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Satire im Unterallgäu

02.01.2021

Berühmter Polit-Rentner zieht 2021 ins Heilbad Wörishofen

Nur unwesentlich abgeändert wurden die Pläne für die neuen „White-House-Kneipp-Arkaden“. Zusätzlich zu den bescheidenen Hütten der bisherigen „Löwenbräu-Arkaden“ (rechts) will Donald Trump noch ein klitzekleines Anwesen dranbauen lassen, damit er sich an seinem neuen Regierungssitz in Bad Wörishofen auch angemessen wohlfühlt. Danach plant der scheidende US-Präsident, auch die Kneippstadt endlich „great again“ zu machen. Sollte dabei der Ortsbürgermeister nicht mitspielen, werde er auf jeden Fall die Bürgermeisterwahl anfechten und für unrechtmäßig erklären, so Trump exklusiv zur MZ.

Plus Wer Bad Wörishofen „great again“ machen will und was 2021 im Unterallgäu sonst noch so alles passieren könnte.

Das neue Jahr wird wieder turbulent. So viel ist sicher. Noch jedes Jahr wurde lebhaft, wenn die Lokalredaktion der Mindelheimer Zeitung in die Glaskugel geblickt hat, um etwas von der nahen Zukunft zu erhaschen.

Januar

Gleich ein Dutzend Neujahrsbabys vermeldet das Mindelheimer Krankenhaus am 1. Januar 2021 – und alle stammen sie aus Loppenhausen oder Breitenbrunn! Nachdem im Vorjahr bekannt geworden war, dass es um die beiden Dorfschulen schlecht steht, weil die Schüler fehlen, haben sich die zeugungsfähigen Bewohner beider Orte ins Zeug gelegt. Bürgermeister Jürgen Tempel geht davon aus, dass in diesem Jahr jeweils mehr als 30 Kinder pro Ort zur Welt kommen – und geht es nach ihm, kann das auch in den kommenden Jahren so weitergehen. Bis die Kinder dann in die Schule kommen, sei sein Konzept bis ins kleinste Detail ausgefeilt und auch die Schulen müssten bis dahin renoviert sein – und erweitert, schließlich ist ein Re-Start mit jeweils zwei Klassen in Planung.

Die US-Wahl ist entscheiden, in wenigen Tagen wird der umstrittene Präsident Donald Trump das Amt an seinen Nachfolger Joe Biden übergeben (müssen). Für die Welt beginnt dann eine neue Zeitrechnung – und auch für die Kneippstadt Bad Wörishofen bricht ein neues Kapitel an, denn wie die MZ aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr, wird der Immobilien-Mogul nicht länger im tristen Amerika verweilen, sondern hat sich für einen Umzug aus dem Trump-Tower in Manhattan direkt nach Bad Wörishofen entschieden.

Dafür sorgten beste Kontakte zu einem ortsansässigen Bauunternehmer (Name der Redaktion bekannt), der mit seinen Plänen zum Bau eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Gelände der ehemaligen Löwenbräu-Areals nicht nur Begeisterung ausgelöst hat. Das wird sich ab sofort grundlegend ändern, denn dank Donald Trump werden aus den bisher eher popeligen „Löwenbräu-Arkaden“ künftig die „White-House-Kneipp-Arkaden“ – schließlich will sich Donald Trump ja wohnungsmäßig nicht verschlechtern, wenn er schon aus dem Weißen Haus in Washington herausgeekelt wurde.

Trump ließ daher die Baupläne für die „White-House-Kneipp-Arkaden“ geringfügig ändern (siehe Foto), die Genehmigung durch die Stadtverwaltung ist nur noch eine Formalität. Wie die MZ erfuhr, will Trump derzeit aber noch nicht die Bürgermeisterwahl in Bad Wörishofen anfechten – aber nur dann nicht, wenn ihm Bürgermeister Stefan Welzel alles genehmigt, was er will. „Then“, so Trump im MZ-Exklusivinterview“, „und nur then! – will I one Auge zuprinten und Welzel in the Amt leaven. Together werde ich mit Stefan dafür sorgen, dass Bad Wörishofen endlich wieder great again gemaked wird“, so Trump, dessen deutsche Wurzeln sprachlich unverkennbar sind. Auch die weltweit einzigartige Golfplatz-Dichte im Allgäu soll Trump seine Entscheidung für Bad Wörishofen letztlich erheblich erleichtert haben.

Februar

Noch ist der Zedernsaal geschlossen, weil das Landratsamt mit dem Brandschutz nicht zufrieden ist. Doch nun zeigt sich Licht am Ende des Tunnels: Ein beim Landratsamt eingereichtes Konzept verspricht besondere Erlebnisse in dem historischen Gemäuer ...

März

Der Kreistag und die verschiedenen Ausschüsse treten nun nicht mehr im Sitzungssaal des Landratsamtes zusammen, sondern nach einem rotierenden System in den Ställen der Unterallgäuer Landwirte. Beim ersten Treffen stimmt der Bäuerinnenchor das Lied „Im Märzen der Bauer ...“ an, um gewisse landwirtschaftliche Grundkenntnisse zu vermitteln. Statt Kaffee gibt es frische Milch, die auf Wunsch auch selbst gemolken werden kann. Der Ortswechsel ist das Ergebnis einer ersten Sitzung der AG Landwirtschaft, die der Landkreis im Januar neu gegründet hat. Er soll es den Räten vereinfachen, im Anschluss an die Sitzungen ein parteiübergreifendes Herzensanliegen voranzubringen, nämlich die Landwirtschaft im Unterallgäu tatkräftig zu unterstützen. Zu diesem Zweck hat der Landkreis eigens Blaumänner mit Landkreis-Logo sowie Mistgabeln angeschafft.

April

Der Mindelheimer Stadtrat kommt im Forum zusammen. Der Vorstand des Freundeskreises Alt-Mindelheim hat darum gebeten. Das Treffen ist nicht öffentlich wie stets, wenn der Freundeskreis Bürgermeister Stephan Winter gegenüber den Wunsch äußert, doch ohne Presse und neugierige Bürger zum Wohl der Stadt selbstlos tätig zu werden. Um dem boshaften Gerücht gleich entgegenzutreten: Natürlich handelt es sich bei dem Treffen nicht um Lobbyarbeit, sondern um am Gemeinwohl orientierte Weitergabe zukunftsweisender Ideen zum Wohl aller. Nachdem der Freundeskreis voriges Jahr in diesem Rahmen das Feld der Stadtplanung für sich entdeckt hat, präsentiert er nun seine vertiefenden Gedanken. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, soll die Idee einer U-Bahn für Mindelheim präsentiert werden. Der Vorsitzende hatte im Vorjahr bereits eine Tiefgaragenzufahrt vom Stern-Parkplatz herüber zum Maria-Ward-Kloster ins Spiel gebracht und für diesen kühnen städtebaulichen Wurf große Bewunderung erregt. Daraus ist nun ein städteplanerisches Gesamtkonzept für ein dichtes Mindelheimer U-Bahn-Netz entstanden, in das auch die Ortsteile integriert werden. Drehkreuz soll das Mühlviertel werden.

Mai

Am 1. Mai nimmt der sogenannte „Flexibus“ nun auch im Wertachtal Fahrt auf – dafür hat nicht zuletzt Wiedergeltingens Bürgermeister Norbert Führer seit Jahren gekämpft wie ein Löwe. Wie jetzt durchsickerte, wird es zwar weiterhin keine Verbindung nach Bad Wörishofen und Mindelheim geben. Doch viel besser: Zusätzlich zur Direktverbindungen nach Buchloe werden ab sofort auch München, Paris und Moskau direkt von Wiedergeltingen aus angefahren. „Ein Meilenstein für den ÖPNV in Wiedergeltingen“, freut sich Führer. Dass ausgerechnet Rammingen jetzt außen vor bleibt und auch keine Direktverbindung nach Moskau bekommt, sei der Weigerung der geizigen Ramminger zuzuschreiben. Einziger Kommentar von Führer dazu: „Ätsch!“ Zum Dank für den unermüdlichen Einsatz von Norbert Führer wird der Flexibus in „Nobbi-Bus“ umgetauft – aus irgendwelchen Gründen wurde dafür nun nicht sein Nachname ausgewählt.

In Kirchheim beginnen derweil die Bauarbeiten am Kirchheimer Schloss. Massenhaft Zedernholz wird in den Fuggermarkt gekarrt. Es gehen schon die wildesten Gerüchte um, wie der Brandschutz künftig sichergestellt werden soll.

Juni

Der Geschäftsführer des Unterallgäuer Bauernverbands, Helmut Mader, übergibt Landrat Alex Eder einen Eilantrag, allenfalls noch Kreisräte mit landwirtschaftlicher Erfahrung auf die Höfe zu schicken. Andernfalls sei mit gravierenden Ernteausfällen zu rechnen. Die „AG Landwirtschaft“ könnte fortan für „Ade geliebte Landwirtschaft“ stehen. Schon jetzt gingen die Schäden, die die Kreisräte an und mit den von ihnen genutzten Traktoren verursacht haben, in die Hunderttausende.

Juli

Der Kirchheimer Zedernsaal wird mit großem Brimborium, spanischem Sangria und Bratwürsten aus Thüringen wiedereröffnet. Um die Gäste sicher nach oben zu bringen, wurde ein Aufzug nach historischem Vorbild installiert – ausgekleidet mit feinstem Zedernholz, angetrieben von einem Dutzend edler Pferde. Was tut man nicht alles für den Komfort! Nun kommen die Konzertbesucher im Notfall aber auch sicher nach draußen: Über eine rot-grün-gelb-gestreifte Rutsche (gestiftet von Familie Wund, die sie in der Erdinger Therme nicht mehr brauchen konnte) gelangt man direkt vom Zedernsaal in den Innenhof. Um die Landung abzufedern, wurde dort ein großes Wasserbecken aufgebaut – es bietet zudem eine perfekte Erfrischung nach heißen, spanischen Klängen. Landrat Alex Eder, auf dessen Initiative Gerüchten zufolge der Zedernsaal einst gesperrt worden sein soll, traut sich als Erster und rutscht mit einem lauten „Huiiiii!“ nach unten. Drei Tage später beginnen die Sommerferien und der Zedernsaal wird zum neuen Treffpunkt für Wasserratten aus ganz Süddeutschland. Dass vor dem Plansch-Vergnügen noch eineinhalb Stunden Kultur anstehen, nehmen sie gerne in Kauf, so spektakulär ist die „Abfahrt“ in den Pool im Schlossinnenhof.

August

Helle Aufregung herrscht in Bad Wörishofen: Stattliche sechs Bundesligisten haben sich zu einem Trainingslager in der Kneippstadt angemeldet. Der Grund: Der Erfolg von Union Berlin. Denn nachdem die Berliner zum Ende der Vorrunde Punkte gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund geholt hatten, spricht Union-Trainer Urs Fischer davon, dass man die Grundlagen für diesen Erfolg dem Sommertrainingslager im Unterallgäu zu verdanken habe. Prompt gehen bei der Kurdirektion Anfragen aus Berlin (diesmal die Hertha), Wolfsburg, Hoffenheim (diesmal nicht die U23), Mönchengladbach, Köln und Freiburg ein. Vorsorglich nimmt Bad Wörishofen Kontakt zu den umliegenden Fußballvereinen auf, um zu prüfen, ob auf deren Plätzen gegebenenfalls trainiert werden kann. Könnte ja passieren, dass der Bad Wörishofer Platzwart überraschend im Urlaub weilt ...

September

Ganz Deutschland ächzt unter den finanziellen Folgen der Corona-Krise. Ganz Deutschland? Nein, ein kleines Unterallgäuer Dorf stemmt sich mit aller Macht gegen den Trend und pfeift auf Schulden und Covid-19. Das beschauliche Türkheim kann – der Krise zum Trotz – auf solide Bilanzen verweisen. Und dafür ist einzig und allein der pfiffige Finanzjongleur Claus-Dieter Kämmerer (formerly known as Hiemer) zuständig. Kein Wunder, dass das auch in Berlin nicht mehr geheim gehalten werden konnte: Die neue Bundesregierung wird daher auch einen neuen Finanzminister brauchen – endlich einen, der sein Handwerk wirklich versteht und den glücklosen Olaf Scholz endlich ablöst. Der sportliche Claus-Dieter Kämmerer aus Türkheim bringt auch optisch (im Gegensatz zum blassen Scholz) alles mit, was dieses schwierige Amt auf internationalem Parkett erfordert. Dass der Kämmerer dazu auch gleich seinen Nachnamen geändert hat, sorgte in Türkheim allerdings für Kopfschütteln.

Oktober

Mit Beginn der Haushaltsberatungen rät Kreiskämmerer Sebastian Seefried dringend davon ab, weitere Arbeitsgruppen nach dem Vorbild der AG Landwirtschaft zu installieren. Im Hinblick auf diese spricht er von einem unkalkulierbaren finanziellen Risiko. Da keine Versicherung bereit sei, für die entstandenen Schäden aufzukommen, werde sie der Landkreis über Jahre hinweg abstottern müssen. Eine drastische Neuverschuldung sei vor diesem Hintergrund leider unvermeidbar.

November

Die Verbindungsstraße zwischen Amberg und Wiedergeltingen ist seit Jahrzehnten ein holpriges Ärgernis. Mehrere hundert Meter lang zieht sich dieser rumpelige Highway dahin und erfordert von den zigtausenden Autofahrern, die dort jeden Tag zwischen den beiden Metropolen Amberg und Wiedergeltingen hin- und herpendeln müssen, mehr als geduld. Gut, dass nun endlich Abhilfe geschaffen wird: Nach intensiven Gesprächen zwischen den Regierungschefs Peter Kneipp und Norbert Führer wurde jetzt eine zukunftsweisende Lösung gefunden: Die Verbindungsstraße von Amberg nach Wiedergeltingen wird endlich untertunnelt! „Alles andere wäre reine Verschwendung von Steuergeld“, betonen Kneipp und Führer in einer gemeinsamen Regierungserklärung. Dabei wird auch ausdrücklich mit dem bösartigen Gerücht aufgeräumt, dass Dauer-Querulant und 2. Bürgermeister Bernd Stapfner sich ausdrücklich das Recht zum symbolischen „Ersten Spatenstich“ für die Gemeinde Wiedergeltingen gesichert habe. Auch über die künftige Bezeichnung herrscht noch Unklarheit: Soll der Verbindungstunnel nun „Amberg-Wiedergeltingen-Tunnel“ heißen oder doch besser „Wiedergeltingen-Amberg-Tunnel“?

Dezember

Rammingens Bürgermeister Anton Schwele will es noch mal wissen: Er hat rechtzeitig angekündigt, auch bei der nächsten Bürgermeisterwahl im März 2026 noch einmal zu kandidieren. Der dann 73-Jährige sieht gar keinen Grund, nicht mehr zu kandidieren: „Ich bin Rammingen und dabei bleibt’s“, so der rüstige Rathauschef, der sich schon auf seine dann sechste Amtszeit freut. Galt Schwele bislang als „bauernschlau“ im positivsten Sinne, so strebe er jetzt auch noch das Attribut „altersweise“ an. Sein großes Vorbild sei ja auch Konrad Adenauer: „Und der war jugendliche 73, als er zum ersten Mal Bundeskanzler wurde“, so Schwele.

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