout